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Internet China (via Twitter/Andreas Rupprecht)
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Chengdu J-20: Der welterste Stealth Fighter-Zweisitzer

Chengdu J-20 Der welterste Stealth Fighter-Zweisitzer kommt aus: China

Chinas erster Stealth Fighter, die Chengdu J-20, existiert mittlerweile in dreistelliger Stückzahl. Doch nun rollte in Chengdu ein ganz besonderes Exemplar aus der Halle: Vorhang auf für den weltweit ersten Kampfjet der fünften Generation mit Zweimann-Cockpit!

Noch ist er nicht geflogen, doch für Furore sorgt er schon jetzt, denn bisher war er ein Gerücht – und ist nun Wirklichkeit: Was da auf verschwommenen Fotos aus Süwestchina über den Werksflugplatz der Chengdu Aerospace Corporation rollt, ist der erste Prototyp einer zweisitzigen Variante des Stealth Fighters Chengdu J-20. Noch ohne Lack, nur gelb grundiert, bewegte sich der neueste Kampfjet made in China, aus der Ferne von Kameras begleitet, am 27. Oktober aus eigener Kraft über das Rollfeld. Damit hat China ab sofort etwas, was sonst auf der Welt noch niemand hat: ein Kampfflugzeug der fünften Generation, in dessen Cockpit zwei Personen Platz finden.

Chinesiche Triebwerke

Dass Chengdu an einer zweisitzigen Version der J-20 arbeitet, war bereits seit Längerem vermutet worden. Was fehlte, war ein handfester Beweis. Den haben die Chinesen nun geliefert – und während der Rest der Welt noch rätselt, ob die Bezeichnung des Doppelsitzers nun J-20B, J-20S oder doch ganz anders lautet, bereiten die Ingenieure in Chengdu ihren neuen Jet nun in aller Ruhe auf den Erstflug vor. Rollversuche mit hoher Geschwindigkeit soll das Flugzeug bereits Anfang dieser Woche absolviert haben. Damit dürfte sich das Flugzeug in der finalen Phase der Bodentests befinden, die gemeinhin einem Jungfernflug vorausgehen. Einem Bericht der Website Eurasian Times zufolge soll der Prototyp überdies mit in China entwickelten Triebwerken des Typs WS-10C bestückt sein. Das bedeute, "dass die J-20 nicht mehr auf russische Motoren angewiesen ist". Bisher gebaute J-20 fliegen mit AL-31FN-Turbofans des russischen Herstellers NPO Saturn.

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Reicht ein Mann im Cockpit nicht mehr aus? Für manche Einsatzszenarien könnte ein "Backseater" von Vorteil sein. So zumindest sehen es offenbar die Chinesen.

Wozu braucht es den Doppelsitzer?

Zugleich werfen die neuen Fotos aus Chengdu die Frage auf, weshalb China die J-20 überhaupt zum Zweisitzer weiterentwickelt hat. Der Hauptgrund dafür dürfte in der Erweiterung des Einsatzfeldes liegen. Ein auf dem hinteren Sitz mitfliegender Waffensystemoffizier könnte zum Beispiel als Kommandant einer Staffel von "loyal wingmen" fungieren – unbemannter Kampfdrohnen, die im Verbund mit dem Tarnkappenjet agieren und selbständig Ziele angreifen können. "Die zweisitzige Variante der J-20 könnte für die elektronische Kriegsführung, das Kommando über Wingman-Drohnen oder Bombardierungen verwendet werden", zitiert die Eurasian Times einen Analysten aus China. Ein "Backseater" brächte im Einsatz eine enorme Entlastung für den Piloten, dessen Auffassungsgabe angesichts der Fülle zu verarbeitender Sensordaten, die ein modernes Cockpit liefere, an seine Grenzen käme.

Davon abgesehen sei ein zweisitziges Flugzeug für Ausbildungszwecke von Vorteil, schreibt die Eurasian Times. Dies wiederum ist ein Aspekt, den im Juni 2021 auch Russlands staatlicher Rüstungskonzern Rostec als einen Grund anführte, eine Zweisitzer-Version des russischen Stealth Fighters Suchoi Su-57 zu entwickeln. Von dieser hat man seither allerdings nichts mehr gehört. Die Chinesen sind, wie man sieht, schon einen Schritt weiter.