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Lucio Perinotto

Kriegsende 1945: Luftwaffe aufgereiht zur Aufgabe

Jagdgeschwader 4 Das Kriegsende 1945: aufgereiht zur Aufgabe

Am 8. Mai 1945 ist der Krieg nach fast sechs Jahren vorbei. Überall in Deutschland ergeben sich die Einheiten. Vereinzeilt werden noch letzte Luftkämpfe ausgetragen. Im norddeutschen Leck haben die Angehörigen des Jagdgeschwaders 4 die Übergabe bereits vorbereitet.

Der letzte Eintrag in das Kriegstagebuch des JG 4 (Jagdgeschwaders 4) liest sich anders als die bisherigen Einträge. Das 1942 in Mizil (Rumänien) aufgestellte Geschwader bereitete sich in den letzten Kriegstagen in Leck auf das Ende des Kriegs vor. Sie kämpften nicht bis zur letzten Patrone, sondern der Kommodore Oberstleutnant Gerhard Michalski ordnete eine ordentliche Übergabe der verbliebenen Muster an.

Die Übergabe an den Feind

Der Auszug aus dem Tagebuch liest sich wie folgt: "Wir bauen die Flugzeuge, Kraftfahrzeuge und alles Gerät parademäßig auf. Der Engländer wird staunen über das imposante Bild am Platz. Uns erfüllt der Anblick von mehr als 100 Maschinen mit einer stolzen Wehmut. Neueste Muster, die Me 262 und He 162, kaum im Einsatz gewesen, stehen zwischen den alten braven ‚Beulen‘ Bf 109 G und den Stürmern Fw 190, die in tausenden von Luftschlachten siegreich waren und warten auf die Übergabe an den Feind. "

FR-Archiv
Auch der "Volksjäger", die Heinkel He-162 fand sich in den Reihen des Jagdgeschwaders 4 in Leck.

Die schnellsten Jagdflugzeuge der Welt

Am 7. Mai 1945 steht im Tagebuch: "Wir haben die Luftschrauben und ein Leitwerksruder von den Flugzeugen abzunehmen und die Munition herauszunehmen. Das Bild auf dem Horst ist für uns Flugzeugführer ein unsagbar trauriges und schmerzvolles. Unser Stolz, unsere Waffe, unsere Welt so nackt dastehen zu müssen! Wohl 30 bis 40 Me 262, die schnellsten Jagdflugzeuge der Welt, stehen dicht nebeneinandergesetzt zur Abgabe vor einer Halle!" In anderen Teilen Deutschlands hatten sich die verbliebenen Truppenteile längst ergeben. Bereits am 25. April hatten sich die Rote Armee und die US Army in Torgau an der Elbe die Hände gereicht.

Operation Bodenplatte

Die deutschen Truppen waren zu diesem Zeitpunkt in drei Teile aufgeteilt. Teile Tschechiens, Bayerns, Österreichs, Südtirols und Norditaliens, die nach dem Willen Hitlers eine "Alpenfestung" bilden sollten, sowie Norddeutschland mit Berlin und als dritte Region das Baltikum (Kurland). Die Luftwaffe war nach ihrem letzten großen Aufgebot am Neujahrstag im Rahmen der Operation Bodenplatte in der Defensive. Trotzdem wurden noch am letzten Kriegstag Luftkämpfe ausgefochten. Am Ende brachte das nichts mehr, und die Piloten begaben sich nach den letzten Flügen in Gefangenschaft.