Großbritannien, Japan, Italien
Drei-Länder-Allianz für den Kampfjet der Zukunft?

Großbritannien, Japan und Italien wollen ihre Kräfte bündeln und gemeinsam ein Kampfflugzeug der sechsten Generation entwickeln. Das berichtet Reuters und beruft sich auf Insider. Noch ist nichts offiziell – aber das könnte sich schnell ändern.

Drei-Länder-Allianz für den Kampfjet der Zukunft?
Foto: BAE

Bauen Japan und Großbritannien den Fighter der Zukunft zusammen? Schenkt man den Ausführungen von "Reuters" Glauben, sieht es ganz danach aus. In einem Beitrag vom 2. Dezember kündigt die Nachrichtenagentur für die kommenden Tage eine "bahnbrechende Vereinbarung" an. In deren Zentrum soll die gemeinsame Absicht dreier Länder stehen, einen Kampfjet der sechsten Generation zu entwickeln. Mit Verweis auf zwei mit dem Projekt betraute, anonyme Quellen nennt "Reuters" als Protagonisten Großbritannien und Japan. Italien soll das dynamische Trio komplettieren.

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Großbritannien arbeitet bereits seit geraumer Zeit am Projekt Tempest. Ein entsprechendes Pendant aus Japan firmiert als F-X.

Aus zwei mach eins

Abwegig ist die Meldung nicht – im Gegenteil. So sind sich gerade Japan und Großbritannien in jüngerer Vergangenheit zunehmend nähergekommen, was die militärische und wirtschaftliche Zusammenarbeit anbelangt. Beide Nationen arbeiten bislang an jeweils eigenen Programmen für ein neues Kampfflugzeug – die Briten an der BAE Tempest, die Japaner am Projekt Mitsubishi F-X. Beide Muster sollen laut Plan ab Mitte des kommenden Jahrzehnts in Dienst gehen.

Rolls-Royce und IHI sollen ein Demonstrator-Triebwerk für Tempest entwickeln.
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Großbritannien und Japan arbeiten bereits zusammen - etwa bei der Entwicklung eines Demonstrators für ein künftiges Kampfflugzeug-Triebwerk.

Sinnvolle Synergie

Die Entwicklung eines solchen Fighters bindet viel Know-how und verschlingt jede Menge Geld – in Zeiten knapper Kassen immer schwerer zu rechtfertigen. Schon Ende 2021 vereinbarten Großbritannien und Japan daher ein "Memorandum of Cooperation", das beiden Nationen die Möglichkeit gibt, gemeinsame Teilsysteme für die jeweils projektierten Fighter zu entwickeln. Die komplette Zusammenlegung beider Projekte wäre durchaus naheliegend – und wird spätestens seit Sommer ernsthaft diskutiert, wie Reuters in einer anderen Meldung vom 14. Juli offenlegte.

Karl Schwarz
Das Projekt Tempest soll bis 2035 in einen einsatzfähigen Kampfjet münden, der bei der RAF als Nachfolger des Eurofighter Typhoon gedacht ist.

Italien – und Schweden?

Auch wenn Großbritannien und Japan in dem möglichen "Trio Infernale" die Führungsrolle beanspruchen, dürfte Italien weit mehr sein als ein schmuckes Anhängsel. Die Italiener besitzen eine leistungsfähige Rüstungsindustrie, angeführt vom Leonardo-Konzern, der wichtige Schlüsselkomponenten für den Eurofighter liefert. Leonardo ist über den britischen Ableger Leonardo UK bereits jetzt Teil des "Team Tempest" und könnte für den neuen Kampfjet beispielsweise Sensorik und Radarsysteme liefern. Auch eine Endmontagelinie für den Eurofighter sowie für die Lockheed Martin F-35 befindet sich in Italien. Basierend auf einer Absichtserklärung aus dem Jahr 2020 könnte sich außerdem Schweden mit dem Saab-Konzern noch dem europäisch-asiatischen Projekt anschließen.

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