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Patrick Zwerger
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Il-96-400M: Neue Vierstrahler für den Weltuntergang

Iljuschin Il-96-400M Neue Vierstrahler für den Weltuntergang

Als Airliner wird die Iljuschin Il-96 keine neue Karriere starten: Die jüngste Version des Vierstrahlers, die Il-96-400M, konnte keinerlei Kunden gewinnen. Doch beim Militär gibt es Bedarf für das Muster: Zwei Il-96-400M sollen zu "Weltuntergangsflugzeugen" werden.

Bei einem Atomkrieg oder schweren Naturkatastrophen sollen sie dafür sorgen, dass die Befehlskette der Armee am Boden und in der Luft so lange wie möglich weiterläuft: so genannte "Doomsday Planes", Flugzeuge für den Weltuntergang, dienen Regierungen und Stabschefs im Fall der Fälle als fliegende Kommandoposten. Die US Air Force beschaffte zu diesem Zweck in den 70er-Jahren vier speziell ausgerüstete Boeing 747-200B. Sie tragen die Bezeichnung E-4 Nightwatch.

"Sowjet-Jumbo" als Kommandostand

Auf der anderen Seite des Eisernen Vorhangs setzte man in Sachen Weltuntergang ebenfalls auf einen Widebody: Seit Mitte der 80er fliegt in Russland die Iljuschin Il-80 als fliegender Gefechtsstand. Sie ist ein Derivat des "Sowjet-Jumbos" Il-86 und wird aus diesem Grund auch unter der Bezeichnung Il-86WKP geführt. Allerdings kommen die "Doomsday Planes" hüben wie drüben in die Jahre, und obwohl der Kalte Krieg seit drei Jahrzehnten vorüber ist, wollen weder Russland noch die USA auf ihre fliegenden Kommandoposten verzichten.

Patrick Zwerger
Vier Iljuschin Il-80 dienen der russischen Luftwaffe als fliegende Gefechtsstände. Sie sind auf dem Militärflugplatz Tschkalowski bei Moskau zu Hause.

Neuer Job für die Il-96-400M

Die Russen werden bei der Wahl einer Nachfolgerin für die Il-80 nun konkret – und agieren dabei gewohnt pragmatisch. Denn seit geraumer Zeit steckt in Woronesch das erste Exemplar der neuen Iljuschin Il-96-400M in der Endmontage. Eigentlich hätte daraus ein Airliner werden sollen, aber den wollte niemand haben. Deshalb legte Flugzeugbauer UAC (United Aircraft Corporation) den geplanten Serienbau im April auf Eis – erklärte aber, zwei Il-96-400M dennoch vollenden zu wollen.

Wie die russische Nachrichtenagentur Tass nun schreibt, sollen diese beiden Flugzeuge für die russische Luftwaffe zu neuen Kommandoposten hochgerüstet werden. "Die russischen Luft- und Raumfahrtstreitkräfte werden zwei Luftkommandostationen auf Basis der Il-96-400M erhalten", zitiert die Tass einen Insider aus dem Militärisch-Industriellen Komplex. Das Projekt laufe unter dem Namen "Zweno-3S". Außerdem gebe es die Option, auch noch ein drittes Exemplar zu bauen.

Bessere Flugleistungen

Wie schon die Il-80, die seit 2015 eine Modernisierung unterlaufen, sollen auch die Il-96-400M in der Luft betankt werden können. Im Vergleich zur Vorgängerin würde sich die Reichweite der neuen Flugzeuge allerdings verdoppeln, schreibt die Tass. Die Funk- und Kommunikationsgeräte an Bord der Il-96-400M sollen es ermöglichen, der Truppe "in einem Umkreis von 6.000 Kilometern" Befehle zu übermitteln. Einen konkreten Zeitplan für das Projekt nannte die Agentur nicht. Der Zusammenbau der ersten Il-96-400M zieht sich jedoch schon über anderthalb Jahre hin. Gut möglich, dass das Programm nun, da das Schicksal des Flugzeugs geklärt scheint, bald wieder Fahrt aufnimmt.