Das experimentelle Überschall-Forschungsflugzeug der NASA musste seinen zweiten Testflug unerwartet abbrechen. Am 20. März landete die von Lockheed Martin entwickelte X-59 sicher auf der Edwards Air Force Base in Kalifornien, nachdem die Piloten eine Warnleuchte im Cockpit registriert hatten.
Cathy Bahm, NASA-Projektmanagerin, beschrieb die Ereignisse: "Die X-59 startete um 10:54 Uhr und landete um 11:03 Uhr. Unser Testpilot und das Luftfahrzeug landeten sicher, nachdem es im Cockpit zu einer Systemwarnung gekommen war. Die Warnung trat kurz nach dem Start auf. Wir befolgten unsere Notfallverfahren und kehrten sicher zur Basis zurück."
Damit war die X-59 lediglich neun Minuten in der Luft. Pilot und Maschine absolvierten die Landung ohne Zwischenfälle, auch der Testpilot beschrieb die Landung als regulär.
Mit der Vorsichtsmeldung vom ersten Testflug im Oktober 2025 hatte die Warnung beim zweiten Flug nichts zu tun, so Bahm. Es hätte sich um ein völlig anderes System gehandelt. Beim ersten Flug hatte einem Sauerstoffsensor die Verbindung gefehlt. Was genau dieses Mal die Warnung ausgelöst hatte, gab die NASA nicht bekannt.
Schneller und höher
NASA-Verantwortliche hatten zuvor angekündigt, dass mit diesem Flug die Phase der schrittweisen Leistungssteigerung beginnen sollte. Ziel war es, das Flugzeug dabei immer schneller und höher zu bringen, während gleichzeitig Sicherheit und technische Zuverlässigkeit überprüft würden.
Das geplante Testprogramm sah vor, das Flugzeug zunächst auf eine Geschwindigkeit von etwa 230 Meilen pro Stunde (270 km/h) in 12.000 Fuß (3.600 Meter) Höhe zu bringen. Bei erfolgreicher Überprüfung aller Systeme wäre dann ein zweiter Schritt geplant gewesen: Beschleunigung auf rund 260 Meilen pro Stunde (418 km/h) in einer Höhe von 20.000 Fuß (6.000 Meter).
Diese Etappen bilden den Anfang eines langfristigen Testprogramms, das das Flugzeug perspektivisch bis zu einer Geschwindigkeit von etwa Mach 1,4 in 55.000 Fuß (16.700 Meter) Höhe bringen soll.
Der Associate Administrator der NASA, Bob Pearce, beschrieb den Testflug trotzdem als wissenschaftlichen Erfolg: "Jeder Testflug ist ein Schritt zum Nachweis der Lufttüchtigkeit, und genau das ist unser Ziel – die Lufttüchtigkeit der X-59 nachzuweisen […]. Wir möchten alle Daten sammeln, die wir bekommen können und das System evaluieren. Diese neun Minuten Flugzeit heute geben uns neun Minuten mehr Daten als gestern."
Er verwies darauf, dass man sich noch ganz am Anfang der Flugerprobung befände. In dieser experiementellen Phase sei es wichtig, vorsichtig vorzugehen.
Erstflug im vergangenen Jahr
Das Flugzeug hatte seinen ersten erfolgreichen Flug bereits im Oktober 2025 absolviert. Nach diesem Jungfernflug hatten die technischen Teams von NASA und dem Hersteller Lockheed Martin eine umfangreiche Wartungs- und Inspektionsphase durchlaufen.
Dabei wurde unter anderem das Triebwerk komplett ausgebaut und neu installiert, Komponenten im hinteren Bereich der Maschine ausgetauscht und insgesamt mehr als 70 verschiedene Außenpaneele überarbeitet. Anfang März wurde noch ein abschließender Triebwerktest durchgeführt
Fliegen ohne Überschallknall
Die X-59 ist das Herzstück der QueSST-Mission. Damit verfolgt die NASA das Ziel zu zeigen, dass schneller als Schall fliegende Flugzeuge den charakteristischen Überschallknall deutlich reduzieren können.
Die Forschungsergebnisse sollen später in Messflügen zur Überprüfung der Lärmauswirkungen verwendet werden. Langfristig plant die Behörde auch Testflüge über bewohntem Gebiet, um später zu prüfen, ob leisere kommerzielle Überschallflüge über Land genehmigt werden könnten.





