Vier Exemplare der AW249 Fenice hat Leonardo für den Testbetrieb gebaut – einen Prototyp und drei Vorserienhubschrauber. Alle vier haben zusammen laut Hersteller seit dem Jungfernflug des Musters im August 2022 bislang mehr als 1000 Flugstunden gesammelt. Schenkt man den Angaben von Leonardo Glauben, traten dabei keine unvorhergesehenen Probleme auf, sodass die italienische Armee, sollte weiter alles planmäßig verlaufen, schon im kommenden Jahr die ersten AW249 in Dienst stellen kann.
Die Endmontage der ersten Serien-Fenice hat bei Leonardo jedenfalls schon begonnen, wie Programmchef Alessandro Alfonso jüngst am Firmensitz Cascina Costa (Samarate) gegenüber Journalisten angab. Die Zulassung steht für 2027 im Lastenheft. Um dieses Ziel zu erreichen, wollen die Italiener die Flugtestaktivitäten im laufenden Jahr weiter ausbauen: "Wichtig ist, dass die vier Prototypen keine Zeit verlieren", unterstrich Leonardo-Mann Alfonso.
Italiens Streitkräfte sind bis dato der einzige Kunde für die AW249 Fenice. Fest unterschrieben hat Rom für vorerst 19 Kampfhubschrauber. Der angekündigte Bedarf, mit dem die alternde, deutlich kleinere Vorgängerin A129 Mangusta ersetzt werden soll, liegt jedoch bei 48 Maschinen.
Deutschlandpremiere auf der ILA 2026
Auch auf dem Exportmarkt hofft Leonardo, die AW249 zu platzieren. Unter anderem deshalb feierte die Fenice im vergangenen Jahr ihr Debüt auf dem Pariser Aérosalon in Le Bourget. Im Juni dieses Jahres soll der stärkste jemals in Europa entwickelte Kampfhubschrauber bei der ILA in Berlin-Schönefeld antreten. Womöglich möchte Leonardo dort seine Neuentwicklung auch der Bundeswehr unter die Nase reiben – kursierten doch schon vor einiger Zeit Spekulationen, Deutschland könne sich langfristig für den neuen Helikopter "made in Italy" begeistern.
Ansonsten wurden in der Vergangenheit vor allem Ungarn und Algerien als Interessenten gehandelt, ohne dass es bisher zu nennenswerten Ergebnissen kam.
Flugerprobung ohne große Rückschläge
Unterdessen arbeiten die vier Testhubschrauber Punkt für Punkt der Flugerprobung ab – neben Italien diente hierfür auch schon ein ungenannter Ort in Spanien als Kulisse. Auch Waffentests mit ungelenkter Munition hat die AW249 laut Hersteller schon hinter sich, demnächst sind Schussversuche mit Lenkflugkörpern wie der israelischen Panzerabwehrrakete Spike geplant. Ebenfalls stehen Flüge unter "hot and high"-Bedingungen an. Wo genau, bleibt unter Verschluss.
Wie Programmchef Alfonso beim Presse-Briefing betonte, falle die Resonanz der Piloten in Bezug auf das Flugverhalten der Fenice bis jetzt positiv aus: Der neue Kampfhubschrauber, der mit seinen knapp achteinhalb Tonnen Abflugmasse nur knapp unterhalb des US-Platzhirschs AH-64 Apache rangiert, habe "die erforderliche Manövrierfähigkeit und Wendigkeit unter Beweis gestellt", machte er klar.
Das Design des Helikopters hat sich bisher offensichtlich ebenso bewährt. Aufgrund gesammelter Erfahrungen habe man allerdings die Haubenform des Tandem-Cockpits leicht modifiziert, um die Sicht nach draußen zu verbessern, so Alonso.

Die AW249 besitzt eine schwenkbare, dreiläufige 20-mm-Gatlingkanone des Typs TM-197B unterm Kinn. Darüber thront das Beobachtungs- und Zielsystem (OTS).
Kampfhubschrauber der nächsten Generation
Leonardo bezeichnet seine Neuentwicklung selbstbewusst als "Kampfhubschrauber der nächsten Generation". Die Avionik der Fenice stammt komplett aus eigenem Haus. Markenzeichen ist eine offene Systemarchitektur, die den Mangusta-Nachfolger auch in den kommenden Jahrzehnten auf der Höhe der Zeit halten soll.
In den beiden Cockpits – der Pilot sitzt im Normalfall hinten, der Bordschütze vorn – dominiert je ein 20 Zoll großer Touchscreen-Bildschirm, der laut Hersteller stets nur die für die aktuelle Einsatzphase relevanten Informationen anzeigt, um das Situationsbewusstsein zu verbessern. Letzteres soll auch das neue Battlefield Management System (BMS) garantieren. Es kann enorme Datenmengen verarbeiten und vermittelt der Besatzung in Echtzeit eine übersichtliche Darstellung des Gefechtsfelds – sowohl über die Cockpit-Bildschirme als auch über ein Integriertes Helmdisplay, ähnlich dem in Lockheed Martins Stealth-Fighter F-35A. Die Besatzung der AW249 wird außerdem bei ihrer Entscheidungsfindung durch KI-Systeme unterstützt.

Als Antrieb der AW240 dienen zwei von GE Avio gebaute CT7-Triebwerke mit je 2500 Wellen-PS Leistung. Als Höchstgeschwindigkeit gibt Leonardo 309 km/h an.
Verwandtschaft zur AW149
Antriebsstrang, Haupt- und Heckrotor teilt sich die AW249 mit dem Mehrzweckhubschrauber AW149 – was im Praxisbetrieb die Kosten für Wartung und Instandhaltung möglichst überschaubar halten soll. Die CT7-Triebwerke für beide Helikopter-Muster stammen von GE aus den USA und haben dieselben Wurzeln wie die im Apache verwendeten T700. Das bei der Fenice zweifach verbaute CT7-8E6 liefert pro Einheit 2.500 WPS Leistung. Gefertigt wird es in Italien, von der italienischen GE-Tochter GE Avio.





