Der Downwash eines Hubschraubers kann zu gefährlichen Situationen führen. Aufgewirbelter Staub, Dreck oder Schnee kann kurz vor der Landung die Sicht rauben, selbst erfahrene Piloten verlieren dann die Orientierung. Dieses Problem betrifft aber nicht nur menschliche Piloten, sondern auch autonome Systeme. Abhilfe soll ein Sensorpaket von SNC schaffen, das "Degraded Visual Environment Pilotage System" (DVEPS). Es verspricht klare Sicht durch Staub, Nebel, Rauch und Dunkelheit. Die US Army will damit im ersten Quartal des Fiskaljahres 2027 ihren autonome Black Hawk H-60Mx OP (Optimally Piloted) ausstatten. Das teilte SNC am 13. Oktober mit.
Kameras für sichtbares Licht allein reichen nicht, damit ein Pilot oder ein autonomes System gegen schlechte Sichtverhältnisse gerüstet ist. Nach Angaben von SNC verlieren konventionelle elektrooptische Sensorenbeispielsweise bei verdeckten Landezonen, schlechten Lichtverhältnissen oder widrigen Wetterbedingungen stark an Leistungsfähigkeit. Radar könne zwar einen Teil dieser Sichtbehinderungen durchdringen, habe jedoch Schwierigkeiten mit den feinen Geländestrukturen und Hindernisdetails, die ein landender Hubschrauber benötigt.
Zusammenspiel mehrere Sensoren
DVEPS führt die Bilder von Lidar-Sensoren und passive Infrarotkameras zusammen in ein kontinuierlich upgedatetes dreidimensionales Modell des Geländes, so SNC. "Was DVEPS für unbemannte Luftfahrzeuge so relevant macht, ist, dass es nicht einfach nur Rohdaten der Sensoren anzeigt und die Interpretation einem Menschen überlässt. Es erstellt und aktualisiert kontinuierlich ein Echtzeitmodell des umgebenden Geländes, der Hindernisse und Gefahren und kann in einem automatischen ‚Set-and-Forget‘-Modus betrieben werden", sagt Scott Gallaway, Vizepräsident für Regierungsbeziehungen bei SNC und ehemaliger Apache-Hubschrauberpilot der US-Armee. "Das entspricht funktional genau den Informationen, die ein autonomes System benötigt, um eigene Flugentscheidungen zu treffen. Durch den Einbau in den H-60Mx OPV wird aus einem Pilotenassistenzsystem ein maschinelles Wahrnehmungssystem, das der Autonomie-Software des Fluggeräts das Äquivalent geschulter Augen an die Hand gibt – statt eines ungefilterten Kamerabildes."
Die US Army hat im März ihren ersten Sikorsky H-60Mx OP übernommen. Er ist umfassend modifiziert worden, um mit oder ohne Piloten, vollständig autonom oder ferngesteuert vom Boden aus zu fliegen. Er enthält das von Sikorsky entwickelte MATRIX-Flugkontroll- und Autonomiesystem. Es kann komplexe Aufgaben wie Starten und Landen, aber auch den Flug selbst übernehmen. Die Technologie dahinter basiert auf dem ALIAS-Programm (Aircrew Labor In-Cockpit Automation System) der US-Militärforschungsorganisation DARPA.
Mit diesem Black Hawk führt die US Army verschiedene Tests durch. Das Ziel ist es, ein universelles und skalierbares Autonomie-Kit zu entwickeln, dass künftig in die komplette Black-Hawk-Flotte installiert werden kann. Kürzlich hat die US Army drei weitere H-60Mx Black Hawk mit dem MATRIX-System bestellt.





