FCAS vor dem Aus: Was heißt das für die Triebwerksentwicklung?

FCAS vor dem Aus
Was heißt das für die Triebwerksentwicklung?

ArtikeldatumVeröffentlicht am 24.02.2026
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Ist es noch realistisch, dass Airbus und Dassault im Rahmen des ambitionierten europäischen Projekts FCAS (Future Combat Air System) ein gemeinsames Kampfflugzeug bauen? "Da lehne ich mich nicht mutig aus dem Fenster, wenn ich behaupte: Nein", sagt Dr. Johannes Bussmann, Vorstandsvorsitzender der MTU Aero Engines am Dienstag bei der Vorstellung der Geschäftszahlen 2025. Offiziell politisch beerdigt ist FCAS noch nicht. Aber alle Augen richten sich auf den französischen Präsidenten Emmanuel Macron, der am kommenden Montag die wohl wichtigste Rede seines Mandats zur französischen Militärdoktrin halten wird.

Wichtige europäische Technologieentwicklung

"Die nächsten Schritte liegen insbesondere in der Hand der Kunden, also der europäischen Regierungen", sagt Bussmann. Bei der Triebwerksentwicklung arbeitet MTU Aero Engines mit Safran Aircraft Engines und dem spanischen Zulieferer ITP Aero zusammen, erfolgreich, wie Bussmann betont. Die Phase 1B sei noch bis Ende September 2026 beauftragt.

Safran Aircraft Engines und MTU Aero Engines haben 2021 das Gemeinschaftsunternehmen Eumet (European Military Engine Team) mit Sitz in München gegründet. Das spanische Unternehmen ITP Aero ist als strategischer Partner mit an Bord. Das Joint Venture visiert ein für den nächsten europäischen Kampfjet ein Triebwerk an, das 30 bis 40 Prozent mehr Schub als aktuelle Fighter-Antriebe wie das M88 der Dassault Rafale oder das EJ200 des Eurofighters liefern soll. Dafür soll ein Turbofan mit variablem Kreisprozess zum Einsatz kommen.

Baut jede Nation ihr eigenes Flugzeug?

Ob zwei Flugzeuge im gleichen Konsortium entwickelt würden oder ob das Konsortium sich noch einmal vollständig ändert, das sei eine rein politische Entscheidung. "Darüber Aussagen zu treffen, ist aktuell reine Spekulation", so Bussmann. Der Bundesverband der deutschen Luft- und Raumfahrtindustrie (BDLI) und die Gewerkschaft IG Metall hatten kürzlich einen Kurswechsel zu einer Zwei-Flugzeuge-Lösung ins Spiel gebracht, auch Airbus-Chef Guillaume Faury hatte Äußerungen in diese Richtung getätigt.

"Dass Europa ein Verteidigungssystem braucht, ist völlig unstrittig. Und wir müssen da auch als Europäer eine Lösung finden", sagt Bussmann im Interview mit der FLUG REVUE. Die schnellste Möglichkeit sei, im bestehenden Setup weiterzumachen. "Das scheitert aber an den beiden Airframern. Dort ist der Anspruch, den Dassault liefert, einfach auch nicht tragbar aus deutscher Sicht", sagt er.

Chancen für eine gemeinsame Triebwerksentwicklung?

Wenn man eine Änderung des Konsortiums verhandeln müsse, koste das Zeit. Auch mit Blick auf die Geopolitik sei das nicht die Lösung, die man anstreben sollte. "Wir hoffen, dass die Politik zügig eine Entscheidung trifft."

Könnte es trotz aller Unwägbarkeiten auf Seite der Flugzeugbauer eine deutsch-französisch-spanische Triebwerksentwicklung geben? "Alle drei in dem jetzigen Setup wären bereit, das zu tun. Aber am Ende des Tages ist es nicht unsere Entscheidung. Das muss die Politik entscheiden", sagt Bussmann.