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Patrick Zwerger

Bleibt der Mitsubishi SpaceJet ein ewiger Erlkönig?

Mitsubishi Bleibt der SpaceJet ein ewiger Erlkönig?

Der Mitsubishi SpaceJet liegt seit Anfang 2020 auf Eis. Die US-Luftfahrtbehörde FAA wollte vom Hersteller jetzt wissen, wie es mit dem Regionaljet weitergeht. Die Antwort aus Japan fällt ernüchternd aus. Mitsubishi will die Entwicklung auf absehbare Zeit nicht fortführen.

Militärischer Konstruktionsstandard, ausgefeilte Aerodynamik, sparsame PW1200-Getriebefans, penible Verarbeitung, Glascockpit, elektronische Flugsteuerung – und eine geräumige Kabine: Mitsubishi hat beim SpaceJet an alles gedacht, was einen modernen Regionaljet auszeichnet. Nur verfügbar sind die als M90 mit 76 bis 92 Sitzen und als M100 mit 70 bis 88 Sitzen angelegten Inlandsflitzer auf absehbare Zeit nicht. "Es ist derzeit nicht geplant, das Programm wieder aufleben zu lassen", teilte Mitsubishi der FAA jetzt in einer knappen Email auf Nachfrage der Behörde mit. "Alle Prototypen wurden dauerhaft in Hallen eingelagert."

Gelder zusammengestrichen

Mitsubishi hatte Flugerprobung und Zertifizierung des SpaceJet Anfang 2020 ausgesetzt – wegen der Pandemie konnten Teams nicht zwischen Japan und der in Moses Lake in den USA stationierten Testflotte reisen. Ab April 2021 strich der Konzern die bis 2023 budgetierten Projektmittel um 90 Prozent zusammen.

Chancen auf Serienfertigung schwinden

Schon vor der Pandemie hatte das 2008 als "MRJ" gestartete Programm sieben Jahre Verspätung – und bei potenziellen Kunden einen schweren Stand. M90 und M100 zielten nach einem Strategiewechsel 2019 noch klarer auf den US-Absatzmarkt – das gesamte Konzept wurde auf Einsatzprofile, Geschäftsmodelle und Scope-Regeln großer US-Flugkonzerne zugeschnitten. Embraer E2 und Airbus A220 verdrängen den SpaceJet bei Nachbesetzungen in den US-Regionalflotten inzwischen aber zusehens in eine Außenseiterposition – Experten schließen einen endgültigen Projektstopp daher nicht aus.