Gripen-Nachfolge
Saab schon wieder außen vor: F-35A für Tschechien

Tschechiens Regierung wird mit den USA Verhandlungen zum Kauf von 24 Lockheed Martin F-35A aufnehmen. Die Stealth-Fighter sollen 2027 die geleasten Saab Gripen ersetzen. Für die Schweden erneut ein herber Schlag – sie können mit der Gripen E abermals nicht punkten.

Saab schon wieder außen vor: F-35A für Tschechien
Foto: Patrick Zwerger

Auch ein Super-Sonderangebot half letztlich nichts: Vor Kurzem hatten schwedische Diplomaten noch offeriert, den Tschechen ihre 14 angemieteten JAS-39 Gripen nach Auslauf des Leasingvertrages kostenlos zu überlassen – und ergänzend dazu die neue Gripen E zu beschaffen. Doch die Schweden haben wieder einmal gegen Lockheed Martin das Nachsehen. Wie schon in Finnland und Kanada: Die F-35A ist auch für die Regierung in Prag der Kampfjet der Wahl.

F-35s arrive at Spangdahlem
USAF
Die F-35A Lightning II wird in den kommenden Jahrzehnten das Rückgrat der Luftverteidigung für zahlreiche NATO-Staaten und Alliierte sein.

Das Beste oder nichts

Man habe beschlossen, Verhandlungen mit den Vereinigten Staaten aufzunehmen, um 24 F-35 Lightning II-Kampfflugzeuge für die Luftwaffe des Landes zu kaufen, heißt es aus dem Verteidigungsministerium. Ressort-Chefin Jana Černochová gab gegenüber der Presse zu Protokoll: "Unsere Entscheidung, diese Option zu wählen, basiert auf der Analyse der tschechischen Streitkräfte, die klar zum Ausdruck bringt, dass nur die fortschrittlichsten Jäger der 5. Generation die Missionsanforderungen auf dem Schlachtfeld der Zukunft erfüllen können."

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Die Saab Gripen E ist deutlich günstiger als die F-35A, jedoch kein Kampfjet der fünften Generation und weniger leistungsfähig.

Rechenspiele

Welcher Kostenrahmen bei dem avisierten Deal im Raum steht, ist noch nicht bekannt. Klar ist nur, dass die F-35A im Einkauf deutlich teurer sein werden als die Gripen-Jets aus Schweden. Allerdings, so rechnen tschechische Stealth-Befürworter vor, amortisiere sich dieser vermeintliche Vorteil der JAS-39 über die Jahrzehnte. "Für die F-35 wird berechnet, dass sie bis 2070 in Betrieb und modernisiert sein wird", erläuterte der Militäranalyst Lukáš Visingro Ende Juni gegenüber der Zeitung Seznam Zprávy. "Wenn wir die F-35 kaufen, werden wir das Problem in 40 Jahren lösen. Die anfangs höheren Kosten werden in einem doppelten Lebenszyklus budgetiert."

Die F-35 werde überdies in den kommenden Jahrzehnten "das europäische Standardflugzeug sein." Ein Argument, das auch die tschechische Regierung bei ihrer nun getroffenen Entscheidung als bedeutsam einstuft.

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