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Lettische Luftwaffe
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NATO-Mitglied Lettland setzt weiter auf die An-2

Doppeldecker runderneuert NATO-Mitglied Lettland setzt weiter auf die An-2

Die lettische Luftwaffe ist klein – sehr klein. Nur ein einziges Flugzeugmuster findet sich in ihrem Repertoire: die Antonow An-2. Derzeit durchlaufen die Sowjet-Doppeldecker ein Erneuerungsprogramm. Drei von vier lettischen An-2 waren bereits im Jungbrunnen.

Sie ist laut, sie qualmt und sie ist Kult: Die Antonow An-2 zählt zu den bekanntesten Flugzeugen des Ostblocks. Seit dem Erstflug im August 1947 entstanden in der UdSSR mehr als 18.000 Exemplare des Doppeldeckers, den der (ostdeutsche) Volksmund liebevoll "Tante Anna" taufte – analog zur allbekannten "Tante Ju", der Junkers Ju 52. Viele der gut 18.000 An-2 fanden zu Sowjetzeiten ihren Weg zum Militär. Dort dienten sie als Transport- und Verbindungsflugzeuge, im Sanitätsdienst, zur Brandbekämpfung oder zum Abwurf von Fallschirmjägern. Inzwischen sind die An-2 weitgehend aus dem Militärdienst verschwunden – jedenfalls in Europa. Doch das heißt nicht, dass die alten Haudegen nicht doch mancherorts noch hoch im Kurs stehen.

Anna Zvereva (CC BY-SA 2.0)
Bei den lettischen "Annas" handelt es sich um An-2T von PZL Mielec aus Polen, die zwischen 1961 und 1982 gebaut wurden.

"Tante Anna" im Jungbrunnen

Ein ganz spezieller Fall sind die Luftstreitkräfte Lettlands. Die besitzen nämlich, neben einer Handvoll Mil Mi-17-Helikopter, ausschließlich An-2. Nach dem Zusammenbruch der UdSSR und der Unabhängigkeitserklärung Lettlands 1991 bildeten die aus Sowjet-Beständen geerbten Doppeldecker den Grundstock der neu formierten Luftwaffe. Seit 2004 sind die Letten NATO-Mitglied, doch noch immer gehören vier An-2 zum Repertoire der Streitkräfte. Gebaut wurden sie nach offiziellen Angaben zwischen 1961 und 1982 in Polen, sind also zwischen 39 und 60 Jahre alt. Doch zum alten Eisen zählen sie deshalb nicht – im Gegenteil! Seit geraumer Zeit durchlaufen die lettischen An-2 ein ausgiebiges Modernisierungsprogramm, Drei der vier Maschinen sind bereits durch den Jungbrunnen gerollt. Die erste war zu diesem Zweck noch beim polnischen Hersteller PZL Mielec zu Gast, während die nachfolgenden Maschinen sich ihr Upgrade direkt vor den Toren der lettischen Hauptstadt Riga abholten – bei der Firma Aeroremontazh auf dem Flugplatz Spilve. Die dritte An-2 erhielt die Luftwaffe erst vor wenigen Tagen zurück. Die vierte, so heißt es, soll ebenfalls bald folgen.

Lettische Luftwaffe
Die dritte runderneuerte An-2 ging Anfang Dezember zurück an die lettische Luftwaffe. Das neue Kennzeichen 030 spielt auf die lettische Unabhängigkeit vor 30 Jahren an.

Vielfach bewährt, zäh und robust

In Spilve erhalten die An-2 eine grundlegende Frischekur der Zelle, sowie neue Propeller und eine Komplett-Revision des ASch62-Sternmotors, der auch weiterhin als Antrieb dient. Im Cockpit erhält neue Avionik Einzug, inklusive eines modernen Navigationssystems. Den Abschluss bildet eine neue Lackierung, passend zu den aktuellen Uniformen der lettischen Armee in grauem Pixeltarn. Zurück im Dienst, nehmen die aufpolierten An-2 vielfältige Aufgaben wahr, wie der Kommandeur der lettischen Luftwaffe, Viesturs Masulis, unterstreicht. Das Muster habe sich bei der Ausbildung von Berufssoldaten ebenso bewährt, wie bei Fallschirmjäger-Einsätzen lettischer Spezialkräfte. Mit speziellen Überwachungssystemen patrouillieren die An-2 laut Masulis auch entlang der lettischen Ostgrenze, um illegale Grenzübertritte schnell und effizient zu erkennen. Auch als Löschflugzeuge ließen sie sich bei Bedarf heranziehen.

Ihre Langlebigkeit und die niedrigen Betriebskosten seien ebenfalls schlagende Faktoren, die An-2 noch möglichst lange zu nutzen, so der Luftwaffenchef, der sich dennoch auf die baldige Einführung eines neuen Musters freut: in naher Zukunft sollen Sikorsky UH-60 Black Hawk die Mi-17 im Dienst ablösen.