Der "Introductory Digital Co-Pilot" (IDCP) könnte ein entscheidendes Tool für künftige Ein-Personen-Cockpits oder den Betrieb mit reduzierter Besatzung sein. Ein solcher digitaler Co-Pilot soll durch stärkere Automatisierung die Arbeitsbelastung der Piloten verringern und die Zusammenarbeit von Mensch und Maschine im Cockpit verbessern. Der IDCP wurde in den vergangenen Jahren im Rahmen des SESAR-Forschungsprojekts DARWIN (Digital Assistants for Reducing Workload and Increasing collaboratioN) unter der Führung von Honeywell Aerospace entwickelt, beteiligt waren auch das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR), Pipistrel und Eurocontrol. Im Januar hat das KI-gestützte Assistenzsystem erfolgreich die zweite und letzte Flugtest-Kampagne bestanden, wie das DARWIN-Konsortium am 24. März mitteilte.
Für die Flugtests kam eine viersitzige Pipistrel Panthera zum Einsatz, die mit einem voll funktionsfähigen Prototyp des IDCP ausgestattet war. Insgesamt acht Flüge wurden vom Flugplatz Gorizia in Italien, nahe an der slowenischen Grenze, aus durchgeführt. Dabei übernahmen verschiedene Piloten das Steuer, um den digitalen Co-Piloten mit unterschiedlichen echten und simulierten Bedingungen zu konfrontieren. Dazu gehörten Situationen mit hoher Arbeitsbelastung, medizinische Notfälle an Bord sowie Szenarien, in denen der Pilot handlungsunfähig war.
Digitaler Co-Pilot als zweite Person im Cockpit
Das System habe während der Tests zuverlässig und vorhersagbar agiert, so das DARWIN-Konsortium. Der digitale Co-Pilot habe Aufgaben aus dem Flugplan übernommen, die Entscheidungsfindung des Piloten unterstützt und während einer simulierten Handlungsunfähigkeit des Piloten sogar eine automatische Landung (Autoland) ausgelöst. Während der Flugtests hat der IDCP auch mit der Flugsicherung in Ljubljana (LJ Information) interagiert und authentische Echtzeit-Kommunikation und Situationskontext bereitgestellt. Da das Flugzeug in einem relevanten, realistischen Einsatzumfeld operierte, habe man einen wichtigen Meilenstein auf dem Weg zum Technologie-Reifegrad (TRL) 6 (auf einer Skala von 1 bis 9) erreicht.
Die erste Flugtest-Kampagne wurde im Mai 2025 durchgeführt, davon stammt auch das große Bild oben. Das anschließende Feedback der Testpiloten floss in die weitere Entwicklung des IDCP ein. Doch bereits damals hätten die Piloten den Wert eines solchen Systems und sein starkes Potenzial für künftige Cockpit-Generationen anerkannt.
Ein Teil des IDCP ist ein Pilotenüberwachungssystem, das Müdigkeit erkennt und die Piloten vor dem Einschlafen warnt. Entwickelt wurde es von Honeywell Aerospace im Forschungs- und Entwicklungszentrum im tschechischen Brünn. Die Ingenieure arbeiteten auch an der technischen Erkennung von Handlungsunfähigkeit, was ungemein schwieriger an echten Menschen zu testen war als Schläfrigkeit. Honeywell hat dafür nach eigenen Angaben stark erschöpfte Piloten im Tiefschlaf herangezogen, die durch leichte Turbulenzen geflogen und dabei nicht aufgewacht sind.





