Das Erfolgsgeheimnis des bekanntesten Fliegerfilms Paramount Pictures
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"Top Gun": Das Erfolgsgeheimnis des bekanntesten Fliegerfilms

„TOP GUN“ 1986 Das Erfolgsgeheimnis des bekanntesten Fliegerfilms

"TOP GUN – Sie fürchten weder Tod noch Teufel" kann man getrost als den bekanntesten Fliegerfilm aller Zeiten bezeichnen. Auch 36 Jahre nach seiner Veröffentlichung gibt es eine Fangemeinde, die die für damalige Verhältnisse spektakulären Flugaufnahmen heiß und innig liebt, Dialoge rezitiert und die DVD im Regal, die Lederjacke im Schrank und die Ray-Ban-Sonnenbrille an der Garderobe hängen hat. Was machte "TOP GUN" so erfolgreich? Und wie gelang es dem Filmteam, den Spirit der US-Marineflieger auf knappe zwei Stunden zu komprimieren? Eine Spurensuche.

Bis "TOP GUN – Sie fürchten weder Tod noch Teufel" am 12. Mai 1986 in den US-amerikanischen Kinos die Nachbrenner zündete, hatte das Produktionsteam um Don Simpson, Jerry Bruckheimer und Regisseur Tony Scott einen Marathon hinter sich. Studiobosse galt es ebenso vom epischen Filmstoff zu begeistern wie skeptische Schauspieler. Und dann war da ja auch noch die US Navy, die von gar zu viel Action überhaupt nichts wissen wollte. Dem langen Atem der drei ist es zu verdanken, dass mit nur 14 Millionen Dollar Budget ein cineastischer Meilenstein entstehen konnte, der mit einem Einspielergebnis von mehr als 350 Millionen Dollar zum erfolgreichsten Film des Jahres wurde.

Wie so viele Kino-Kassenschlager basiert auch "TOP GUN" auf einer literarischen Vorlage. Ein journalistischer Artikel, der im Mai 1983 im "California Magazine" erschien, war der Beginn von allem. "Top Guns. At Mach 2 and 40.000 feet over California, it’s always high noon", lautete der Titel des Textes, mit dem Autor Ehud Yonay seinen Lesern einen Einblick in die Welt der Kampfflugzeuge, ihrer Besatzungen und der Navy Fighter Weapons School ermöglichte. Jerry Bruckheimer gehörte zu den Lesern, die das Potenzial dieser Geschichte erkannten. Als er den Artikel in die Hände bekam, war für ihn klar, dass genau das der Stoff für einen Erfolgsfilm war. "Ich warf ihn Don auf den Schreibtisch und sagte: ‚Das ist die Story, die wir machen sollten‘", erklärt Bruckheimer in der Dokumentation "Danger Zone – The Making of TOP GUN". Ohne Unterstützung der Navy würde sich der Film allerdings nicht realisieren lassen, denn die Visual Effects steckten Mitte der 1980er Jahre noch in den Kinderschuhen. "Es musste mit echten Flugzeugen gedreht werden, sonst hätte es absolut unrealistisch ausgesehen", bestätigt Jack Epps Jr., der gemeinsam mit Jim Cash das Drehbuch schrieb. Epps besuchte die Navy Fighter Weapons School in Miramar, flog selbst in Kampfjets mit und erlebte, was es hieß, Marineflieger zu sein.

Die Navy willigte ein, das Projekt zu unterstützen, und beauftragte den ehemaligen Topgun-Instructor Peter Pettigrew, als militärischer Berater für technische Korrektheit und die Wahrung der Interessen der Streitkräfte zu sorgen. Pettigrews ehemaliges Callsign findet sich auch im Film wieder: "Viper". Während der Vorproduktion erklärte der Experte den Drehbuchautoren, was ginge und was nicht. "Das Schlimmste war die,TOP GUN‘-Trophäe", sagte er später in einem Interview. "So was gab es einfach nicht. Denn wenn wir aus der Schule einen Wettkampf gemacht hätten, hätte nie ein Pilot seinen Abschluss gemacht, weil alle vorher draufgegangen wären."

Michael D.P. Flynn
Ohne die Unterstützung der Navy wären viele Szenen undenkbar gewesen, denn die Möglichkeiten rund um Special Effects waren zu der Zeit eher dürftig.

Auf die Knie für den Film

Als Epps und Cash das Drehbuch mit "Vipers" Hilfe fertiggestellt hatten, war Jerry Bruckheimer begeistert – ganz im Gegensatz zu Paramount. "Sie verstanden es einfach nicht. Sie hatten sich einen Film vorgestellt, in dem erklärt wird, wie man Flugzeuge fliegt", resümiert Epps. "Wir fuhren zu den Studiobossen Michael Eisner und Jeff Katzenberg ins Büro und flehten sie an, uns den Film machen zu lassen. Don ging sogar auf die Knie", erinnert sich Bruckheimer. "Sie hatten Mitleid und sagten zu."

Als Regisseur verpflichten Simpson und Bruckheimer Tony Scott, obwohl dessen erster Kinofilm "The Hunger" ein kommerzieller Flop war. Allerdings: Scott hatte einige Zeit zuvor einen Werbespot für Saab gedreht, in dem ein Viggen-Kampfjet die eigentliche Hauptrolle spielte. "Ich habe zunächst auch nicht verstanden, was Simpson und Bruckheimer wollten, denn ich hatte die Vision von ,Apocalypse Now‘ auf einem Flugzeugträger", sagt Scott nachdenklich. "Eines morgens aber wurde mir klar: Das wird Popcorn-Kino, es geht um die Rock’n’Roll-Stars des Himmels."

Bereits beim Schreiben hatte Epps an Tom Cruise für die Rolle des "Maverick" gedacht, und die Produzenten wollten den damals 24-Jährigen ebenfalls. Der Auserwählte allerdings zierte sich. Erst nach einem Mitflug bei den Blue Angels, der Kunstflugstaffel der US Navy, sagte Cruise zu: "Ich bin bereit, ich will diesen Film machen." Auch Val Kilmer hatte zunächst keine Lust auf "TOP GUN", ließ sich aber von seinem Agenten überzeugen, die Rolle von Mavericks Widersacher "Iceman" anzunehmen. "Der Film war damals unter jungen Schauspielern das angesagteste Projekt in Hollywood", setzt Barry Tubb, Darsteller des "Wolfman", einen Kontrast zur anfänglichen Ablehnung von Cruise und Kilmer.

Für den Cast hieß es zunächst: ab ins Navy-Bootcamp. Fitnesstraining, Schleudersitzsimulation, Druckkammeraufenthalt und ein Sea-Survival-Training als Vorbereitung auf die ultimative Feuerprobe: den Mitflug in einer F-14.

Der Dreh selbst wurde in drei Teilen realisiert. Zunächst mussten innerhalb von sieben Wochen alle Bodenaufnahmen im Kasten sein. "Die Zeit in San Diego fühlte sich an wie ein langes Wochenende", erinnert sich Val Kilmer, und Rick Rossovich, Darsteller von Icemans RIO "Slider", erzählt von einer Art Freibrief für alle, um in ihre Rollen hineinzuwachsen. "Nachtleben, abhängen mit den Piloten, Spaß haben, feiern", präzisiert Barry Tubb. Allerdings: Entweder war Tom Cruise mit von der Partie oder Val Kilmer. "Ich glaube nicht, dass sie mal miteinander gesprochen haben, wenn sie nicht in ihren Rollen waren", erinnert sich Tony Scott.

Die Distanz der Schauspieler – ein Abziehbild ihrer Rivalität im Film? In der Erinnerung der meisten Schauspieler hat Kilmer seine Rolle auch jenseits des Sets perfekt gespielt. Eine Abneigung gegen Cruise hatte Kilmer nach eigener Aussage allerdings nicht: "Er ist der netteste Typ der Welt. Ich glaube, mein Verhalten damals hat ihn verletzt. Vielleicht hat er deswegen nie angerufen." Tom Cruise bekennt im Rückblick, dass er die Szenen mit Kilmer gerne gedreht habe. "Er hatte Präsenz und Kraft, es hätte keiner besser in diese Rolle gepasst." Dass sich auch Cruise aus der ganz harten Feierei heraushielt, scheint dem Druck geschuldet zu sein, der auf ihm als Hauptdarsteller lastete. "Er hat das alles extrem ernst genommen", sagt Michael Ironside, der Ausbilder "Jester" mimte.

Schwierig waren die Drehs auf den Flugzeugträgern USS Enterprise, die für die Außenaufnahmen herhalten musste, und USS Ranger, auf der Innenaufnahmen entstanden. "Es war unglaublich laut auf dem Flugdeck, die Kommunikation mit dem eigenen Team und den Soldaten kompliziert. So was hatten wir nie zuvor gemacht", berichtet Kameramann Jeffrey Kimball. Die Enterprise befand sich zu diesem Zeitpunkt auf einer Einsatzfahrt, und der Dreh lief parallel zum Dienst-betrieb ab. Das Filmteam durfte lediglich "dabei sein". Als einmal das Licht nicht ganz passte, stellte Tony Scott dem Kapitän einen Scheck über 25 000 Dollar aus, um sein Schiff wenden zu lassen. "Scott ist der Einzige, der für fünf Minuten einen US-Flugzeugträger gechartert hat", erinnert sich Peter Pettigrew unter Gelächter.

Paramount Pictures
Epps war bereits beim Schreiben der Gedanke gekommen, dass sich Tom Cruise (rechts) für die Rolle des "Maverick" hervorragend eignen würde.

Flugaufnahmen wie nie zuvor

Für den zweiten Abschnitt, die Flugsequenzen, arbeitete die Crew mit dem Geschwader VF-51 zusammen und nutzte drei verschiedene Aufnahmeverfahren: Ein Teil wurde aus einem Learjet gedreht, einige bodennahe Aufnahmen entstanden mithilfe eines Kameraturms, der auf einem Berg in Nevada aufgebaut wurde. Für die Close-ups aus der Perspektive der Piloten oder der Flugzeuge hingegen kam eine eigens dafür von Grumman gecharterte und mit mehreren Hochgeschwindigkeitskameras im Format Super-35 ausgestattete F-14 zum Einsatz. "Fast alles wurde real gedreht, weil man, egal wie kreativ man ist, niemals alles vorhersehen kann, was sich aus der Situation ergibt", erklärt Tony Scott. Allerdings: Das Drehbuch sah zunächst Szenen vor, die die Piloten mit ihren Maschinen entweder nicht fliegen konnten oder aus Sicherheitsgründen nicht fliegen durften. Also wurden die Flugszenen wie Trainingsmissionen der Navy-Flieger geplant, mit exakt definierten Zielen und Manövern. Daraus ergab sich das Problem, dass die Aufnahmen völlig unspektakulär gewirkt hätten, denn tatsächlich finden Luftkampfübungen genauso wie reale "Dogfights" auf mehrere Meilen Distanz statt. Hier ließ sich die Navy überzeugen, die Jets in engeren Formationen fliegen zu lassen, um die Szenen für die Leinwand zu komprimieren.

Die meisten Piloten- und RIO-Darsteller flogen mehrere Male auf dem Rücksitz einer F-14 mit, in der die Radarkonsole ausgebaut und durch eine Kamera ersetzt worden war. "Wir flogen Luftkampfmanöver über der Wüste, und zunächst fühlte es sich an wie im Cadillac, denn die Sonne knallte durch die Haube, und die Lüftung blies mir permanent ins Gesicht. Dann merkte ich, dass ich kotzen muss", beschreibt Tom Cruise einen seiner Ausritte. "Als ich den Kopf gerade in der Tüte hatte, zog mein Pilot "Bozo" plötzlich nach oben, und ich konnte mich gegen die g-Kräfte nicht mehr aufrichten, bis er das Manöver beendete." Auch Rick Rossovich erinnert sich an die Tortur: "Nach jedem Flug brauchte ich einen ganzen Tag, um das alles zu verdauen." Einige Cockpitaufnahmen entstanden im Simulator. Andere wurden von Kunstflieger und Filmpilot Art Scholl mit seinem Pitts-Doppeldecker gedreht. Tragischerweise verunglückte Scholl bei einem Flugmanöver während der Aufnahmen tödlich.

Kampfflugzeuge

Der Vorbeiflug am Tower schließlich, mit dem Maverick und Goose ihren Sieg über "Jester" feiern, avancierte bei den Dreharbeiten zur begehrtesten Szene überhaupt. "Mir war vollkommen klar, dass das ein Knaller werden würde, also wollte ich das unbedingt tun", berichtet Pilot Lloyd "Bozo" Abel. Jeder der F-14- Jockeys war scharf darauf, also zogen sie Strohhalme, und "Bozo" gewann.

Dritter Produktionsabschnitt waren die Special Effects wie die Abschüsse der MiGs oder das Trudeln der F-14 beim Unfall von "Maverick" und "Goose". Dafür zeichneten Gerry Gutierrez als Supervisor und Kameramann Rick Fichter verantwortlich, die mit einem Team von 40 bis 50 Leuten über mehrere Wochen Flugzeugmodelle zwischen 20 Zentimetern und einigen Metern Länge aufwendig in Szene setzten. Eine Computeranimation wäre laut Fichter zwar möglich gewesen, hätte aber weit weniger realistisch ausgesehen.

Für die Musik, die entscheidend zur Stimmung von "TOP GUN" beiträgt, reichten mehr als 300 Autoren und Komponisten ihre Vorschläge ein. Zunächst aber schickten Simpson und Bruckheimer ein Drehbuch an Harold Faltermeyer, den sie beim Dreh von "Flashdance" kennengelernt hatten. An nur einem Tag schrieb der das "TOP GUN"-Anthem, spielte es mit befreundeten Musikern ein, und kurz nach Mitternacht kamen Simpson, Bruckheimer und Cruise in sein Studio und hörten es sich an. "Damit hatten wir die Hymne des Films, noch bevor wir mit den Dreharbeiten begannen", so Bruckheimer. Songs wie "Danger Zone" und die Ballade "Take My Breath Away" steuerte der Italiener Giorgio Moroder bei, die Texte dazu stammen von Tom Whitlock.

NHHC
Für die Aufnahmen am Boden und in der Luft war Kameramann Jeffrey Kimball zuständig.

Der Rohschnitt – ein Fiasko

Der erste Rohschnitt des Films indes geriet zum Fiasko. "Die Story fehlte, und niemand wusste, was warum passiert", erinnert sich Tony Scott selbstkritisch. Erst nach einem kompletten Neuschnitt der Flugaufnahmen, bei denen mit Hilfe einiger Navy-Piloten sinnvolle Bildfolgen komponiert und passende Dialoge eingefügt wurden, entstand der Film, wie man ihn heute kennt. Die Liebesszenen zwischen Maverick und Charlie wurden erst kurz vor Ende des Schnitts gedreht, als beide Schauspieler bereits an anderen Produktionen arbeiteten. "Dem Film fehlte ganz einfach Sex", so Tony Scott.

Die Pre-Premiere in Dallas drei Monate vor Veröffentlichung stand unter keinem guten Stern. Kurz zuvor war das Space Shuttle Challenger explodiert. Niemand wusste, wie das Publikum den Film angesichts dieser Tragödie aufnehmen würde – doch die ausgewählten Zuschauer waren begeistert von "TOP GUN". Ein Jahr lang lief der Film schließlich in den Kinos rauf und runter. "Die Leute hatten offenbar genau auf so einen Streifen gewartet", resümiert Drehbuchautor Epps. 47,6 Millionen Tickets wurden allein in Nordamerika verkauft, und "TOP GUN" für vier Oscars und einige weitere Preise nominiert. In der Kategorie "bester Filmsong" gewann "Take My Breath Away" den Academy Award. Der Navy bescherte das Fliegerepos einen Anstieg von fast 40 Prozent bei den Bewerbungen. Bomberjacken und Sonnenbrillen von Ray-Ban erreichten Rekordabsätze, der Veröffentlichung auf VHS folgten Videospiele, und bereits damals dachte man bei Paramount über eine Fortsetzung nach.

Bei aller Faszination für die Militärfliegerei überrascht es doch, wie wohlwollend ehemalige Navy-Piloten heute über den Film urteilen. "Die Flugszenen sind großartig", gibt Alex "Yogi" Hnarakis zu. "Die Dialoge und die Handlung bilden eine unterhaltsame Geschichte, auch wenn sich die Macher künstlerische Freiheiten genommen haben. Aber hey, es ist ein Film!" Sein Wort hat Gewicht, denn er und sein RIO Dave "Possum" Cully waren es, die Ehud Yonay für seinen Bericht im "California Magazine" mehrfach interviewte. Auch Peter "Viper" Pettigrew erkennt den Erfolg an. "Scott und Bruckheimer hatten Recht und ich hatte Unrecht. Die Klassenraum-Szene im Hangar war toll, die Szenen im Umkleideraum waren toll. Das alles funktionierte im Film perfekt, auch wenn ich es während des Drehs nicht für möglich gehalten hätte. Hätten sie es so gemacht, wie ich es wollte, wäre "TOP GUN" ein Dokumentarfilm geworden. Ich bin froh, ein Teil dessen gewesen zu sein."

Digital

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