Airbus UpNext erprobt DragonFly
A350-1000 testet autonome Notfallfähigkeit

Ein neues Pilotenassistenzsystem könnte das Fliegen sicherer machen – und geht einen weiteren Schritt Richtung autonomes Fliegen.

A350-1000 testet autonome Notfallfähigkeit
Foto: Airbus/H. Gousse - MasterFilms

Die Airbus-Tochter Airbus UpNext hat mit der Erprobung neuer Technologien begonnen, die Piloten sowohl am Boden als auch im Flug unterstützen sollen. Für die finale dreimonatige Testphase kommt eine A350-1000 (MSN 59) zum Einsatz.

Das System namens DragonFly (deutsch Libelle) umfasst Fähigkeiten zur automatisierten Notfallumleitung im Reiseflug, zum automatischen Landen bei schlechter Sicht oder anderen widrigen Bedingungen und Unterstützung beim Rollen. Nach Angaben von Airbus dienen sie dazu, die "Machbarkeit und Relevanz der weiteren Erforschung autonomer Flugsysteme zur Unterstützung eines sicheren und effizienteren Flugbetriebs" zu bewerten.

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A350 kommuniziert mit der Flugsicherung

Während der Flugtestkampagne habe DragonFly eine Situation mit einem handlungsunfähigen Crewmitglied selbständig bewältigt, so Airbus. "Unter Berücksichtigung externer Faktoren wie Flugzonen, Gelände und Wetterbedingungen war das Flugzeug in der Lage, einen neuen Flugbahnplan zu erstellen und sowohl mit der Flugsicherung (ATC) als auch mit dem Operations Control Center der Fluggesellschaft zu kommunizieren", schreibt der Flugzeughersteller in einer Pressemitteilung.

Bei der Rollunterstützung, die unter echten Betriebsbedingungen am Flughafen Toulouse-Blagnac getestet wurde, warnt das System die Besatzung akustisch bei Hindernissen, stellt eine Geschwindigkeitskontrolle sowie Führung zur Startbahn mittels einer speziellen Flughafenkarte zur Verfügung.

Libellenaugen als Inspiration

Zudem arbeitet Airbus UpNext an der nächsten Generation von Algorithmen auf der Basis von "Computer Vision", um Lande- und Rollunterstützung zu verbessern. Bereits 2018 bis 2020 hat Airbus das System ATTOL (Autonomous Taxi, Take-off & Landing) an einem A350-1000-Prototyp getestet. Auch ATTOL arbeitet mit Bilderkennung und ermöglicht autonomes Rollen, Starten und Landen.

Als Inspiration für DragonFly diente Airbus UpNext die Libelle mit ihrer Fähigkeit zu einem 360-Grad-Rundumblick. "So wie Libellen Orientierungspunkte erkennen können, die ihnen helfen, Grenzen zu definieren, ist unser Demonstrator mit modernster Sensortechnologie und Software ausgestattet, die in der Lage ist, Flug- und Landevorgänge zu verwalten", sagt Isabelle Lacaze, Leiterin des DragonFly-Demonstrators.

An dem Projekt beteiligt sind weitere Unternehmen, darunter Cobham, Collins Aerospace, Honeywell, Onera und Thales. DragonFly wurde teilweise von der französischen Zivilluftfahrtbehörde DGAC finanziert. Nach Angaben von Airbus UpNext führen die Tests dazu, dass die Technologien bestätigt oder weiter verbessert werden mit Blick auf die Integration in künftige Flugzeugprogramme.

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