Am frühen Abend des 4. November 2025 rollte UPS-Flug 2976 in Louisville (Kentucky) zur Startbahn 17R. Ziel des Frachtfluges war Honolulu. Wenige Sekunden nach dem Abheben, noch während das Flugzeug in den Steigflug überging, kam es zu einem folgenschweren Strukturversagen: Das linke CF-6-Triebwerk löste sich gemeinsam mit seinem Pylon von der Tragfläche. Auf Aufnahmen der Flughafenüberwachung ist zu sehen, wie das Triebwerk unmittelbar nach dem Rotieren vom Flugzeug wegbricht. Kurz darauf bricht im Bereich der linken Tragfläche ein Feuer aus. Die Besatzung der MD-11 verliert die Kontrolle, der große Trijet stürzt aus geringer Höhe in ein Gewerbegebiet hinter dem Flughafen. Alle drei Besatzungsmitglieder sowie elf Menschen am Boden kommen ums Leben, weitere Personen werden verletzt.

Beim Start von UPS-Flug 2976 riss das linke Triebwerk von der Tragfläche. Die dramatischen Szenen wurden von einer Überwachungskamera aufgezeichnet.
Bekannte Schwachstelle
Der vorläufige Untersuchungsbericht des National Transportation Safety Board führt die Unfallkette auf Materialermüdung in der Triebwerksaufhängung zurück. Betroffen war der hintere Befestigungspunkt des linken Pylons, eine zentrale strukturelle Verbindung zwischen Triebwerk und Tragfläche. Laboruntersuchungen zeigten umlaufende Ermüdungsrisse, die sich über einen Großteil der Bauteilstärke ausgebreitet hatten, bevor es schließlich zum vollständigen Überlastungsbruch kam.
Brisant ist dabei die Vorgeschichte dieser Baugruppe. Wie aus dem Update des vorläufigen Untersuchungsberichts vom 14. Januar hervorgeht, war das betroffene Lager bereits 2011 Thema eines Service Letters von Boeing. Darin wurden mehrere ähnliche Schadensfälle dokumentiert, ebenfalls mit Rissinitiierung an derselben konstruktiven Stelle. Zwar empfahl der Hersteller eine überarbeitete Ausführung des Bauteils, der Einsatz der ursprünglichen Version blieb jedoch zulässig. Die Flugunfallbehörde NTSB untersucht nun, wie diese Hinweise in Wartungsprogramme übernommen wurden und welche Rolle Aufsichtsbehörden und Betreiber im weiteren Verlauf spielten.

UPS hat entschieden, die MD-11 nach der Stilllegung nicht mehr in den aktiven Flugbetrieb zurückzuführen.
UPS setzt den Schlussstrich
Unmittelbar nach dem Unfall reagierten Betreiber und Behörden. Zunächst zogen UPS und FedEx ihre MD-11-Flotten auf Herstellerempfehlung aus dem Verkehr. Kurz darauf folgte ein behördliches Grounding durch die Federal Aviation Administration (FAA), das sämtliche MD-11 (und DC-10) umfasste. Das Flugverbot gilt bis heute.
Für UPS entwickelte sich die Stilllegung rasch zu einem strategischen Wendepunkt. Der Logistikkonzern betrieb vor dem Unglück noch 25 aktive MD-11F. Zwar war bereits zuvor geplant, den Typ schrittweise durch modernere Frachter zu ersetzen, ein konkreter Zeitplan war jedoch nicht genannt worden.
Nun fiel die Entscheidung, die MD-11 nicht mehr in den aktiven Liniendienst zurückzuführen. Im Geschäftsbericht für das vierte Quartal 2025 bestätigte UPS die vollständige Abschreibung der verbliebenen Flotte und verbuchte dafür einen nicht zahlungswirksame Aufwand von 137 Millionen US-Dollar. Die entstehende Kapazitätslücke schließt UPS mit neuen Boeing 767-300F. Bis zur geplanten Einstellung der 767-Produktion im Jahr 2027 erwartet der Konzern noch 18 weitere Flugzeuge.

FedEx arbeitet an einer Rückkehr der MD-11 in den Betrieb, sofern das Flugverbot aufgehoben wird.
FedEx plant Comeback im Mai
Während UPS den Typ damit endgültig ausflottet, bleibt die Lage bei anderen Betreibern differenzierter. FedEx hält zunächst an der MD-11 fest: Wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet, arbeitet der Logistikkonzern gemeinsam mit Boeing und der FAA an den Voraussetzungen für eine Rückkehr des Musters in den Betrieb. Ziel sei es demnach, die MD-11 nach Abschluss der erforderlichen Inspektionen und Wartungsmaßnahmen bis Ende Mai wieder einzusetzen.
Vor dem Flugverbot betrieb das Unternehmen noch 26 Exemplare des Frachters. Unabhängig von der kurzfristigen Rückkehrperspektive plant jedoch auch FedEx eine schrittweise Modernisierung seiner Langstreckenflotte. Die verbliebenen MD-11 sollen nach früheren Unternehmensangaben spätestens bis Anfang der 2030er Jahre außer Dienst gestellt werden, nachdem ein ursprünglich früher angesetzter Zeitplan bereits verschoben worden war.

Bei Western Global Airlines ist die Zukunft der MD-11 offen.
Ungewissheit bei Western Global
Die Zukunft der MD-11 bei Western Global Airlines bleibt unterdessen offen. Der Betreiber setzte vor der Stilllegung zuletzt noch drei MD-11 im aktiven Flugbetrieb ein, während weitere zwölf Flugzeuge abgestellt waren. Angesichts der wirtschaftlichen Schwierigkeiten des Unternehmens in den vergangenen Jahren ist unklar, ob und in welchem Umfang eine Rückkehr des Typs nach einer möglichen Aufhebung des Flugverbots realistisch ist.





