Katarische Eurofighter sind in der Türkei ein vertrautes Bild. Zweimal waren die Luftstreitkräfte des Emirats bereits mit den Europa-Kampfjets im türkischen Konya zu Gast. Dort nahmen sie an der multinationalen Großübung "Anatolian Eagle" teil, zuletzt im Sommer des vergangenen Jahres. Piloten, Techniker und hochrangige Offiziere der türkischen Luftwaffe konnten sich so bereits einen ersten umfassenden Eindruck von den katarischen Eurofightern unter Einsatzbedingungen machen.
Demnächst könnten sie selbst dieselben Eurofighter unter Einsatzbedingungen fliegen – die dann nicht länger die Hoheitszeichen Katars, sondern jene der Türkei tragen werden. Denn nach Angaben mehrerer türkischer Medien beschafft Ankara von Katar zwölf gebrauchte Eurofighter, und erwartet die erste Lieferung idealerweise wohl schon Ende Februar. Das ist offenbar das Ergebnis eines trilateralen Treffens türkischer, katarischer und britischer Offizieller am 21. Januar in Doha. Die Ausbildung türkischer Piloten auf dem europäischen Waffensystem soll laut inoffiziellen Quellen ebenfalls schon angelaufen sein. Einen Vertragsabschluss scheint es bislang aber noch nicht zu geben.

Katar besitzt 24 Eurofighter der Tranche 3A. Die Jets wurden erst ab Sommer 2022 geliefert und wenig geflogen. Mindestens zwölf davon sollen jetzt an die Türkei weiterverkauft werden.
Gebrauchtjets aus Katar – und dem Oman?
Dass die Türkei als insgesamt zehnter Kunde in den Kreis der Eurofighter-Nutzer einsteigt, war schon länger klar. Ankara unterschrieb, nach langem Hin und Her, im Oktober 2025 einen Vertrag über 20 neu gebaute Eurofighter Typhoon, die bei BAE in Großbritannien gefertigt werden.
Die Jets der modernsten verfügbaren Version Tranche 4 kommen aber nicht vor 2030, weswegen sich die Türken ergänzend auch auf dem Gebrauchtmarkt umsehen, um bereits deutlich früher auf das Waffensystem Eurofighter zugreifen zu können. Insgesamt geht es um 24 zusätzliche Second-Hand-Flugzeuge, als favorisierte Quellen standen bei der türkischen Regierung zuletzt Katar sowie der Oman hoch im Kurs. Katar hat insgesamt 24 Eurofighter im Bestand – würde, wenn das im Raum stehende Geschäft final zustande kommt, also die Hälfte seiner Flotte abgeben. Sollte der Oman weitere zwölf Flugzeuge an die Türkei verkaufen, würde dort der Eurofighter sogar ganz aus dem Bestand verschwinden – besitzt das Sultanat doch lediglich diese zwölf Exemplare.
Eurofighter ins Phantom-Nest
Die zwölf Maschinen aus Katar, die nach Vertragsabschluss schrittweise in den Bestand der türkischen Luftwaffe übergehen sollen, werden nach aktuellem Stand zunächst auf dem Fliegerhorst Eskişehir stationiert. Dort ist aktuell noch die altehrwürdige F-4E Phantom II der Platzhirsch. Allerdings haben die legendären "Eisenschweine" trotz umfassender Modernisierung den Zenit ihres Schaffens auch in der Türkei längst überschritten und fliegen dem Ende ihrer langen Karriere entgegen. Die Türkei ist, neben Griechenland und dem Iran, einer der drei weltweit letzten Betreiber der Phantom.

Katar betreibt nicht nur den Eurofighter, sondern auch Rafale und F-15QA. Das dürfte wirtschaftlich nicht besonders effizient sein.
Gibt Katar alle seine Eurofighter ab?
Gegenüber der F-4E verkörpern die Gebraucht-Eurofighter aus Katar einen deutlichen Fähigkeitsaufwuchs. Die Katarer fliegen ausschließlich Eurofighter der Tranche 3A (Produktionsstandard P3E), die mit dem AESA-Radar ECRS Mk0 (Captor-E) ausgerüstet sind. Im Vergleich dazu firmieren die Maschinen des Oman zwar ebenfalls als Tranche 3A, entstammen jedoch einem früheren Produktionsstandard und nutzen noch das Captor-M-Radar mit mechanischer Strahlschwenkung. Für diese Flugzeuge wäre zunächst ein längerer Aufenthalt bei BAE in Großbritannien vorgesehen, um sie vor der Übergabe an die Türkei zu modernisieren.
Allerdings scheint die Türkei aktuell vor allem die katarischen Eurofighter im Blick zu haben, die sich mit weniger technischem, zeitlichem und finanziellen Aufwand in die Luftstreitkräfte integrieren lassen. Auch die Übergabe aller 24 Jets aus Katar, das neben dem Eurofighter auch noch die Dassault Rafale sowie die Boeing F-15QA Eagle fliegt, ist seit Neuestem wohl eine ernsthafte Option.
Türkische Eurofighter, türkische Bewaffnung
Unabhängig davon hat sich die Türkei für ihre zukünftige Eurofighter-Flotte ein vergleichsweise hohes Maß an individuellen Eigenheiten ausbedungen, das deutlich über den ansonsten üblichen Exportstandard hinausgeht. Dazu gehört vor allem die Nutzung einheimischer Lenkwaffen und Missions-Softwaremodule. Auch die Wartung und Instandhaltung will die Türkei in Eskişehir langfristig möglichst unabhängig vom Hersteller in Eigenregie betreiben.





