"Super Suchoi" Su-30SM2: Gleitbomben für Weißrusslands neue Fighter?

„Super Suchoi“ Su-30SM2
Gleitbomben für Weißrusslands neue Fighter?

ArtikeldatumVeröffentlicht am 04.03.2026
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Mindestens zwölf Su-30SM2 dürften zwischenzeitlich im Bestand der Luftstreitkräfte Weißrusslands untergekommen sein. Manche Quellen in Russland sprechen gar von 16 Maschinen, wobei nicht final klar ist, ob es sich dabei durchweg um fabrikneue Flugzeuge oder teilweise auf den SM2-Standard aufgerüstete Su-30SM handelt, die schon vorher für Belarus flogen. Die jüngste Lieferung, bestehend aus mutmaßlich zwei Maschinen, gab das Verteidigungsministerium in Minsk Ende Januar bekannt. Zuvor hatte Belarus im Mai, August und Dezember 2025 neue "Chargen" von Su-30SM2 aus dem Produktionswerk Irkutsk in Sibirien erhalten.

Im Arsenal der belarussischen Luftwaffe nimmt die neue Su-30SM2 zweifellos die Speerspitze ein. Zwar stellen der Erdkämpfer Su-25 und die weitgehend in Eigenregie modernisierte MiG-29BM zahlenmäßig nach wie vor den Hauptanteil der Kampfjet-Flotte, während die bis vor einigen Jahren noch geflogenen Su-27 allesamt im Lager parken. Doch mit ihren umfassenden Fähigkeiten, ihrem breiten Waffenarsenal und ihrer dezidierten Rolle als Mehrzweckkampfflugzeug avanciert die Su-30SM2 zum mit Abstand besten und modernsten Muster im Bestand.

Luftraumverteidigung als Hauptaufgabe

Stationiert sind die belarussischen "Super Suchois", so der Spitzname der Su-30SM2 in Russland, allesamt auf dem Fliegerhorst Baranawitschy im mittleren Westen Weißrusslands. Hauptaufgabe der neuen Jets ist laut Alexander Beljajew, dem Vize-Chef der belarussischen Luftwaffe, die Verteidigung des Luftraums.

Allerdings erwarb Belarus mit der Su-30SM2 nicht nur moderne Luftverteidigungsfähigkeiten. Die "Super Suchoi" ist von Haus aus für die Nutzung vielseitiger Waffen russischer Herkunft optimiert, die sich längst nicht auf Luft-Luft-Raketen wie die Wympel R-73 oder die Mach 6 schnelle, bis zu 400 Kilometer weit fliegende Wympel R-37M erstreckt.

Gleitbomben-Rüstsätze im Auge

Wie russische Insider berichten, interessiert sich Minsk insbesondere für das Gleitbombenmodul UMPK, mit dessen Hilfe "dumme", einfache Eisenbomben zu präzisionsgelenkten Luft-Boden-Waffen avancieren – und für das die Su-30SM2 ab Werk serienmäßig ausgelegt ist.

Mit den UMPK-Rüstsätzen, bislang dem "Frontbomber" Su-34 vorbehalten, sammelten die Russen im Ukraine-Krieg umfassend Erfahrung. Außerhalb der Reichweite gegnerischer Flugabwehr ausgeklinkt, erwiesen sich die günstigen Gleitbomben für die Ukrainer als schwer abfangbar und folglich – aus russischer Sicht – als äußerst effizient.

Unbestätigten Informationen zufolge erwägt, auf Basis dieser Erfahrungen, auch die belarussische Luftwaffe, die entsprechenden Gleit- und Korrekturmodule für ihre Su-30SM2 und die noch im Depot schlummernden Freifallbomben aus der Sowjet-Ära zu beschaffen. Damit stünde den Weißrussen eine preiswerte Bodenangriffswaffe mit hoher Treffgenauigkeit und vielversprechender Reichweite zur Verfügung – was angesichts des überschaubaren Budgets im belarussischen Verteidigungshaushalt einen merklichen, sehr pragmatischen Fähigkeitsaufwuchs zu günstigen Konditionen bedeuten würde.

Insbesondere die westlichen Nachbarn Weißrusslands, namentlich das angrenzende Polen, dürften diesen (angedachten) Fähigkeitsaufwuchs aufmerksam beobachten.

Erste Suchoi Su-30SM2 für Belarus.
Luftwaffe Belarus

Vorteil Zweimann-Cockpit

Für den Einsatz der UMPK-Lenkbomben ist in der Su-30SM2 der Waffensystemoffizier auf dem hinteren Sitz des Tandem-Cockpits zuständig. Von dort aus kann der "Backseater" laut Angaben des staatlichen russischen Rüstungskonzerns Rostec auch Drohnen als "loyal wingmen" koordinieren und zu Angriffen anleiten.

Systemgleichheit mit der Su-35S

Gegenüber der älteren Su-30SM besitzt die "Super Suchoi" zudem eine Reihe weiterer Verbesserungen. Prämisse dafür war eine möglichst große Angleichung der Systeme an die einsitzige Su-35S, außerdem hatte die Modernisierung zum Ziel, verbliebene Avionik-Komponenten aus dem Westen, etwa von Thales aus Frankreich, möglichst vollständig durch russische Pendants zu ersetzen.

OAK

Stärkeres Radar, bessere Triebwerke

In der Nase der Su-30SM2 arbeitet jetzt das aus der Su-35S bekannte PESA-Radar Irbis-E, das laut russischen Angaben Ziele mit einem Radarquerschnitt von drei Quadratmetern auf bis zu 400 Kilometer Distanz erkennen kann. Diese Reichweite wird durch eine Kombination aus elektronischer und mechanischer Strahlschwenkung erreicht, die einen Abdeckungswinkel von bis zu 120° ermöglicht. Das Radar kann bis zu 30 Ziele gleichzeitig verfolgen und acht davon angreifen, was es zu einem der leistungsstärksten Systeme seiner Klasse macht.

Überdies nutzt die Su-30SM2 auch die Triebwerke der Su-35: Statt der bisher in der Su-30-Familie verbauten AL-31F-1-Turbofans von NPO Saturn kommt jetzt das AL-41F-1S zum Zug. Der auch als "Produkt 117S" bekannte Antrieb bietet pro Triebwerk 20 kN mehr Schub – und verleiht der Su-30SM2 damit eine höhere Nutzlast und bessere Flugeigenschaften. Zudem ist das AL-41F-1S laut Hersteller sparsamer und weniger wartungsintensiv als der Vorgängermotor.

Russisches Verteidigungsministerium (Screenshot)

Su-30SM2 für den Exportmarkt?

Bislang hat außer Russland und das eng mit Moskau verbündete Belarus keine andere Nation die "Super Suchoi" im Einsatz. Eine offiziell zum Kauf angebotene Exportversion des Musters existiert ebenfalls noch nicht. Angesichts der knappen Produktionskapazitäten russischer Flugzeugfabriken dürfte das vorerst auch so bleiben, gilt doch das Hauptaugenmerk bis auf Weiteres dem eigenen Bedarf.