Azur Air steht im Fadenkreuz der Sicherheitsbehörden – und hat mächtig Ärger: Eine ganze Reihe von Zwischenfällen Anfang des Jahres weckte das Interesse der russischen Luftfahrtagentur Rosawazija an der Fluglinie aus Moskau. Technische Störungen, Flugverspätungen und -ausfälle häuften sich überdurchschnittlich. Daraufhin ordnete die Behörde nach eigenen Angaben bei Azur Air eine umfangreiche Inspektion an, die vom 19. Februar bis zum 5. März andauerte – und "eine Reihe von Verstößen gegen zwingende Bestimmungen der russischen Luftfahrtgesetzgebung" zutage förderte, wie Rosawiazija in einer Pressemitteilung ausführt.
Bei der Inspektion, vorgenommen von Beamten der staatlichen Verkehrsaufsicht Rostransnadzor, standen neben dem allgemeinen Zustand der Flugzeugflotte von Azur Air mehrere weitere Aspekte im Fokus. So prüfte Rostransnadzor laut offiziellen Angaben die "Einhaltung zwingender Anforderungen" bei Vorbereitung und Durchführung von Inlandsflügen, die Erfüllung geltender Standards bei der Flugzeugwartung sowie die "Achtung der Rechte der Passagiere (einschließlich der Bereitstellung von Dienstleistungen im Falle von Flugverspätungen und der Rückerstattungsverfahren)."

Azur Air betreibt eine reine Boeing-Flotte. Hier eine 767-300ER auf dem Flughafen von Sankt Petersburg.
Entzug der Flugerlaubnis droht
Welche Defizite bei der Untersuchung konkret beanstandet wurden, schreibt Rosawiazija nicht. Offenbar waren die Mängel auch nicht schwerwiegend genug, um Azur Air per sofort die Betriebserlaubnis zu entziehen. Dennoch handelte es sich kaum um bloße Lappalien, ließ die Luftfahrtbehörde den Carrier doch nur scheinbar vom Haken: Bis zum 8. Juni fliegt Azur Air offiziell unter strenger Behördenaufsicht auf Bewährung weiter. In dieser Zeit müssen die aufgedeckten Missstände behoben werden, ansonsten droht der Airline nach dem 8. Juni das Grounding.
Am Vorabend der Entscheidung traf sich Rosawiazija-Chef Dmitri Jadrow mit dem Azur Air-Geschäftsführer Jewgeni Koroljew zum Krisengespräch. "Dabei wurden die Situation bei der Fluggesellschaft und die festgestellten Verstöße im Geschäftsbetrieb erörtert", schreibt die Behörde. Nun erwarte man von Azur Air, "dass sie einen klaren Plan zur Behebung der Probleme vorlegt."
Unter anderem soll die Airline ihren Flugplan reduzieren sowie selbst intern die Abläufe bei Wartung und Instandhaltung der Flugzeuge auf den Prüfstand stellen und verbessern. "Rostransnadzor überwacht die Behebung der festgestellten Verstöße", heißt es in der Pressemitteilung von Rosawiazija weiter. "Sollten diese nicht bis zum 8. Juni behoben sein, wird der Fluggesellschaft die Betriebserlaubnis entzogen."
Russlands größte Charter-Airline
Azur Air betreibt derzeit eine Flotte von insgesamt 16 Passagierjets der Typen Boeing 757-200, 767-300ER und 777-300ER. Vor dem Ukraine-Krieg fanden sich sogar 30 Boeing-Flugzeuge in der Flotte, mit denen der Carrier von mehreren Städten in Russland aus Urlaubsdestinationen im In- und Ausland ansteuerte. Derzeit beschränkt sich das Netzwerk vornehmlich auf innerrussische Flüge, auch die Türkei und Thailand werden allerdings regelmäßig von Azur Air angesteuert. Insgesamt 20 russische Städte sind als Abflughäfen im Flugplan vermerkt. Heimatbasis ist Moskau-Scheremetjewo.
Nicht das erste Mal auf Bewährung
Laut offiziellen Angaben war im Januar 2026 fast ein Drittel aller Azur Air-Flüge, 164 an der Zahl, um mehr als zwei Stunden verspätet. Im Februar war die Rate mit 123 betroffenen Flügen nur unwesentlich besser – bei 90 Flügen sammelte Azur Air sogar eine Verspätung von mehr als vier Stunden. Nur ein Drittel aller Flüge ging tatsächlich pünktlich über die Bühne. Das Airline-Management führt diese Bilanz auf "eine Reihe von unvorhergesehenen Ereignissen im Flugverkehr" zurück, bei denen die Besatzungen stets im Interesse der Flugsicherheit entschieden hätten. Ende 2025 habe die Pünktlichkeitsrate der Fluggesellschaft noch über 90 Prozent betragen, heißt es.
Die Betriebserlaubnis von Azur Air war im Übrigen schon einmal zur Bewährung ausgesetzt, zwischen Dezember 2017 und März 2018. Auch damals hatten die Behörden umfassende Mängel bei der Instandhaltung von Flugzeugen und der Organisation des Flugbetriebs festgestellt, in deren Folge es zu massiven Verspätungen und Flugausfällen kam. Damals bekam die Airline ihre Probleme offenbar rechtzeitig in Griff – zumindest durfte sie bis heute weiterfliegen.





