in Kooperation mit
Jerry Gunner (CC BY-SA 2.0)
17 Bilder

Südkoreas geheimste Kampffllugzeuge sind Doppeldecker

Antonow An-2 Südkoreas geheimste Kampffllugzeuge sind Doppeldecker

Dass Nordkoreas Luftwaffe einen großen Bestand alter An-2 besitzt, ist in unseren Breiten kein Geheimnis. Weit weniger bekannt ist, dass auch die Streitkräfte Südkoreas den Sowjet-Doppeldecker einsetzen.

Sie tauchen in keiner Flottenliste auf, und in die Öffentlichkeit schaffen sie es meist nur dann, wenn eine von ihnen abstürzt. Die Antonow An-2 der Luftwaffe Südkoreas existieren offiziell gar nicht. Und doch gibt es sie, stationiert auf dem Militärflugplatz Seongmu im Herzen der Republik Korea, 150 Kilometer südlich der Hauptstadt Seoul. Viel weiß man nicht über die geheimnisvollen Doppeldecker – weder woher sie stammen, noch wie viele es sind. Nur dass mindestens zwei wegen Motorpoblemen im Flug verlorengingen – eine im Jahr 2009, eine weitere 2015. Anfang 2016 musste eine dritte An-2 in einem Fluss notlanden – 268 Kilometer südöstlich von Seoul, wie es damals hieß.

Geheimnisvolle Sparringspartner

Google Earth-Aufnahmen des Fliegerhorsts Seongmu, der von der Korea Air Force Academy betrieben wird, zeigen sieben parkende An-2 auf dem Vorfeld. Allerdings ist unklar, welchen Datums die Aufnahme ist. Klarer scheint derweil, wozu sich Südkorea überhaupt eine Staffel alter Antonow-Doppeldecker leistet. Denn da der verfeindete Nachbar im Norden berühmt-berüchtigt ist für seine zahlenmäßig starken An-2-Bestände, mit denen er im Kriegsfall zum Beispiel Fallschirmjäger und Spezialkräfte hinter den feindlichen Linien absetzen könnte, liegt es nahe, dass die Südkoreaner zu Hause von Zeit zu Zeit genau solche Szenarien trainieren. So scheinen die An-2 den Streitkräften Südkoreas als Aggressor-Flugzeuge zu dienen, mit denen sich Kampftaktiken des kommunistischen Nordens realistisch nachbilden lassen.

Ein Google Earth-Screenshot vom 14. Januar 2022 zeigt sieben parkende An-2 auf dem Fliegerhorst Seongmu. Wann das Satellitenbild aufgenommen wurde, ist unklar.

"Nordkoreas tödlichste Waffe"

Dass von den altertümlich wirkenden "Traktoren der Lüfte" Nordkoreas im Ernstfall durchaus Gefahr ausgeht, davon ist man im Süden der koreanischen Halbinsel überzeugt. Auch beim großen Verbündeten USA bringt man den An-2 gehörigen Respekt entgegen. Die Webseite des US-Fernsehsenders Fox News etwa merkte im August 2017 an, die Doppeldecker könnten "Nordkoreas tödlichste Waffe sein". Denn die An-2 fliege so langsam und tief, dass sie auf dem Radar schwer zu orten und für gegnerische Kampfjets sowie moderne Boden-Luft-Systeme schwer zu bekämpfen sei. Dabei berief sich Fox News auf eine Einschätzung des Portals "The Warzone". Die Nachrichtenplattform NK News stuft das Gefahrenpotenzial der Sternmotor-Oldies für Südkorea ähnlich ein.

KCNA
Nordkorea setzt die An-2 unter anderem zum Abwurf von Spezialkräften ein. Der Bestand wird auf 270 bis 300 Exemplare geschätzt.

Gefragte Gegner

Das US-Militär selbst interessiert sich im Übrigen ebenfalls für die An-2 als Feinddarsteller. Ende 2020 suchten die US Marines offiziell nach einem Exemplar, und auch die US Air Force nutzte zumindest zeitweise An-2 als Sparringspartner. Das NATO-Mitglied Lettland stellt seine An-2 ebenfalls für gemeinsame Übungen zur Verfügung und lässt seine in Polen gebauten An-2T gerade umfassend modernisieren. Sie sollen so noch mindestens 15 Jahre weiterfliegen.