Weiterer ZEROe-Demonstrator
Airbus will Brennstoffzelle an A380 testen

Die Flugerprobung des selbst entwickelten Brennstoffzellenantriebs ist für 2026 geplant.

Airbus will Brennstoffzelle an A380 testen
Foto: Airbus

Airbus entwickelt eine Wasserstoff-Brennstoffzelle und plant damit Boden- und Flugtests Mitte des Jahrzehnts. Das gab der Flugzeughersteller am ersten Tag des Airbus Summit in Toulouse bekannt.

Brennstoffzellen würden als eine mögliche Antriebslösung für das Nullemissionsflugzeug betrachtet, das Airbus bis 2035 auf den Markt bringen will. "Wir konzentrieren uns auf die Entwicklung und Erprobung dieser Technologie, um zu verstehen, ob sie für die Inbetriebnahme eines emissionsfreien Flugzeugs im Jahr 2035 machbar und realisierbar ist", sagte er Glenn Llewellyn, Vice President Zero-Emission Aircraft bei Airbus. Falls die Technologieziele erfüllt würden, kämen Brennstoffzellen als Antrieb für ein Flugzeug mit einer Kapazität von rund 100 Sitzen und einer Reichweite von etwa 1000 NM (1852 km) in Betracht.

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Man verschaffe sich mit den Investitionen in die Brennstoffzellenentwicklung einer weitere Option für die Technologieentscheidung 2027/2028. Im Februar hatte Airbus angekündigt, zusammen mit CFM International eine A380 mit einem fünften Triebwerk, einem Passport von GE Aerospace, auszustatten und mit Wasserstoff zu testen. Dasselbe Flugzeug, MSN001, soll auch für die Tests mit dem Brennstoffzellenantrieb zum Einsatz kommen. Airbus spricht von einer Flugerprobung um 2026.

Airbus
Brennstoffzelle, Elektromotoren und Wärmetauscher sollen in einem sogenannten Pod Platz finden.

Die Brennstoffzelle mit einer Leistung von mehr zwei Megawatt soll in einem Pod unter dem Flügel unterkommen. Sie wandelt den in den Tanks im Rumpf mitgeführten Wasserstoff und Luftsauerstoff in elektrische Energie um, die Elektromotoren antreibt. Über ein Reduktionsgetriebe wird das Drehmoment der Elektromotoren an einen Propeller übertragen. Als Emission entsteht dabei nur Wasser, das als Wasserdampf am hinteren Ende des Pods ausgestoßen wird. Zum Antriebssystem gehören auch Wärmetauscher, die die entstehende Wärme an die Umgebungsluft abgeben. Für ein Regionalflugzeug mit rund 100 Sitzplätzen bräuchte es vier solcher Brennstoffzellen-Pods.

Erste Tests in Hamburg

Bereits im Oktober 2020 hat Airbus zusammen mit ElringKlinger das Joint Venture namens Aerostack gegründet, das die entsprechenden Brennstoffzellen-Stacks entwickelt. Der erste Brennstoffzellen-Demonstratorantrieb in der Megawattklasse werde schon bei Airbus in Hamburg evaluiert, sagte Hauke Peer Lüdders, Leiter der Brennstoffzellenantriebssysteme für ZeroE-Flugzeuge bei Airbus.

"Wir müssen verstehen, wie Brennstoffzellensysteme funktionieren und reagieren. Für diesen ersten Schritt entwerfen wir absichtlich große, um viele Sensoren im Inneren unterzubringen und es uns zu ermöglichen, jedes Gerät im System mit guter Zugänglichkeit zu analysieren, um das Systemverhalten anzupassen, zu testen und vollständig zu verstehen", so Lüdders.

Bei seiner Keynote am Vormittag sagt Airbus-Chef Guillaume Faury, dass die Entwicklung, Zulassung und Produktion eines wasserstoffbetriebenen Flugzeugs nicht der schwierigste Teil auf dem Weg zu einer emissionsarmen Luftfahrt seien. Wenn 2027/28 keine Sicherheit darüber herrsche, dass um 2035 genügend Wasserstoff zur Verfügung stehe, könne das ein Grund dafür sein, den Start eines neuen Flugzeugprogramms zu verschieben.

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