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Bei Sokol in Nischni-Nowgorod wurden MiG-31 für die russische Kriegsmarine modernisiert. 13 Bilder

Russland schickt Kinschal-fähige MiG-31K nach Syrien

Premiere am Mittelmeer Russland schickt Kinschal-fähige MiG-31K nach Syrien

Auf dem russischen Luftwaffenstützpunkt Hmeimim in Syrien landeten jüngst zwei MiG-31K, um im östlichen Mittelmeer an einer Übung teilzunehmen. Die Spezialversion der MiG-31 ist optimiert für die Hyperschallrakete Kinschal, die mit Mach 10 Richtung Ziel fliegen soll.

Diese Waffe ist ein Mythos – zumindest für die NATO. Denn auch wenn die Ch-47M2 Kinschal bereits vor rund drei Jahren öffentlich präsentiert wurde, weiß der Westen noch immer nicht viel Handfestes über Russlands neue Hyperschall-Rakete. Klar ist nur, dass die Kinschal für Bodenziele, vornehmlich Schiffe, vorgesehen ist und beeindruckende Dimensionen aufweist: ihr Durchmesser liegt bei rund einem Meter, in der Länge misst sie etwa sieben Meter. Das Gewicht der Kinschal soll über vier Tonnen betragen. Selbst unter dem Rumpf der wuchtigen Mikojan-Gurewitsch MiG-31 wirkt die Waffe riesig – und schon allein deshalb ziemlich bedrohlich.

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Die wuchtige Kinschal unter dem Rumpf der MiG-31K ist nicht zu übersehen. Die Lenkwaffe soll vier Tonnen wiegen und im Flug Mach 10 erreichen.

Superwaffe im Testbetrieb

Die Größe der Kinschal ist nicht der einzige Faktor, der den Kreis der Flugzeuge, denen man sie unterschnallen kann, eng eingrenzt. Verifiziert ist derzeit lediglich der Einsatz an der speziell optimierten MiG-31K. "Dieses Flugzeug ist am besten geeignet, um die Rakete in den erforderlichen Höhen auf die erforderlichen Geschwindigkeiten zu beschleunigen", erklärte Russlands Stellvertretender Verteidigungsminister Juri Borisow schon im Jahr 2018. Damals waren ihm zufolge bereits zehn MiG-31K "im experimentellen Kampfeinsatz" – allesamt stationiert beim Staatlichen Flugforschungszentrum "Waleri Tschkalow", das am Nordrand von Achtubinsk (Oblast Astrachan) für die Erprobung neuer Waffensysteme zuständig ist. Bei Tests soll die Kinschal nach russischen Angaben bereits Geschwindigkeiten von Mach 10 erreicht haben. Außerhalb Russlands hat man die MiG-31K und ihre "Wunderwaffe" allerdings noch nie gesehen.

Premiere im Ausland

Zumindest für das Flugzeug gilt das ab sofort nicht mehr. Denn am vergangenen Freitag verlegte Russlands Luftwaffe zum ersten Mal zwei Kinschal-fähige MiG-31K nach Latakia in Syrien. Von der dort gelegenen Basis Hmeimim aus sollen die beiden Kampfjets an einer groß angelegten Übung im östlichen Mittelmeer teilnehmen, erklärte das russische Verteidigungsministerium. Ob sie die Kinschal tatsächlich dabei mitführen, ist nicht ganz klar. Auf einem Video von der Ankunft der MiG-31K in Latakia fehlt von den wuchtigen Raketen jede Spur.

In jedem Fall aber schickten die Russen zusätzlich zu den MiGs auch einen U-Boot-Jäger vom Typ Iljuschin Il-38 nach Syrien – eine Spezialversion des Turboprop-Airliners Il-18. Außerdem sollen Tu-22M3 und Tu-142MK in die Übung eingreifen. Fünf Schiffe der russischen Marine sind ebenso mit am Start. "Im Rahmen von Trainingsflügen werden Luftfahrtausrüstungen und -geräte unter schwierigen klimatischen Bedingungen getestet und die Besatzungen erhalten praktische Fertigkeiten in neuen geografischen Gebieten", heißt es aus dem Verteidigungsministerium.

Kampfflugzeuge

Queen Elizabeth im Blick

Der Einsatz der russischen Kampfflugzeuge dient jedoch nicht allein Trainingszwecken. Ziel der russischen Regierung ist es auch, die Aktivitäten des britischen Flugzeugträgers HMS Queen Elizabeth zu überwachen. Dieser befindet sich seit einigen Tagen in der Region und nimmt mit 18 an Deck stationierten Lockheed Martin F-35B an der Operation Shader gegen den Islamischen Staat teil. Vor diesem Hintergrund lässt sich die Verlegung von Kinschal-bestückten MiG-31K nach Syrien durchaus auch als russische Machtdemonstration in Richtung Großbritannien verstehen.