Su-27, Su-30K, Mi-35 und Co.: Äthiopiens Luftwaffe zeigt, was sie hat

Äthiopiens Luftwaffe zeigt, was sie hat
Su-27, Su-30K und Co. bei der Black Lion Airshow

ArtikeldatumVeröffentlicht am 01.03.2026
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Vom 23. bis 27. Januar 2026 veranstaltete Äthiopien auf dem Militärflugplatz Debre Zeyit die Black Lion Air Show 2026 – Höhepunkt der Feierlichkeiten zum 90-jährigen Bestehen der Ethiopian Air Force (EtAF). Erstmals gewährte die Luftwaffe der Öffentlichkeit und ausländischen Besuchern auf ihrer Hauptbasis, etwa eine Autostunde südlich der Hauptstadt Addis Abeba gelegen, einen umfassenden Einblick in ihre fliegenden Verbände. Eröffnet wurde die Veranstaltung offiziell durch Premierminister Abiy Ahmed und First Lady Zinash Tayachew – ein deutliches politisches Signal für die zentrale Bedeutung der Luftstreitkräfte im nationalen Selbstverständnis.

Modernes Inventar im Fokus

Der Schwerpunkt der Airshow lag klar auf der Präsentation moderner Kampfflugzeuge, Schulmaschinen und Hubschrauber – sowohl am Boden als auch in der Luft. Den Kern der äthiopischen Kampfflugzeugflotte bilden weiterhin Suchoi Su-27 in mehreren Varianten. Ab Ende der 1990er Jahre hatte das afrikanische Land mindestens 17 Maschinen aus Russland und der Ukraine beschafft, darunter Su-27SK, Su-27UBK und weitere Versionen. Während der Airshow waren mehrere Zweisitzer und Einsitzer einsatzbereit zu sehen. Besonders auffällig am Boden war eine offensichtlich bereits außer Dienst gestellte Su-27P mit Abschussmarkierungen, die auf Einsätze während des Grenzkriegs mit Eritrea (1998–2000) verwiesen – ein selten offen gezeigter Hinweis auf reale Kampferfahrung.

Äthiopische Su-30 auf Flugplatz, Bodenpersonal und Traktor bei Bodenarbeiten, offene Cockpithaube, Tarnlackierung.
Dr. Andreas Zeitler

Su-30K als Star der Show

Große Aufmerksamkeit erhielt zudem die Su-30K. Zwei dieser Maschinen hatte Äthiopien im Januar 2024 übernommen, nachdem sie zuvor in Belarus eingelagert waren. Ursprünglich für die indische Luftwaffe gebaut, unterscheiden sie sich äußerlich von der Su-27UB unter anderem durch eine Luftbetankungssonde und ein seitlich versetztes Infrarotsichtsystem. Die äthiopische Luftwaffenführung betonte bei der Indienststellung ihre Fähigkeit zur präzisen Bekämpfung von Luft- und Bodenzielen, was sich als Hinweis auf eine Modernisierung auf den Su-30SM-Standard deuten lässt. Ob noch vier weitere Exemplare aus dem ehemals indischen Baulos folgen, bleibt indes offen.

Im Bereich der Pilotenausbildung präsentierte die EtAF erstmals öffentlich die neu beschafften Jakowlew Jak-130. Vier Maschinen nahmen am Flugprogramm teil; die sichtbaren Kennungen deuten auf bereits bis zu sechs gelieferte Flugzeuge hin. Die Jak-130 dient als fortgeschrittener Jettrainer, kann jedoch auch leichte Kampfeinsätze übernehmen und erhöht damit die strukturelle Flexibilität der Luftwaffe. Die Ausbildungsflotte ergänzen die Aero L-39C Albatros der 17. Staffel in Debre Zeyit. Mehrere Maschinen tragen ein neues, modernes Tarnschema. Einzelne Flugzeuge verfügen bereits über die digitalen Cockpits und großen Displays der L-39NG. In der Grundschulung ersetzen seit 2019 beschaffte Grob G 120TP Turboprops aus deutscher Produktion inzwischen die ältere Siai-Marchetti SF-260TP und bilden heute das Fundament der fliegerischen Basisausbildung.

Zwei äthiopische Kampfhubschrauber vom Typ Mil Mi-24 im Flug, Tarnanstrich, Landeswappen sichtbar.
Stephan de Brujin

Mi-35 und Mi-8

Auch die Hubschrauberkomponente war stark vertreten. Das Rückgrat der Kampfhubschrauber bilden die Mil Mi-35 der 21. Staffel, die sowohl in innerstaatlichen Konflikten als auch bei internationalen UN-Missionen eingesetzt wurden. Transport- und Mehrzweckaufgaben übernehmen Mi-8MTW-1 sowie Mi-17W-5 der 20. Staffel. Das Flugprogramm wurde von einer Formation diverser Hubschrauber eröffnet. Dann folgten Trainer und Suchoi-Kampfflugzeuge.

Eine Su-27 flog ein Solo-Display samt Einsatz von Fackel-Täuschkörpern. Aus dem Ausland nahmen AH-64 Apache, F-16 Fighting Falcon und Mirage 2000 aus den Vereinigten Arabischen Emiraten teil. In der Gesamtschau wurde deutlich, dass das Event weit mehr war als nur eine Jubiläumsveranstaltung. Die Ethiopian Air Force präsentierte sich als kampferfahrene, technologisch ambitionierte Teilstreitkraft.

Große militärische Drohne auf einem Flugplatz in Äthiopien, Seitenansicht, im Hintergrund weitere Flugzeuge und Berge.
Dr. Andreas Zeitler

Modernisierung geht weiter

Auch Drohnen gehören zum Inventar. Die aus türkischer Produktion stammenden unbemannten Fluggeräte waren allerdings nicht auf der Show zu sehen. Dort präsentierte man nur ein Exemplar der im eigenen Land gebauten Negash-Drohne, die der russischen Orion ähnelt. Ebenfalls noch nicht vor Ort waren die vor kurzem in Russland bestellten Suchoi Su-35S Flanker-E.

Äthiopische MiG-23 auf einem Flugplatz, Seitenansicht, mit Tarnanstrich und sichtbarer Kennung 1202.
Stephan de Brujin

Äthiopiens Luftstreitkräfte im Wandel

Die Wurzeln der äthiopischen Luftwaffe reichen in die späten 1930er Jahre zurück. In einer Phase zunehmender militärischer Bedrohung durch das faschistische Italien initiierte Kaiser Haile Selassie offiziell den Aufbau einer eigenen Luftstreitmacht. Zuvor hatte Äthiopien lediglich vereinzelte, meist aus Italien stammende Flugzeuge betrieben, jedoch ohne strukturierte Organisation, Ausbildungssystem oder nennenswerte logistische Basis.

Während des Zweiten Italienisch-Äthiopischen Krieges (1935–1937) erwies sich die italienische Luftüberlegenheit als entscheidend; die junge äthiopische Luftkomponente blieb mit ihrer kleinen Flotte an Doppeldeckern und Transportflugzeugen operativ bedeutungslos. Mit der anschließenden Besatzung wurde sie faktisch aufgelöst.

Nach der Befreiung 1941 begann unter britischem Einfluss der systematische Wiederaufbau. 1946 wurde der neue Hauptstützpunkt in Bishoftu (Debre Zeyit) eingerichtet. Eine schwedische Militärmission unter Graf Carl Gustaf von Rosen übernahm die Ausbildung und den Aufbau entsprechender Strukturen. Mit sechs Schulflugzeugen (Saab 91 Safir) und 16 Sturzkampfbombern ab 1947 (Saab 17) entstand erstmals eine professionell organisierte Luftwaffe westlicher Prägung.

Äthiopisches Kampfflugzeug vom Typ Suchoi Su-25 auf einem Flugplatz, Seitenansicht, Tarnanstrich, Kennung 2201.
Dr. Andreas Zeitler

In den 1950er Jahren vertiefte Äthiopien die militärische Kooperation mit den USA. Die Einführung der F-86 Sabre markierte den Eintritt ins Jet-Zeitalter; Transportaufgaben übernahm unter anderem die C-47 Skytrain. Diese Phase konsolidierte Jagd-, Lufttransport- und Einsatzführungsfähigkeiten, die auch bei UN-Missionen Anfang der 1960er Jahre zum Tragen kamen.

Nach dem Machtwechsel 1974 erfolgte die strategische Neuausrichtung zur Sowjetunion. Die Flotte wurde auf sowjetische Muster umgestellt: MiG-21 als primärer Abfangjäger (ergänzt durch MiG-23), Antonow An-12 als Transporter sowie Mi-8 und Mi-24 bei den Hubschraubern. Im Ogaden-Krieg 1977–78 sicherten MiG-21 die Luftüberlegenheit.

Im Eritrea-Krieg 1998–2000 setzte die Luftwaffe MiG-21, MiG-23, Su-25 und insbesondere Su-27 ein. Letztere errangen in Luftkämpfen gegen eritreische MiG-29 die Lufthoheit und prägten den begrenzten, aber strategisch relevanten Luftkrieg entscheidend. Heute fokussiert sich die Flotte vor allem auf moderne Flanker-Versionen.