Patrick Zwerger
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Mikojan MiG-21: Der Volks-Kampfjet

Mikojan MiG-21 Der Volks-Kampfjet

Die Mikojan-Gurewitsch MiG-21 gehört zu den berühmtesten Kampfflugzeugen, die je den Himmel bevölkerten. Kein Kampfjet wurde häufiger gebaut. Ein Umstand, der bis heute nachwirkt: Noch immer steht die MiG-21 bei zahlreichen Streitkräften im Dienst.

Der Ruhm der MiG-21 ist unbestritten. Das Muster genießt Kultstatus, im Westen wie im Osten. Dabei wirkt der langjährige Standard-Fighter des Warschauer Pakts eher unscheinbar, zumindest auf den ersten Blick. Doch Zahlen lügen nicht, und sie sprechen eine klare Sprache: Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde kein anderes Kampfflugzeug häufiger gebaut als die MiG-21. Weit mehr als 11000 Exemplare des sowjetischen Bestsellers verließen seit den 50erJahren die Werkshallen – die rund 2400 Chengdu J-7 aus China nicht mitgerechnet. Die Chinesen entwarfen die J-7 in den 60ern auf Basis der MiG-21 und entwickelten sie immer weiter, bis daraus ein weitgehend neues Flugzeug entstand.

"Volks-Kampfjet" aus dem Osten

Das Original wurde im Laufe der Jahre in mehr als 40 Länder exportiert. Das ist ein weiterer Rekord für den "Volks-Kampfjet" aus dem Osten. Auch die Luftstreitkräfte der Nationalen Volksarmee setzten die MiG-21 ein. Bei ihrer Auflösung 1990 hatte die DDR-Luftwaffe 251 Exemplare im Bestand. Neben China produzierten überdies Indien und die Tschechoslowakei das Flugzeug in Lizenz. Kein anderer Jet-Fighter erschien in mehr Versionen, nahm an mehr Kriegen teil und stand länger im aktiven Dienst. Noch heute, fast 62 Jahre nach dem Erstflug, nutzen Staaten in fast allen Erdteilen die Dienste der MiG-21 – mit Kroatien und Rumänien sogar zwei europäische Nationen. Dass dem Entwurf eine derart beispiellose Karriere bevorstand, war zu Beginn kaum abzusehen.

Patrick Zwerger
Rumänien ist einer der letzten MiG-21-Nutzer in Europa. Die Maschinen wurden ab 1999 stark kampfwertgesteigert.

Klein und leicht

Alles begann mit einem Forderungskatalog für ein neues Kampfflugzeug, den das Forschungsinstitut der sowjetischen Luftwaffe 1953 herausgab. Dieser baute, wie im Westen auch, auf dem Erfahrungsschatz auf, den sowjetische Piloten mit ihren ersten Kampfjets im Koreakrieg gesammelt hatten. Während so in den USA bei Lockheed die F-104 entstand, entwarf Mikojan-Gurewitsch in der UdSSR ein ganz ähnliches Flugzeug. Klein und leicht, Mach 2 schnell, einfach gestrickt und ohne viel Elektronik, sollte der neue Kampfjet vor allem zur Abwehr der neuen US-Bomber à la B-52 und B-58 zum Zuge kommen. Uneins war man sich zunächst bei der Gestaltung der Tragflächen. So entstanden parallel erste Prototypen mit Pfeil- und mit Deltaflügel. Ersterer hob als Je-2 am 14. Februar 1955 zum Jungfernflug ab, der Delta-Testträger Je-4 zog am 16. Juni 1955 nach. Weitere Prototypen folgten, letztlich setzte sich die Version mit Deltaflügel durch – und die MiG-21 war geboren.

Bedeutsamer PR-Erfolg

Die Großserienfertigung des neuen Fighters begann im Herbst 1959 mit der MiG-21F im Werk Nr. 21 in Gorki, und bereits 1960 konnte die sowjetische Luftwaffe ihre ersten Maschinen übernehmen. Flankiert wurde dies von einem bedeutsamen PR-Erfolg: Am 31. Oktober 1959 flog eine eigens zu diesem Zweck optimierte MiG-21, Projektname Je-66, bei einem offiziellen Wertungsflug 2388 km/h – und holte damit erstmals den Geschwindigkeitsweltrekord in die UdSSR.

KL-Dokumentation
Die MiG-21 basierte - wie die F-104 im Westen - auf den Erfahrungswerten der Koreakrieg-Piloten.

Neue Varianten

Bei den Staaten des Warschauer Pakts avancierte die MiG-21 in den 60er Jahren zum wichtigsten Kampfflugzeug. Ihre Rolle wurde im Laufe der Zeit immer wieder an die jeweils gültige Doktrin angepasst, weshalb immer neue Varianten aus der Produktion rollten. War die erste Generation der MiG-21 noch als Schönwetter-Abfangjäger mit zwei Bordkanonen ausgelegt, fehlten Kanonen bei der zweiten Generation völlig. Dafür erhielt die als MiG-21PF geführte Variante ein Feuerleitradar und Raketen, bis in der zweiten Hälfte der 60er bei der MiG-21MF die Bordkanone ihr Comeback feierte. Die letzte in der UdSSR entwickelte Version war 1970 die MiG-21bis.

Fighter mit langem Atem

Sie besaß ein Tumanski-R25-Nachbrennertriebwerk mit knapp 70 Kilonewton Schub, bei deutlich geringerem Kerosinverbrauch als die Vorgängervarianten mit R11- und R13-Triebwerken. Bis Anfang der 80erJahre mit der MiG-29 eine völlig neu konstruierte Nachfolgerin in Dienst ging, hielt die MiG-21bis als improvisiertes Gegenstück zur General Dynamics F-16 die Stellung. Erst 1986 stellte die UdSSR die Serienfertigung der MiG-21 endgültig ein. Das Ende der Fahnenstange war jedoch auch das noch nicht, denn einige Nutzerstaaten modernisierten in der Folgezeit ihre Jets auf eigene Faust. Als modernste und kampfstärkste MiG-21 gilt seit 1995 die von Rumänien und Israel entwickelte MiG-21 LanceR – ein Derivat der MiG-21MF mit Helmvisier, neuem Radar und erweiterter Bewaffnung.

Aerostar
Auch in Afrika fand die MiG-21 zahlreiche Abnehmer. Im Bild ein Flugzeug aus Mosambik.

Technische Daten

Mikojan MiG-21bis

Allgemeine Angaben:
Typ: Abfangjäger
Besatzung: 1
Antrieb: Tumanski R-25-300
Schub: 69,58 kN mit Nachbrenner, 40,2 kN ohne
Abmessungen:
Länge: 14,10 m
Höhe: 4,12 m
Spannweite: 7,15 m
Flügelfläche: 22,95 m²
Massen:
Leermasse: 5895 kg
Kraftstoff: 2750 l
max.Startmasse: 10100 kg
Flugleistungen:
Höchstgeschwindigkeit: 2230 km/h
Dienstgipfelhöhe: 17 800 m
Reichweite: ca. 1300 km (ohne Zusatztanks)

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