Patrick Zwerger
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Junkers Ju 52/3m: Die legendäre "Tante Ju" wird 90

Junkers Ju 52/3m Die legendäre „Tante Ju“ wird 90

Als einmotoriger Transporter konzipiert, entwickelte sich die Ju 52 bald zur Dreimot und zu einer ebenso angesehenen wie erfolgreichen Passagiermaschine. Der Volksmund gab dem beliebten Flugzeug den liebevollen Namen "Tante Ju". Vor 90 Jahren hob die Tante erstmals ab.

Die 1920erJahre waren eine turbulente Zeit für Hugo Junkers. Nach dem Aufbau eigener Fluglinien und der weltweiten Beteiligung an Fluggesellschaften zur Vermarktung der eigenen Verkehrsflugzeuge folgte ab Mitte der 20erJahre eine wirtschaftlich schwierige Phase. Die Junkers Luftverkehr AG musste mit der Aero Lloyd zur Deutschen Luft Hansa fusionieren.

Bei Junkers suchte man weiterhin nach Möglichkeiten, Flugzeuge wirtschaftlich sinnvoll zu nutzen. Kurt Weil und Hans M. Bongers schlugen in einer Studie ein einfaches und wenig anspruchsvolles Transportflugzeug vor. Es sollte auch auf mäßigen Graspisten starten und landen können und 2000 Kilogramm Nutzlast rund 800 Kilometer weit transportieren können. Unter Leitung von Ernst Zindel entstand Ende 1929 der Entwurf eines einmotorigen Frachtflugzeugs mit der Bezeichnung E.F.-30 auf Basis der Junkers W33. Zindel legte die Maschine so aus, dass sie ohne großen konstruktiven Aufwand auch mit drei Motoren gebaut werden konnte. Es entstand ein freitragender Tiefdecker mit kastigem Rumpf mit der typischen, aber sehr steifen Wellblechbeplankung aus Duraluminium. Die erhöhte zwar den Luftwiderstand, aber um Höchstgeschwindigkeiten ging es bei dem Projekt nie.

Junkers
Ihr Flugzeugleben begann die Ju 52 als Einmot. 1932 ging sie dann zum ersten Mal mit drei Motoren in die Luft.

Der fliegende Möbelwagen

Das erste Exemplar mit der Werknummer 4001 wurde mit einem Junkers L88 (800 PS) ausgerüstet und bestritt am 13. Oktober 1930 seinen Erstflug. Nur wenige Monate später folgte die Präsentation in Berlin als "fliegender Möbelwagen". Erfolg stellte sich nicht ein. Bis 1933 wurden lediglich sechs Exemplare verkauft. Daher wählte man die Option der Umrüstung auf drei Motoren, um die Maschine mit dem Sicherheitsplus der zusätzlichen Motoren als Passagiermaschine zu vermarkten.

Die Dreimot flog als Werknummer 4008 am 7. März 1932 zum ersten Mal. Die erste ausgelieferte Maschine erhielt der damalige FAI-Präsident in einer speziellen Luxusausführung. Ab Mai 1932 wurde auch die Luft Hansa mit größeren Stückzahlen beliefert. 1937 hatte sie 110 Ju 52/3m in der Flotte, während 26 weitere Fluggesellschaften ebenfalls mit dem dreimotorigen Muster flogen. Für alle Airlines wurde die Ju 52 ein Garant für Flugsicherheit und Dienstregelmäßigkeit. Ihre einfache, durchdachte Konstruktion machte sie äußerst robust. Sie war so konzipiert, dass sie bei Ausfall eines Triebwerks regulär weiterfliegen konnte, egal ob Motoren von Pratt &Whitney, BMW oder Junkers selbst verbaut wurden. Regelmäßige Weiterentwicklungen garantierten den Erfolg in den folgenden Jahren. International wuchs dennoch die Konkurrenz. Die Douglas DC-3 erreichte zwar nie die Zuverlässigkeit der Ju 52, aber ihre viel modernere Konstruktion bot deutlich bessere Flugleistungen, war schneller und wirtschaftlicher im Betrieb.

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Im Spanischen Bürgerkrieg nutzte die Luftwaffe die Ju 52 erstmals als Transporter und Behelfsbomber.

Als Bomber zweckentfremdet

Auch das Militär machte sich die ursprünglich als reines Zivilflugzeug konstruierte Ju 52 zunutze. Den Anfang machte aber nicht die deutsche Luftwaffe, sondern die bolivianische Fluggesellschaft LAB, die im Gran-Chaco-Krieg die Regierung mit vier Ju 52 logistisch unterstützte. Wenig später erhielt Junkers den Auftrag, die Ju 52 zum Kampfflugzeug umzurüsten, als Überbrückungslösung bis zur Fertigstellung der neuen Bombergeneration wie der Ju 88. Mit zwei MGs und drei Bombenmagazinen versehen, wurde die Ju 52/3m ab Mitte 1934 auch für die Luftwaffe gebaut. Ihren ersten Einsatz hatte diese Variante im Spanischen Bürgerkrieg für die Legion Condor. Nach der Indienststellung von Ju 88, Do 17 und He 111 diente die Ju 52 wieder primär als Transporter beim Militär. So verfügten die Transportgeschwader 1 und 2 zu Beginn des Zweiten Weltkriegs jeweils über 53 Maschinen.

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Bis 2019 gehörte die Ju 52 der Lufthansa Berlin-Stiftung zum gewohnten Bild an Deutschlands Himmel. Nun kann man sie nur noch am Boden bewundern.

Leben nach dem Krieg

Bis Juli 1944 wurde die große Junkers weitergebaut. Die genaue Stückzahl ist nicht lückenlos dokumentiert, aber es dürften etwas mehr als 4.800 Maschinen gewesen sein. Hinzu kommen noch die Lizenzbauten in Spanien bei CASA und in Frankreich bei Amiot, die noch einige Jahre nach Kriegsende das beliebte Muster produzierten.

Heute sind noch eine Handvoll Ju 52 flugfähig. Darunter die der Deutschen Lufthansa Berlin-Stiftung, die jedoch seit 2019 nur noch ausgestellt wird. In der Schweiz betreibt Ju-Air gleich zwei Exemplare. Nach dem Absturz einer Schwestermaschine im Jahre 2018 haben sie jedoch ein faktisches Flugverbot erteilt bekommen. In den USA sind noch zwei flugfähige Exemplare zu finden und jeweils ein weiteres in Südafrika und Frankreich. Bis heute gilt die sehr zuverlässige Junkers Ju 52 als einer der beliebtesten und bekanntesten Flugzeugklassiker der Welt.

Glückwunsch zum 90., alte Tante!

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Ob es je wieder eine fliegende Ju 52/3m in Deutschland geben wird? Sehr fraglich. Doch die Erinnerung bleibt.

Technische Daten

Junkers Ju 52/3m

Typ: Transport- / Verkehrsflugzeug
Besatzung: 3 (Pilot, Mechaniker, Ladungsmeister)
Passagiere: 15-17
Antrieb: drei Sternmotoren BMW 132 mit je 600 PS, bzw. Pratt & Whitney R-1690 Hornet oder Elizalde Beta mit je 750 PS
Länge: 18,50 m
Höhe: 6,10 m
Spannweite: 29,25 m
Flügelfläche: 110,50 m2
Leermasse: 5.720 kg
max. Startmasse: 10.500 kg
Höchstgeschwindigkeit: 290 km/h
Reisegeschwindigkeit: 180 km/h
Landegeschwindigkeit: 106 km/h
Dienstgipfelhöhe: 6.300 m
Reichweite: 1.200 km

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