Kamikazedrohnen wie die iranische Shahed sind immer häufiger die "Gegner", wenn Kampfjets im Konfliktfall zu scharfen Abfangeinsätzen aufsteigen. Ein solches Aufeinandertreffen war es auch, das dem US-Konzern Lockheed Martin die ersten bestätigten Luftsiege seiner neuen F-16V bescherte. Wie Lockheed Martin am 10. April in einem Beitrag auf X bekanntgab, schoss eine F-16V der Luftwaffe Bahrains zwei iranische Drohnen ab.
Der Rüstungsriese verlinkte in seinem X-Post einen Artikel des Portals Aviation Week, der nähere Details zum Abfangvorgang aufführte. Demnach fand das Aufeinandertreffen wohl am 1. April statt, als mehrere aus dem Iran anfliegende Drohnen in den Luftraum Bahrains eindrangen. Die beiden mit Sprengsätzen versehenen Fluggeräte, die von der F-16V aufs Korn genommen wurden, waren laut Aviation Week zuvor der bodengestützten Flugabwehr entwischt.
"Der bahrainische Kampfjet, der mit einem Northrop Grumman APG-83 Radar und einem Lockheed AAQ-33 Sniper-Zielbehälter ausgestattet ist, feuerte AIM-9X und AIM-120C-7 Raketen auf die beiden Drohnen ab und zerstörte sie", berichtet das Fachportal unter Berufung auf eine Insiderquelle.
Teure Raketen gegen Billigdrohnen
Bedenkt man, dass der Stückpreis einer AIM-9X Sidewinder-Rakete bei knapp 500.000 US-Dollar liegt und eine, für größere Reichweiten entwickelte, AIM-120C AMRAAM deutlich über eine Million US-Dollar kostet, zahlte Bahrain für den "Ruhm" der ersten Luftsiege für die neueste F-16-Version einen knackigen Preis – gemessen an den Herstellungskosten, die die beiden Kamikazedrohnen zuvor für den Iran verursacht hatten.
So liegt der Preis für eine Shahed-136-Drohne bei geschätzten 20.000 bis 50.000 US-Dollar – und damit nur bei einem Bruchteil dessen, was die beiden von der bahrainischen F-16V abgefeuerten Luft-Luft-Raketen kosteten.
Neue Systeme zum Kampf gegen Drohnen
Das verdeutlicht ein bekanntes Problem in der – seit dem ersten Auftreten großer Schwärme sogenannter "Einwegdrohnen" im Ukraine-Krieg – zunehmend asymmetrischer werdenden Luftkriegsführung heutiger Kriegsschauplätze. Als Antwort darauf arbeiten Rüstungsproduzenten zunehmend an Waffen, mit denen sich Kamikazedrohnen kostengünstiger und damit effizienter ausschalten lassen – und die nicht zuletzt auch rascher nachproduziert werden können als teure Lenkwaffen.
Ein Ansatz ist das APKWS-Laserleitsystem (AGR-19), das ungelenkte 70-Millimeter-Kleinraketen vom Typ Mark 66 Hydra 70 zu präzisionsgelenkten Geschossen avancieren lässt, mit denen sich feindliche Kleindrohnen effektiv bekämpfen lassen. Die Hydra-Raketen befinden sich dabei, im Siebenerpack gebündelt, in Behältern und finden dank Zielbeleuchtung mittels Laserstrahl und einer zwischen Gefechtskopf und Triebwerk montierten Lenkeinheit präzise ins Ziel. Zur Markierung können mehrere Laser-Pods herangezogen werden – unter anderem der AAQ-33 Sniper.

Bahrain erhielt seine erste F-16V, einen Doppelsitzer, im Jahr 2023. Das Königreich war Erstkunde für die neue "Viper".
Bahrain und die F-16V
Bislang ist das APKWS-System allerdings nur bei den US-Streitkräften im Einsatz. In Großbritannien wurde es, unter der Regie von BAE Systems, vor Kurzem an einem Eurofighter Typhoon getestet, den die Royal Air Force zu diesem Zweck zur Verfügung gestellt hatte.
Bahrain hatte vom Pentagon im Jahr 2019 die Lieferung von 32 AIM-9X Sidewinder und 32 AIM-120C-7 AMRAAM genehmigt bekommen – ergänzend zur Bestellung über 16 F-16V Block 70 bei Lockheed Martin.
Das Königreich war mit dieser Order Erstkunde für die stark modernisierte F-16-Topversion. 2023 erhielt Bahrain die ersten Maschinen aus dem Lockheed Martin-Werk in Greenville (South Carolina).
Inzwischen stehen für die F-16V insgesamt 147 Bestellungen aus sechs Nationen im Orderbuch von Lockheed Martin. Dazu zählen die europäischen NATO-Staaten Bulgarien und Slowakei, außerdem Jordanien, Marokko und Taiwan. Eine Reihe weiterer Staaten gab zudem Upgrades ihrer F-16-Bestandsflotte auf den neuen Block 70/72-Standard in Auftrag.
Block 70 ist die Bezeichnung für die F-16V mit General Electric F110-GE-129-Triebwerk, die Block 72-Ausführung nutzt das F100-PW-229 von Pratt & Whitney.





