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Iljuschin Il-96-400M wird nicht in Serie gehen

Vierstrahler ausgebremst Iljuschin Il-96-400M wird nicht in Serie gehen

Russlands staatlicher Flugzeugbauer stellt sich der Realität: Da es noch immer keine Aufträge gibt, legt die United Aircraft Corporation den Serienbau der Iljuschin Il-96-400M auf Eis. Zwei Exemplare sollen aber trotzdem gebaut werden – für Regierungsdienste.

Gäbe es einen Preis für die langsamste Endmontage eines Großraumjets, die United Aircraft Corporation (UAC) wäre ein heißer Kandidat. Seit einer gefühlten Ewigkeit entsteht im WASO-Flugzeugwerk von Woronesch der Prototyp der Iljuschin Il-96-400M. Wie weit das Projekt inzwischen gediehen ist, lässt sich schwer sagen, denn aktuelle Bilder aus der Halle gab es zuletzt vor knapp einem Jahr. Eigentlich hätte die Il-96-400M schon Ende 2020, spätestens aber Anfang 2021 zum Erstflug starten sollen, doch daraus wurde augenscheinlich nichts. Stattdessen peilt man den Abschluss der Produktion nun "bis zur zweiten Hälfte des Jahres 2021" an, wie ein Vertreter des Staatskonzerns Rostec, zu dem UAC gehört, gegenüber der Zeitung Wedemosti berichtete. Danach, so der Rostec-Mann weiter, "beginnen die Vorbereitungen für den ersten Flug."

Keine Orders für den Widebody-Vierstrahler

Ob der Zeitplan dieses Mal mit der Wirklichkeit zusammenpasst oder weitere Verschiebungen anstehen, wird sich bald zeigen. Klar ist allerdings schon jetzt: die Il-96-400M wird am Himmel ein äußerst seltenes Fluggerät bleiben. Denn der eigentlich angedachte Serienbau des Widebodies ist, wie Wedemosti schreibt, nun offiziell vom Tisch. Nach wie vor kann sich keine kommerzielle Airline zu einer Order für den 400-Sitzer durchringen – und unter dem Eindruck der gegenwärtigen Lage scheint ein Hoffen auf zukünftige Aufträge aussichtslos. Zwar lässt der Stellvertretende Premierminister Juri Borissow ein Hintertürchen offen, wenn er gegenüber Wedemosti erklärt, die Serienproduktion der Il-96-400M sei "noch nicht geplant". Angesichts des Umstands, dass das Flugzeug mit seinen vier Triebwerken aber bereits jetzt wie ein Anachronismus aus vergangenen Tagen wirkt, dürfte sich das auch in entfernterer Zukunft nicht ändern.

UAC
Die Il-96-400M ist als vierstrahliger Großraumjet ausgelegt. Zahlende Passagiere werden in diesem Rumpf jedoch wohl niemals Platz nehmen.

Kleinauflage für den Staat

Gänzlich begraben wird UAC das Projekt trotzdem nicht. Immerhin zwei Il-96-400M will der Flugzeugbauer fertigstellen und flügge bekommen. Beide sind für einen "speziellen Kunden" vorgesehen, wie es heißt. Wer das sein wird, ist leicht zu erraten: die russische Regierung. Wedomosti schreibt, dass beide Exemplare die Flotte der VIP-Spezialflugstaffel "Rossija" verstärken sollen. Die russischen Regierungsflieger besitzen bereits eine Il-96-400, ebenso wie der russische Geheimdienst FSB. Beide Maschinen wurden ursprünglich als Frachter Il-96-400T gebaut und später konvertiert. Auch ein großer Teil der Komponenten für den nun in der Montage befindlichen Prototypen der Il-96-400M stammt von Il-96-400T.

Patrick Zwerger
Nach dem Aus für die Il-96-400M bleibt als einziges Großraumprojekt im UAC-Portfolio die CRAIC CR929, die gemeinsam mit China entwickelt wird.

Fokus auf CR929

Während UAC die Zulassung der beiden Il-96-400M nun für 2023 anstrebt, legt das Unternehmen in Sachen Widebodies seinen Schwerpunkt ausschließlich auf die weitere Entwicklung der gemeinsam mit China projektierten CRAIC CR929. Dieser mehrheitlich aus Verbundwerkstoffen gefertigte Zweistrahler ist im Unterschied zur Iljuschin ein kompletter Neuentwurf, der es technologisch mit Boeings 787 oder dem Airbus A350 aufnehmen soll. Auch hier gab es in jüngerer Vergangenheit jedoch immer wieder Konflikte und Verzögerungen.