in Kooperation mit

Trimmautomatik griff irrtümlich ein

Boeing-Chef: MCAS war bei beiden Abstürzen aktiv

Foto: Boeing

Boeing-Konzernchef Dennis Muilenburg hat nach Vorliegen des ersten äthiopischen Zwischenberichts bestätigt, dass die neue Trimmautomatik MCAS bei beiden Abstürzen von Boeing 737 MAX beteiligt war. Das System habe sich irrtümlich aktiviert.

Die endgültigen Daten würden erst mit den Abschlussberichten der jeweiligen Regierungsbehörden veröffentlicht, räumte Muilenburg ein, aber nach den jetzt bereits bekannten Daten sei eine Aktivierung des Maneuvering Characteristics Augmentation System (MCAS) in beiden Fällen anzunehmen. Das System habe sich irrtümlich eingeschaltet, weil es fehlerhafte Anstellwinkeldaten erhalten habe. MCAS greift über die Höhenleitwerkstrimmung in die Steuerung ein und zwingt die Nase abwärts, falls sich das Flugzeug im manuellen Langsamflug ohne Klappen zu stark aufzubäumen droht.

Der am Donnerstag von den äthiopischen Behörden veröffentlichte Zwischenbericht hatte die Störung eines Anstellwinkelsignals von einer der beiden Sonden verzeichnet. Kurz nach dem Abheben hatte die linke Sonde einen, völlig abwegigen, Anstellwinkel von 74,5 Grad gemeldet, während die rechte Sonde 15,3 Grad registrierte. Die linke Sonde bewirkte das Auslösen des „Stickshakers“, eines Warnrüttlers am Steuerhorn und ein irrtümliches Eingreifen der Trimmautomatik MCAS. Die Besatzung stellte daraufhin, wie von Boeing empfohlen, den elektrischen Trimmmotor ab und versuchte mit Hilfe des ihr verbliebenen, rein mechanischen Trimmrads die durch MCAS vorher verursachte kopflastige Trimmlage wieder auf neutral zurückzustellen.

Währenddessen beschleunigte das Flugzeug auf die maximal zulässige Geschwindigkeit, bei der hohe Luftkräfte an den Rudern das mechanische Trimmen stark erschweren oder sogar verhindern können. Deshalb aktivierte die Besatzung nun ausnahmsweise doch noch einmal den elektrischen Trimmmotor, um sich beim Trimmen helfen zu lassen. Die Aktivierung verschaffte jedoch auch dem MCAS-System eine erneute, immer noch irrtümliche Eingriffsmöglichkeit, gegenläufig zum Willen der Piloten. Die Besatzung verlor die Kontrolle und konnte den Sinkflug mit einem steilen Einschlag nicht mehr abwenden.

Muilenburg erklärte, Boeing bedauere die Opfer, entschuldige sich und bekenne sich verantwortlich, alle Risiken zu beseitigen. Man drücke allen Betroffenen tiefe Anteilnahme aus. Boeing habe bereits eine Software-Modifikation entwickelt, die gleichartige Unfälle wie Lion Air 610 und Ethiopian Airlines 302 ausschliesse. Der Konzernchef (Foto, Mitte) hatte sich die Änderungen bei einem Testflug im Cockpit einer Boeing 737 MAX 7 erläutern lassen.

Top Aktuell Absturzstelle der Boeing 737 MAX 8 von Ethiopian Airlines am 10. März 2019. Finanzhilfe für die Angehörigen der MAX-Unglücke Boeing stellt Mittel für Entschädigungsfonds bereit
Beliebte Artikel Endmontage liefert nur noch MAX und Militärversionen Boeing baut die letzte 737 NG Beim Landeanflug in Harare Boeing 747 von KLM verliert Landeklappe
Stellenangebote Jetzt bewerben ACM Charter sucht Mitarbeiter/in CAMO (m/w/d) Der Baden-Württembergische Luftfahrtverband stellt ein Referent für Aus- und Fortbildung, Flugsicherheit und Sport (m/w/d) gesucht OFD sucht Pilot Jetzt bewerben – Pilot gesucht! OFD sucht Pilot (m/w/d)
Anzeige
Top 10
Die zehn größten Flugzeuge der Welt

Schneller, höher, größer, weiter: Wir zeigen die zehn größten Flugzeuge aller Zeiten.