Ganz im Westen, in Lissabon, residiert mit TAP einer der letzten klassischen Flag Carrier Europas. Bis vor wenigen Jahrzehnten galt TAP nach Flotte, Serviceniveau und Personalbestand als hoffnungslos veraltet und flog defizitär. Doch mit einem fachkompetenten, einheimischen Management und konsequent durchgehaltenem Reformkurs hat Portugals Regierung ihr früheres Sorgenkind in eine moderne Airline mit erneuerter Flotte, über elf Milliarden Euro Jahresumsatz und 55,2 Millionen Euro Gewinn (in den ersten neun Monaten 2025) verwandelt.

TAP Air Portugal hat sich in den vergangenen Jahren von einem staatlichen Sorgenkind zu einem neu ausgerichteten europäischen Flag Carrier gewandelt.
Lufthansa mit im Rennen
Jetzt sollen 44,9 Prozent der Anteile veräußert werden. Das Bieterverfahren läuft und am 19. Dezember hat die portugiesische Regierung die Vorauswahl der Kandidaten getroffen, darunter auch Lufthansa, die am 20. November bei Portugals staatlicher Beteiligungsgesellschaft Parpública offiziell ihren Antrag als Bieter eingereicht hatte. Ziel des Prozesses sei neben dem Erwerb "zunächst einer Minderheitsbeteiligung" eine langfristige Partnerschaft zwischen der Lufthansa Group und TAP, erklärte Lufthansa. "Unser Ziel ist es, die globale Anbindung Portugals zu stärken, die portugiesische Identität von TAP zu bewahren und das Wachstum der Airline nachhaltig zu sichern", versprach Lufthansa-Konzernchef Spohr seinem Star-Alliance-Verbündeten. TAP Air Portugal habe eine große strategische Bedeutung in der europäischen Luftfahrtindustrie.

Das Drehkreuz Lissabon verschafft TAP einen strukturellen Vorteil im Verkehr zwischen Europa und Südamerika.
Erfolg mit Lateinamerika
Die größte Stärke von TAP ist ihr beachtliches Südamerikageschäft. Durch die Lage im Westen schaffen es die Portugiesen von ihrem Drehkreuz Lissabon schneller über den Atlantik auf den fernen Kontinent. Europäische Mitbewerber brauchen mehr Flugzeit, sodass oft auch verlängerte Ruhezeiten für die Besatzungen erforderlich sind, was deren Flüge teurer macht. Zudem haben die Portugiesen im weltweit als Luftfahrt-Wachstumsmarkt eingeschätzten Brasilien keinerlei Sprachbarriere. Kein Wunder, dass sie auf neun eigenen Routen bereits rund 25 Prozent des Luftverkehrsaufkommens zwischen Europa und Brasilien befördern. Kehrseite des Erfolgs von TAP ist, dass ihr Drehkreuz am Flughafen Lissabon ein überfüllter Flaschenhals ist, so dass weiteres Kapazitätswachstum nur noch durch Ausweichen, etwa nach Porto erreichbar scheint. Und dies, obwohl zum Jahresende 2025 ein bislang von der EU für TAP verhängter Flotten-Kapazitätsdeckel fiel. Bis dahin durfte die Airline, wegen vergangener Regierungshilfen, maximal 99 Flugzeuge betreiben. Die neue Freiheit, wachsen zu dürfen, kann sie aber angesichts der Enge in Lissabon nicht ausspielen. Ein schon lange geplanter Flughafenneubau dürfte noch mindestens zehn Jahre dauern.

Der Verkauf einer Minderheitsbeteiligung an TAP folgt einem mehrstufigen Verfahren mit offenem Ausgang.
Langwierige Brautschau
Doch der Weg zur Privatisierung ist noch weit. Ende September begann das formelle Verfahren, zu dem nur Airline-Konzerne mit mindestens fünf Milliarden Euro Jahresumsatz in den letzten drei Jahren zugelassen waren. Nach einer zweimonatigen Meldefrist sichtete die Regierung die Bewerber und entschied über deren Zulassung als Bieter. Am 19. Dezember schloss sie diese Vorauswahl ab. Die verbliebenen Bewerber erhalten nun Einblick in die Verkaufsunterlagen und können unverbindliche Gebote abgeben, in denen sie einen ersten Preis für den Minderheitsanteil nennen sowie darlegen, wie der portugiesische Staat an künftigen Wertsteigerungen beteiligt werden soll. Anschließend entscheiden die Anteilseigner über die Zulassung in die nächste Bieterrunde. Erst danach können verbindliche Angebote folgen; sodass der Zuschlag bis Frühsommer 2026 erteilt werden könnte. Danach schließt sich noch das regulatorische Verfahren mit bislang unbekannter Dauer an. In der aktuellen Auswahl befinden sich IAG, Air France-KLM und die Lufthansa Group. Portugals Regierung hatte im Sommer erklärt, auch an Bietern von außerhalb der EU interessiert zu sein. Fünf Prozent der Anteile an TAP Air Portugal sollen außerdem an deren Belegschaft gegeben werden.

Die Langstreckenflotte von TAP Air Portugal besteht aus Airbus A330-900 und A330-200.
Transportes Aéreos Portugueses, S.A.
- IATA-Code: TP
- ICAO-Code: TAP
- Rufzeichen: Air Portugal
- Vorstandschef: Luis Rodrigues
- Mitarbeiter: 7900
- Flotte und Bestellungen: Airbus A319-100 (3), A320-200 (15), A320neo (14+14), A321-200 (3), A321neo (24+8), A321LR (3), A330-200 (3), A330-900 (19+2)
- Töchter: Regionalairline TAP Express, Werft TAP Maintenance and Engineering, TAP Air Cargo
- Deutsche Ziele: Berlin, Düsseldorf, Frankfurt, Hamburg, München
- Webseite: www.flytap.com/de





