Das neue in Russland hergestellte PD-8-Triebwerk für das Verkehrsflugzeug Superjet 100 musste vergangene Woche vier Vögel auf einmal schlucken. Bei den Zertifizierungstests in Rybinsk an der Wolga wurde das Triebwerk mit Vogelkadavern beschossen.
Mit Höchstschub gegen Vogelschlag
Die United Engine Corporation (ODK) des russischen Staatskonzerns Rostec führte die Zertifizierungsprüfung durch. Während des maximalen Startschubs (Schubkraft von 8 Tonnen) feuerte eine spezielle Vierlauf-Kanone vier Vogelkadaver ab. Aus fünf Metern Entfernung und mit einer Geschwindigkeit von 103 Metern pro Sekunde wurden die Vögel in das Triebwerk geschleudert. Das soll die Bedingungen bei Start und Landung simulieren.
Die Fremdkörper trafen gezielt die kritischsten Bereiche des Triebwerks: die Laufschaufeln des Bläsers die aerodynamische Verkleidung. Um die Schäden optisch zu dokumentieren, hatten die Ingenieure die Schaufeln zuvor mit einer speziellen Markierung versehen.
Das Triebwerk überstand den Test laut ODK unbeschädigt. "Der Test hat bewiesen, dass der PD-8 in realen Betriebsbedingungen einer Vogelschar gegenüber sicher ist. Das Triebwerk funktionierte weiterhin zuverlässig", erklärte Sergej Mosin, stellvertretender Chefkonstrukteur bei ODK.
Vogelschläge gehören zu den gefährlichsten Szenarien, denen Flugzeugtriebwerke ausgesetzt sind. Für den Flugbetrieb ist eine solche Prüfung unerlässlich.
Verzögerte Zertifizierung
Wenn es einmal zertifiziert ist, soll das PD-8 ein wichtiger Schritt hin zu einer vollständig heimisch produzierenden russischen Luftfahrtindustrie sein. Das Zweikreis-Turbofan-Triebwerk ist für das Kurz- und Mitteldistanz-Flugzeug SJ-100 sowie für das Amphibienflugzeug Be-200 konzipiert. Bereits erfolgreich absolviert wurden Tests zum Ausfall von Bläserschaufeln, zum Wassereintrag sowie zu Lärm- und Seitenwind-Eigenschaften.
Allerdings geht es mit der Zerfifizierung insgesamt langsam voran. ODK hatte im Sommer 2025 noch angekündigt, das Triebwerk solle bis Ende 2025 zertifiziert werden. Das blieb im vergangenen Jahr jedoch aus. Wann genau das Triebwerk zugelassen werden kann, ist noch unklar. Auch einen neuen Zeitplan hat ODK noch nicht veröffentlicht.





