in Kooperation mit
Boeing 737 MAX 8 von Ryanair mit erhöhter Passagierkapazität. Boeing

Ryanair sieht eine baldige Erholung nach Corona.

Ryanair-Chef „Helft Fluggästen, nicht den Airlines!“

Ryanair-Chef Michael O'Leary hat von der Politik eine Senkung von Steuern und Abgaben auf Flugtickets gefordert, um die Nachfrage durch eine flächendeckende Ticketpreissenkung für alle Passagiere anzukurbeln. Die fortdauernde Stützung seiner Konkurrenten mit Steuermitteln sieht er dagegen kritisch.

O'Leary äußerte sich am Montag in der Videokonferenzreihe "Hardtalk" von Eurocontrol. Der irische Airline-Chef plädierte für Staatshilfen zugunsten niedrigerer Ticketpreise und gegen die Rettung von Bestandsairlines. Europas Regierungen sollten Ticketabgaben und Umweltsteuern so lange aussetzen, bis die Nachfrage wieder anziehe. Die Freihaltung nicht genutzter Slots für traditionelle Linienairlines behindere eine schnelle Erholung des Luftfahrtmarktes, so O'Leary.

Ryanair werde nach 150 Millionen Passagieren 2019 in diesem Jahr nur rund 35 Millionen befördern. Für 2021 rechne er für Ryanair aber wieder mit 95 bis 125 Millionen Fluggästen und für 2022 mit einem Wachstum bis zu 200 Millionen. Dazu erhalte Ryanair ab Sommer 2021 die gerade wieder FAA-freigegebene Boeing 737 8-200. Die EASA-Freigabe erwartet Ryanair zum Jahresanfang.

Ab dem Sommer 2021 würden 13 Flugzeuge geliefert und 2022 noch einmal 18 neue Zweistrahler in Dienst gestellt. Ryanair hatte kürzlich ihre Bestellung bei Boeing um 75 Flugzeuge auf insgesamt 210 Boeing 737 MAX erhöht. Ryanair erhält eine Abwandlung der 737 MAX 8 mit zusätzlichen Notausgängen, die nun als 737 8-200 bezeichnet wird.

Die Boeing 737 MAX werde Ryanair bei 4 Prozent mehr Passagierkapazität und 16 Prozent niedrigerem Kraftstoffverbrauch Ticketpreissenkungen ermöglichen. Dies werde die Passagierakzeptanz erhöhen. Die Airline habe drei eigene MAX-Simulatoren beschafft. Piloten und Techniker seien von den Modifikationen "begeistert".

Die Martkerholung in Europa werde mit der Verfügbarkeit von Impfungen ab Frühjahr 2021 beginnen und vier bis fünf Jahre dauern, sagt der Ryanair-Chef voraus. In Europas Airline-Landschaft könnten sich, auch durch den Brexit, Änderungen ergeben. So sei ein Verbleiben von BA in der spanischen EU-Holding IAG nach dem Brexit fraglich. Auch sei die eigenständige Zukunft von easyJet unklar, die möglicherweise mit Wizz zusammengehe.

In der Flughafenlandschaft schützten Regierungen ihre Airlines vor Konkurrenz durch Ryanair. So erhalte diese keinen Zugang nach Amsterdam-Schiphol, obwohl es dort Slots gebe. Der Wettbewerb werde gestört. Ryanair wolle mehr nach Rom, Berlin und Amsterdam fliegen. Dies sei aber von Rabatten abhängig, so lange der Markt noch schwach bleibe.

Die Steuerrettung von Linienairlines werde auf mittlere und lange Sicht deren strukturelle Nachteile gegenüber Niedrigpreisairlines verschärfen, da kein Reformdruck entstehen könne, mahnte der Airline-Chef.

Auch der Flugsicherung las der gewohnt hart austeilende O'Leary die Leviten: Der "Single European Sky" sei gescheitert und komme seit 20 Jahren nicht voran. Er wünsche sich möglichst viele, konkurrierende Flugsicherungsanbieter und nicht eine Organisation. Eurocontrol solle eher die Rolle einer "Flow Control" übernehmen (möglichst nahtlose, technische Ablauf-Steuerung und -optimierung der Flüge), wobei sie in den vergangenen Jahren sehr große Fortschritte gemacht habe, lobte O'Leary.