Der 14. Juni 2025 war für das Wartungszentrum von Air Baltic in Riga kein guter Tag. Es war der Tag, an dem das noch sehr junge Flugzeugleben des Airbus A220-300 YL-AAO abrupt endete – in der Obhut der Air Baltic-Techniker. Die A220 hatte in Riga gerade eine umfassende Wartung hinter sich. Die Arbeiten waren eigentlich abgeschlossen, es liefen die letzten Systemtests vor der Freigabe des Jets.
Unter anderem startete das Wartungspersonal die Hilfsgasturbine (APU) der YL-AAO – mit verhängnisvollen Folgen, wie Air Baltic jetzt in ihrem Geschäftsbericht für 2025 dokumentiert: "Beim Bodentest [der APU] erlitt das Flugzeug durch den Ozonfilter extreme Hitzeschäden im Rumpf- und Flügelwurzelbereich", heißt es dort. Weitere Details nennt die Airline nicht – teilt jedoch mit, dass nach Riga entsandte Airbus-Ingenieure im Dezember letzten Jahres zu dem Schluss gekommen seien, dass die havarierte A220 "wirtschaftlich nicht mehr zu reparieren" sei – ein Totalschaden also.
Air Baltic gab bekannt, dass sie zum Ende des Geschäftsjahres eine vollständige Wertminderung der YL-AAO und zugehöriger Komponenten vorgenommen und das Flugzeug abgeschrieben habe.

Air Baltic betreibt seit geraumer Zeit eine reine A220-300-Flotte. Derzeit umfasst diese 53 Maschinen (die verunfallte YL-AAO nicht mitgerechnet).
Flugzeug gehört Leasinggeber
Der Unfall der YL-AAO markiert den ersten Totalverlust eines Airbus A220 seit dem Erstflug des Musters am 16. September 2013 (damals noch als Bombardier CSeries). Der lettische Flag Carrier ist allerdings nicht Eigentümer der Maschine, sondern hat die A220, laut Angaben der Datenbank planespotters.net, vom Unternehmen Avation PLC (AVAP) aus Singapur geleast. "Das Flugzeug wird nach Abschluss des Schadensregulierungsprozesses an den Versicherer übergeben, und der Restwert wird derzeit ermittelt", hieß es seitens Air Baltic dazu. Der Leasingvertrag bleibe bis zur endgültigen Abwicklung bestehen.
Die Airline notierte außerdem, dass der Vorfall einen negativen Nettoeffekt von 6,2 Millionen Euro (7,2 Millionen US-Dollar) auf das Jahresergebnis der Fluggesellschaft hatte – bei einer erhaltenen Versicherungsleistung über 33,4 Millionen US-Dollar. Insgesamt verbuchte Air Baltic laut Geschäftsbericht für 2025 einen Nettoverlust von 44,3 Millionen Euro.

Air Baltic ist Lettlands National-Airline und der unangefochtene Platzhirsch im Baltikum. Heimatbasis ist die lettische Hauptstadt Riga.
Kein direkter Ersatz geplant
Die Beschaffung eines Ersatzflugzeugs für die abgeschriebene A220, die im Frühjahr 2019 mit der Seriennummer 55050 aus der Endmontagehalle im kanadischen Mirabel rollte, plant Air Baltic offenbar nicht. Gegenüber dem britischen Fachportal Flight Global teilte die Airline mit, dass sie derzeit "nicht in Erwägung zieht", eine zusätzliche A220 als Ersatz für die YL-AAO zu erwerben. "Die Fluggesellschaft konzentriert sich weiterhin auf ihre bestehende A220-Bestellung", zitiert Flight Global eine Stellungnahme von Air Baltic.
Abzüglich der YL-AAO besteht die gegenwärtige Flotte der größten Airline des Baltikums aus 53 Airbus A220-300. Die bislang letzte Auslieferung eines fabrikneuen Kanada-Airbus erfolgte Mitte Februar. In den kommenden drei Monaten erwartet Air Baltic weitere drei A220-300, sodass der Bestand bis Mitte des Jahres auf 56 Flugzeuge ansteigen soll.





