"Wow, ne Fw 190!" Dieser Satz dürfte am Zaun der Flightline auf der Hahnweide beim 20. Oldtimer-Fliegertreffen im September 2025 das eine oder andere Mal gefallen sein. Und er ist ein Beweis dafür, wie nahe der Nachbau mit der Kennung D-FWMV am Original ist. Original ist in Bezug auf die Focke Wulf Fw 190 – neben der Bf 109 das Standardjagdflugzeug der Luftwaffe im Zweiten Weltkrieg – ein wirklich heiliger Begriff, denn es gibt weltweit nur zwei flugfähige Exemplare, die die Zeit überdauert haben. Einige mehr stehen als statische Ausstellungsstücke in Museen. Die Fw 190 ist also eine Art Einhorn unter den Jägerlegenden des Zweiten Weltkriegs. Angesichts dieses Exotenstatus verwundert es kaum, dass findige Flugzeugbauer versuchten, mit originalgetreuen Replikaten etwas vom Mythos des "Würgers", wie das Muster seinerzeit in Nazideutschland genannt wurde, wieder in die Luft zu bringen. Zu den Unternehmen, die diese Herausforderung angingen, gehörte in den 1990er Jahren die Flug Werk GmbH aus Gammelsdorf in Oberbayern. Acht Jahre Entwicklungszeit investierten die Ingenieure in den flugfähigen Nachbau, der so nah wie möglich am Original sein und dennoch modernen Luftfahrtstandards entsprechen sollte. 2004 flog die erste Flug Werk Fw 190, insgesamt 20 Bausätze wurden produziert.

Mit der D-FWMV gelang ein Nachbau, der den Mythos der Fw 190 eindrucksvoll zurück in die Luft bringt.
Eine Maschine mit Geschichte
Die D-FWMV war ursprünglich der zehnte Bausatz dieser Reihe. Fertiggestellt wurde sie ab 2005 für den damaligen Besitzer Tom Blair bei Spitfire LTD in Duxford, in Anlehnung an die historische Werknummer 980554. Ihr erster Motorentestlauf erfolgte im Dezember 2006, doch eine britische Zulassung erhielt sie nie. Sie absolvierte einige Bodenläufe und stand auch 2007 bei der Flying Legends Airshow in Duxford auf dem Vorfeld. Nach einigen Jahren als Ausstellungsstück gelangte sie nach Deutschland, wo MeierMotors in Bremgarten sie ab 2010 überarbeitete, modernisierte und unter der neuen Typbezeichnung FW 190 A-8/M (M für MeierMotors) fertigstellte. Ihr Erstflug erfolgte im August 2011, am Steuer der erfahrene Airshow-Pilot Marc "Leon" Mathis. Zwei Jahre später tauchte die D-FWMV – die letzten beiden Buchstaben der Kennung stehen für den Eigner Martin Volke – erstmals in Braunschweig auf. Pilot Klaus Plasa führte sie hier souverän durch ihren Jungfernflug.
So modern ihre Systeme auch sind – im Kern bleibt die D-FWMV eine echte Fw 190. Der Nachbau folgt zu rund zwei Dritteln den originalen Konstruktionsunterlagen aus den 1930er- und 40er Jahren, ergänzt durch präzise Vermessungen erhaltener Wrackteile. Nur in sicherheitsrelevanten Bereichen mussten die Ingenieure Kompromisse eingehen. Vom nicht minder legendären BMW-801-Doppelsternmotor gibt es kaum noch lauffähige Exemplare, weshalb man bei Flug Werk auf einen chinesischen Lizenzbau des sowjetischen Schwezow ASch-82 zurückgriff. Das Triebwerk gleicht dem Original in Abmessungen, Gewicht und Leistung fast vollständig – 14 Zylinder, rund 1900 PS und derselbe sonore Klang, der Piloten wie Zuschauer in seinen Bann zieht. Auch andere Bauteile wurden mit Augenmaß modernisiert. Bewaffnung und Panzerung fehlen, weshalb die D-FWMV mit 3,45 Tonnen rund 850 Kilogramm weniger wiegt als das historische Vorbild.

Der Sternmotor der D-FWMV ist kein originaler BMW 801, sondern ein Lizenzbau des sowjetischen Schwezow ASch-82.
Kraftprotz mit Doppelstern
Um den Mythos Fw 190 verstehen, braucht es einen Blick zurück zu ihren Anfängen. 1938 begann unter Kurt Tank in Bremen die Entwicklung eines neuen Jagdflugzeugs, das robuster, schneller und vielseitiger sein sollte als die bis dahin dominierende Messerschmitt Bf 109. Am 1. Juni 1939 startete der erste Prototyp mit einem BMW-139-Motor zu seinem Jungfernflug. Er überzeugte mit enormer Leistung, litt aber unter Kühlungsproblemen. Erst das charakteristische Kühlergebläse schuf Abhilfe und verlieh der Fw 190 ihr unverwechselbares Gesicht. Mit dem stärkeren BMW 801, nun mit 1600 PS, erhielt sie ihre endgültige Optik: kraftvoll, kompakt und unverwechselbar. In den Einsatz gelangte die Maschine 1941, zunächst an der Kanalfront, später auf allen Kriegsschauplätzen. Neben ihrer Rolle als Jäger wurde sie auch als Aufklärer, Jagdbomber und Schlachtflugzeug verwendet.

Klaus Plasa ist der erfahrenste Pilot auf den Focke-Wulf-Nachbauten.
Zwischen Himmel und Hangar
Zurück in die Gegenwart: Die D-FWMV blieb nach ihrer Ankunft in Braunschweig nicht von Rückschlägen verschont. Nach einem Motorschaden kurz nach dem Erstflug 2013 musste sie notlanden. Ein Jahr später folgte eine kontrollierte Bauchlandung auf der Graspiste. Die Rückkehr in den aktiven Flugdienst machte jedes Mal einige Reparaturen und Verbesserungen notwendig. Die Lackierung mag kein exaktes historisches Vorbild haben, doch mit der polierten Motorhaube, dem blanken Seitenruder und den stilisierten schwarzen "Adlerschwingen" am Rumpf zitiert sie dezent die Vergangenheit. So soll eine Focke-Wulf Fw 190 in Rechlin erprobt worden sein. Ab 2014 war die FW 190 regelmäßig bei ihrer Flugerprobung über Niedersachsen zu sehen – beendet wurden die Tests erst 2025. Voll zugelassen konnte der Jäger auf der Hahnweide einschweben und sorgte hier vielfach für ungläubiges Staunen. Seine gedrungene, bullige Form, das Grollen des Doppelsternmotors, die schiere Kraft – all das wirkte wie ein Kontrast zu den eleganten Mustang und Spitfire. Dass ein Fahrwerksproblem am Samstag einen Displayflug verhinderte – geschenkt. Auch so machte die Flug Werk Fw 190 gewaltig Eindruck.

Das letzte Mal, dass ein Fw-190-Nachbau beim OTT begeisterte, war 2009.
Technische Daten FW 190 (Nachbau Fw 190)
- Hersteller: Flug Werk GmbH
- Antrieb: Schwezow ASch-82, 14-Zylinder-Doppelsternmotor, Hubraum: 41,2 l, Startleistung: 1900 PS/ 1397 kW, Propeller: MT-Propeller, Dreiblatt
- Abmessungen: Länge: 8,95 m, Spannweite: 10,50 m, Flügelfläche: 18,3 m²
- Massen und Mengen: Leermasse: 3450 kg, MTOM (Normalflug): 4450 kg
- Flugleistungen: Startstrecke: 600 m, Steigleistung: 13,4 m/s, Höchstgeschwindigkeit: ca. 640 km/h





