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Project Sunrise ohne Flugzeug

Qantas weist Angebote von Boeing und Airbus zurück

Nonstop von Sydney nach New York und London: Qantas möchte mit seinem „Project Sunrise“ die Welt noch ein Stück kleiner machen. Doch für den profitablen Linienbetrieb fehlt den Australiern das passende Flugzeug. Unterdessen streckt auch die Konkurrenz ihre Fühler nach den Ultralangstrecken aus.

Zwei Testflüge für das „Project Sunrise“ hat Qantas schon absolviert: Der erste ging Ende Oktober in 19 Stunden und 16 Minuten von New York nach Sydney, der zweite dauerte drei Minuten länger und führte im November von London aus in die australische Ostküstenmetropole. Zum Einsatz kamen jeweils brandneue Boeing 787-9, deren Auslieferungsflüge entsprechend umgestaltet wurden. Die Tests sollten zeigen, ob Crew und Passagieren derart lange Flugzeiten zuzumuten sind. Im Dezember soll ein weiterer New York-Flug folgen. Zum Jahresende möchte Qantas entscheiden, ob sie „Project Sunrise“ kommerziell umsetzen wird oder nicht.

Airbus
Airbus möchte bei Qantas mit einer Spezialversion der A350-1000 punkten. Boeing wirbt dagegen mit der 777-8. Deren Entwicklung liegt jedoch aktuell auf Eis.

Hersteller sollen Entwürfe überdenken

Sollte die Führung der Airline tatsächlich grünes Licht für die beiden Ultralangstrecken geben, bleibt eine zentrale Frage jedoch vorerst offen: die nämlich, welches Flugzeugmuster die ab 2022 oder 2023 geplanten Linienflüge dann übernehmen soll. Klar ist bislang lediglich, dass ein kostendeckender Betrieb mit keiner aktuell am Markt verfügbaren Maschine zu bewerkstelligen ist. Sowohl Airbus als auch Boeing werben deshalb mit einer speziell auf ultralange Flüge getrimmten Version ihrer Langstrecken-Zweistrahler A350-1000, bzw. 777-8. Entsprechende Angebote waren vor einiger Zeit bei Qantas ins Haus geflattert – doch dort war man mit dem Gebotenen offenbar nicht einverstanden: Qantas habe beide Offerten an die jeweiligen Absender zurückgeschickt, mit der Bitte, sie noch einmal zu überdenken, schreibt der Sydney Morning Herald auf seiner Webseite. „Wir haben sie gebeten, ihre Stifte anzuspitzen und sich alles noch einmal anzuschauen“, zitiert die Zeitung den Qantas International-Geschäftsführer Tino La Spina. „Wir warten jetzt gespannt darauf, was wir zurückbekommen.“ Immerhin werde das ausgewählte Flugzeug für mindestens 20 Jahre Teil der Flotte sein. Deshalb wolle man alle Eventualitäten abdecken und sicherstellen, dass das Muster zukunftssicher sei, so La Spina am Dienstag auf einer Investorenkonferenz.

James D Morgan/Qantas
Um "Project Sunrise" umzusetzen, braucht Qantas auch eine Vereinbarung mit ihren Piloten, die längere Dienstzeiten erlaubt.

„Project Sunrise“ auf der Kippe

Inwieweit sich Airbus und Boeing tatsächlich in weitere Planungen stürzen, um einen für Qantas maßgeschneiderten Langstreckenjet zu schaffen, wird sich zeigen. Schließlich geht es dabei neben viel Prestige dem Vernehmen nach „nur“ um eine Charge von zwölf Maschinen. Für beide Konkurrenten dürfte es deshalb auch darum gehen, das neue Flugzeug nicht nur den Australiern, sondern auch möglichen anderen Kunden zu verkaufen. Je weiter Entwicklungskosten und potentielle Marktchancen dabei auseinanderdriften, desto unwahrscheinlicher scheint es, dass das „Project Sunrise“-Flugzeug tatsächlich gebaut wird. Auch, weil Qantas auf dem Weg zu den Nonstopflügen noch weitere Klippen umschiffen muss, wie etwa die Erhöhung der Dienstzeiten für die Piloten. Qantas-Chef Alan Joyce baut deshalb schon einmal vor für den Fall, dass das Projekt scheitern sollte. Er habe kein Problem zu sagen, „wir haben es versucht, aber es hat nicht funktioniert“. Auch wenn dank der Berichterstattung zu den derzeitigen Tests schon jetzt „eine große Nachfrage“ für die geplanten Flüge spürbar sei.

Aleem Yousaf (CC BY-SA 2.0)
Virgin Group-Chef Richard Branson kündigte an, die Airlines Virgin Atlantic und/oder Virgin Australia als Qantas-Konkurrenz auf Ultralangstrecken zu etablieren.

Konkurrenz belebt das Geschäft?

Unterdessen haben die Anstrengungen von Qantas auch die Aufmerksamkeit der Konkurrenz geweckt. Der britische Milliardär Richard Branson, Gründer und Chef der Virgin Group, liebäugelte jüngst in einem Gespräch mit The Australian ebenfalls mit den betreffenden Nonstopstrecken. Er denke, Qantas brauche einen Wettbewerber auf ultralangen Routen, so Branson. „Möglicherweise wird Virgin Australia in diesen Wettbewerb einsteigen, vielleicht auch Virgin Atlantic. Oder beide zusammen.“ Qantas-Mann Joyce hat für diese Ankündigung indes nur ein müdes Lächeln übrig: Die genannten Airlines hätten weder das Flugzeug noch das Know-how, um gegen Qantas anzutreten. „Ich denke, Branson will nur Werbung machen“, so Joyce gegenüber The Australian.

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