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Positiver Trend hält an

Regionalflugzeug-Bilanz 2014

Die Zahl der ausgelieferten Flugzeuge steigt weiter und erreicht den höchsten Stand seit fünf Jahren. Die Verkäufe liegen knapp unter der Bestmarke von 2013. Dennoch müssen alle Hersteller verschiedene Herausforderungen meistern.

Nach dem Vorjahr, das dank der Großbestellungen für die neue E-Jet-Generation von Embraer das beste Ergebnis der letzten fünf Jahre erzielte, war 2014 ein weiteres gutes Jahr für den Regionalflugzeug-Sektor. Dies zählt umso mehr, als das Verhältnis zwischen den drei Großen der Branche – ATR, Bombardier und Embraer – erstmals recht ausgeglichen ist, sowohl bei Verkäufen als auch Auslieferungen. Das einst fast totgesagte ATR-Konsortium legte mit seinen Turboprops das beste Ergebnis der Firmengeschichte bei Verkäufen (160 Flugzeuge) und bei Auslieferungen (83 Exemplare) hin. Das Unternehmen verkaufte sogar mehr Flugzeuge als die sonst dominierenden Konkurrenten aus Brasilien und Kanada. Auch der Umsatz mit 1,8 Milliarden Dollar (1,57 Mrd. Euro) und der Auftragsbestand (280 Flugzeuge im Wert von 6,8 Mrd. Dollar) erreichten neue Rekorde. Nun liegt die Herausforderung im weiteren Hochfahren der Produktion, um die hohe Nachfrage zu bedienen; 2016 will ATR die Marke von 100 gefertigten Maschinen durchbrechen.

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Bombardier unter Druck

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Ein turbulentes Jahr hat Bombardier hinter sich: Nach einem Triebwerksschaden mussten die Kanadier die Flugerprobung der CSeries für rund drei Monate einstellen. Die Gesamtkosten des Programms stiegen auf 5,4 Milliarden Dollar, eine Milliarde mehr als zuletzt geplant. Prominentester Betroffener des Abbaus von 1800 Stellen war der Präsident von Bombardier Aerospace, Guy Hachey. Er fiel der Neuorganisation der Luftfahrtabteilung zum Opfer. Die Chefs der drei Sparten Commercial Aircraft, Business Aircraft und Aerostructures and Engineering Services berichten nun direkt an die Unternehmensleitung. Trotz der Maßnahmen sowie deutlich gestiegener Verkaufs- und Auslieferungszahlen bei den Regionalflugzeugen fuhr Bombardier Aerospace beim operativen Ergebnis einen Verlust von 995 Millionen Dollar (870 Mio. Euro) ein. Nun soll Alain Bellemare als neuer Chef der Firmengruppe und Nachfolger von Pierre Beaudoin Abhilfe schaffen. Er war Präsident von Pratt & Whitney Canada und leitete zuletzt die Integration von Goodrich in die United Technologies Corporation (UTC). Damit liegt die Führung von Bombardier erstmals außerhalb der Gründerfamilie der Traditionsfirma – ein Schritt, der Beobachtern zufolge als längst überfällig galt. 

E-Jets bleiben gefragt

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Bei Embraer bewegten sich die Auslieferungen auf Vorjahresniveau. Die Verkäufe konnten zwar nicht den Rekord von 2014 erreichen, waren aber immer noch dreimal so hoch wie 2012. Die Zukunft der E170 und E195 bleibt angesichts des Auftragsbestands von nur zwölf Exemplaren aber fraglich. „Die Fertigungslinien der E170 und der E195 sind dieselben wie für E175 und E190, so dass – auch wenn wir nicht viele Bestellungen für diese zwei Modelle bekommen sollten – die Linien geöffnet bleiben”, sagte Paulo Cesar de Souza e Silva, Chef der Verkehrsflugzeugsparte, gegenüber der FLUG REVUE. Für dieses Jahr erwartet er eine höhere Zahl verkaufter Flugzeuge mit ausgewogenen Anteilen für die aktuellen und die E2-E-Jets sowie gleichbleibende Auslieferungszahlen. In Grenzen halten sich neue Bestellungen für den Mitsubishi Regional Jet (MRJ). Mögliche Käufer warten weiter den Verlauf der Flugerprobung ab. Eine erneute Verspätung dürfen sich die Japaner nicht leisten, da besonders die großen US-Kunden abspringen könnten.

Derweil läuft die Produktion des Suchoi Superjet 100 weiter hoch. Zuletzt lagen die Auslieferungen hinter dem Plan zurück, was zu Finanzproblemen des Herstellers führte. In diesem Jahr will Suchoi rund 50 Flugzeugen bauen; das Ziel liegt bei 60 Einheiten pro Jahr. Das Muster wird bald auch hierzulande zu sehen sein, denn als erster Betreiber aus Westeuropa fliegt  VLM Airlines im Sommer mit zwei geleasten Superjets von Antwerpen aus. Bei Antonow haben sich dagegen die Hoffnungen auf größere Erfolge nicht erfüllt. In China erhielt der ARJ21-Regionaljet nach langer Verspätung am 30. Dezember 2014 seine Zulassung. Verlässliche Zahlen über aktuelle Festbestellungen liegen jedoch nicht vor.

FLUG REVUE Ausgabe 04/2015

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