Das Video geht inzwischen viral: Eine Robinson R44 fliegt durch ein Tal und ist im Begriff, eine Skipiste zu kreuzen. Plötzlich bleibt der Heli in der Luft annähernd stehen, wirbelt herum und stürzt zu Boden. Im Sonnenlicht gut erkennbar: mehrere Stahlkabel, möglicherweise eine Seilbahn oder Freileitungen, schwingen durch die Berührungen des Hubschraubers wild durch die Gegend.
Für die zweiköpfige Besatzung kommt verschiedenen Quellen zufolge jede Hilfe zu spät, sie hat den Aufschlag nicht überlebt. Der Helikopter soll der Tattranskom Transportation Company gehört haben, ein Unternehmen, das laut eigener Website mit Transportdienstleistungen unter anderem für Gazprom und Rosneft, aber auch für die russischen Streitkräfte, sein Geld verdient. An Bord des Helikopters soll auch Tattranskom-Besitzer Ilyas Gimadutdinov gewesen sein.
Hohes Risiko beim Gebirgsflug
Eine Kollision mit Stahlkabeln gehört beim Fliegen im Gebirge abgesehen von Wetterbedingungen und Höhe zu den größten Gefahren, weil sie aus dem Cockpit zumeist nur schlecht zu erkennen sind – selbst bei ordnungsgemäßer Kennzeichnung durch Farbkugeln oder entsprechend angestrichene Masten. Laut Schweizer Bundesamt für Zivilluftfahrt gab es 2024 zwei Meldungen zu solchen Vorfällen. Einmal gelang es dem Helikopterpiloten, sicher zu landen, beim zweiten Vorfall trug der Pilot schwere Verletzungen davon. Bei zwei Unfällen im Jahr 2022 verlor ein Pilot sein Leben; ein zweiter wurde schwer verletzt.
In Deutschland ist der Fall der Ende Juli 2025 nahe Grimma in den Fluss Mulde gestürzten EC135 der Bundeswehr in Erinnerung geblieben. Wenngleich die Ermittlungen dazu noch immer nicht abgeschlossen sind, liegt ein Stahlkabel, das in der Nähe der Absturzstelle den Fluss überspannt, nahe. Damals starben die drei Besatzungsmitglieder, darunter Verena Rothe, die erste Hubschrauberpilotin der Bundeswehr.
In Europa weitgehend unbeachtet blieb ein weiterer Fall von Anfang 2026: Am 6. Januar kollidierte in Arizona ein Hubschrauber vom Typ MD-530 mit einer Slackline, wobei laut Bericht von AP News der 59-jährige Pilot und seine drei Nichten ums Leben kamen. Weiterhin informiert das Portal, dass seitens der Luftfahrtbehörden eine Woche zuvor eine Warnung über das Luftfahrthindernis herausgegeben wurde.
Kuriose Fälle, die glücklich ausgingen
Kurios indes mutet ein Zwischenfall aus Österreich an: Dort kappte im Mai 2008 der Pilot einer Bell 206 Jet Ranger drei Leiterseile einer 30-kV-Hochspannungsleitung – und merkte es nicht mal. Der erfahrene Militärflieger stellte laut Bericht der Kronen Zeitung erst bei der Kontrolle nach dem Flug eine Delle im Stabilisator fest.
Die wohl spektakulärste Begegnung mit einem solchen Luftfahrthindernis datiert auf den 28. Juni 1971: Der Wiener Segelflieger Markus Stracke bemerkte zwei Seile einer Bergbahn zu spät und versuchte, seine Standard-Libelle mit hoher Schräglage zwischen den Kabeln hindurch zu manövrieren. Vergebens. Die Haube zersplitterte, das Flugzeug drehte die Schnauze leicht nach rechts und steil nach unten. Der Absturz indes blieb ihm erspart, stattdessen setzte der Segler zu einer Rutschpartie entlang des Tragseils an und kam schließlich wieder frei – der Pilot setzte überschüssige Fahrt in Höhe um und setzte kurz darauf zur Außenlandung an. Der Schaden hielt sich in Grenzen: Die linke Tragfläche und der Leitwerksträger hatten an den Unterseiten Einschnitte davongetragen, die Haube war hin. Der Pilot blieb nahezu unverletzt.
FLARM kennt die Hindernisse
Da es angesichts der Vielzahl von festen und temporären Hindernissen wie Seilbahnen, Freileitungen und Antennen kaum möglich ist, jede in der Flugvorbereitung zu berücksichtigen, bietet FLARM für seine Kollisionswarnsysteme Hindernisdatenbanken an. Geräte, die damit ausgestattet sind, geben bei Annäherung eine Warnung aus und informieren Piloten auf diese Weise über die Gefahr. Voraussetzung dafür ist, dass die kostenpflichtige Datenbank-Datei sowie die aktuelle Firmware auf dem Gerät installiert sind.

Viele Rettungshubschrauber sind inzwischen mit FLARM ausgestattet, um Kollisionen mit anderen Fluggeräten und ortsfesten Hindernissen zu verhindern.





