Die Studie "Effect of elderly passenger distribution on A320 aircraft evacuation under dual-engine fire scenarios" (Auswirkungen der Sitzverteilung älterer Passagiere an Bord von Flugzeugen der A320-Familie unter den Bedingungen doppelter Triebwerksbrände) entstand gemeinsam durch Forscher aus China, Kanada und Australien. Sie wurde in der Fachzeitschrift AIP Publishing (Volume 16, Issue 3, März 2026) veröffentlicht.
Virtuelle A320 diente als Beispielflugzeug
Die Forscher untersuchten an einem virtuellen Modell eines Flugzeugs der A320-Familie, wie dessen Evakuierung in der Praxis abläuft, also mit zunehmend mehr älteren (hier "ab 60 Jahre Lebensalter") und gebrechlichen Insassen an Bord. Erschwerend wurde angenommen, dass alle Overwing-Notausgänge wegen beidseitiger Triebwerksbrände nicht zur Verfügung stehen. Für die Simulation wurden in 27 Testläufen drei unterschiedliche Kabinenkonfigurationen geprüft. Zwei mit Zweiklassenkabine (152 und 160 Passagiere) und eine mit Einklassenbestuhlung mit 180 Passagieren. Dann wurden die virtuellen Kabinen mit 20 bis 80 Prozent "älteren Passagieren" besetzt, die in drei Anordungen in der Kabine verteilt wurden: 1. In der Nähe der Ausgänge gleichmäßig verteilt. 2. Geballt in der mittleren Kabinensektion, also hier weit von den nutzbaren Ausgängen entfernt. 3. Zufällig über die gesamte Kabine verteilt. Nur die Plätze in den Notausgangsreihen wurden grundsätzlich nie mit älteren Passagieren besetzt.
Kein Testdurchlauf schaffte die vorgegeben Frist
Die Simulation kam zu dem Ergebnis, dass in keinem der 27 Szenarien eine Evakuierung in den geforderten 90 Sekunden geschafft worden wäre. Am schnellsten klappte das zuerst genannte Platzieren in der Nähe der Türen, am schlechtesten eine Ballung in der Mitte. Die benötigten Zeiten reichten von 141 Sekunden bis zu 218,5 Sekunden für die geforderte, vollständige Evakuierung. Grund waren eine längere Reaktionszeit der älteren Teilnehmer, die teilweise auch Sitzlehnen zum Aufstehen brauchen, und eine langsamere Orientierung im Gang, um zum Notausgang zu kommen und Behinderungseffekte für dahinter zur Evakuierung anstehende Reisende. Die ideale Notausgangfrequenz von drei Passagieren pro Sekunde wurde jeweils nur kurzzeitig erreicht. Meistens ging es sehr viel langsamer voran.
Die ideale Platzierung kommt aus dem Rechner
Die kürzestmögliche Evakuierungszeit erreicht man nach dem Fazit der Forscher, wenn man die älteren Passagiere genau geplant einzeln in der Nähe der Notausgänge verteilt. Eine zufällige Verteilung reiche nicht aus. Ideal wäre aus Evakuierungssicht auch das gezielte Vermeiden nebeneinandersitzender "Alter". Die Forscher gaben außerdem zu bedenken, dass die von ihnen für die Simulation genutzte Annahme "junge Passagiere" seien grundsätzlich reaktionsschnell und körperlich fit, ebenfalls noch genauer überprüft werden müsste.
Unser Foto zeigt einen Aufschlagtest der NASA von 1984 mit einer ausgedienten Boeing 720-Zelle, die mit Test-Dummies besetzt wurde. Dabei ging es um Tests der Beimischung entzündungshemmender Kerosin-Additive.
So fliegt man als Passagier sicherer:
Die EASA hat eine Checkliste für Passagiere zum Thema Notevakuierung veröffentlicht. Die Empfehlungen lauten:
1. Den Sicherheitsanweisungen vor dem Flug zuhören
2. Den Anweisungen der Besatzung folgen
3. Die Sicherheitskarte am Sitzplatz aufmerksam lesen
4. Beim Rollen, Starten und Landen den Sicherheitsgurt fester anziehen und im Flug locker angelegt lassen
5. Bei einer Evakuierung sämtliches Gepäck an Bord zurücklassen





