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Keine Modernisierung

Marineflieger mustern die P-3C Orion 2025 aus

Das Bundesverteidigungsministerium will die Modernisierung der Lockheed P-3C Orion vorzeitig beenden und die Marineflugzeuge ab 2025 außer Dienst stellen. Die Suche nach einem Nachfolger läuft. Benötigt wird allerdings "nur" eine Übergangslösung

Technische Schwierigkeiten und die "nicht mehr kalkulierbaren Gesamtkosten" für das Projekt seien der Grund, warum die Bundesregierung davon absehen will, die betagten Seefernaufklärer und U-Boot-Jäger für eine längere Betriebsdauer zu rüsten. "Die Verzögerungen bei der Modernisierung der P-3C Orion führen bereits heute zu einer ungenügenden materiellen Einsatzbereitschaft ohne eine absehbare Verbesserung", heißt es in einer Pressemitteilung des Ministeriums. Man habe deshalb nach sorgfältiger Abwägung entschieden, das Modernisierungsvorhaben vorzeitig zu beenden. Die bei zwei Maschinen noch ausstehende Erneuerung der Tragflächen soll dem Vernehmen nach jedoch trotzdem erfolgen.

Orion nur begrenzt einsatzfähig

Das "Rewinging" war bei allen acht Maschinen, die die Marine im Jahr 2004 gebraucht von den Niederlanden übernommen hatte, notwendig, um sie flugfähig zu halten – was allerdings erst nach Übernahme der Flugzeuge klar wurde. Schon vor zehn Jahren hatte der Bundesrechungshof den Kauf der acht P-3C deshalb kritisiert: Die Regierung habe versäumt, vor dem Kauf der Flugzeuge "deren technischen Zustand ausreichend zu prüfen." Infolgedessen hatte die Marine in der Praxis nie die volle Anzahl an Flugzeugen für den Einsatz zur Verfügung. Darüber hinaus sei die Orion mit dem taktischen Kennzeichen 60+01 Ende März bei einem Betankungsvorgang "stark beschädigt" worden. Das wirke sich zusätzlich auf den Klarstand aus, wie das Verteidigungsministerium betont.

Die P-3C Orion basiert auf dem Turboprop-Airliner Lockheed Electra. Die Bundesmarine fliegt das Muster seit 2006.

Ende zehn Jahre früher als vorgesehen

Eigentlich war geplant gewesen, die P-3C Orion noch bis 2035 bei den Marinefliegern im Dienst zu belassen. Danach, so die Perspektive, sollten die Turboprop-Viermots von einem maßgeschneiderten deutsch-französischen Gemeinschaftsprojekt, dem Maritime Airborne Warfare System (MAWS) auf Basis des Airbus A320M3A, abgelöst werden. Dieses Vorhaben steht noch immer, doch für die Jahre davor brauchen die Marineflieger nun eine Alternative. Denn ohne die Modernisierung blüht den in Nordholz beim MFG 3 stationierten Orions ein verfrühtes Ende: Ab 2025 sollen die einst als Ersatz für die Bréguet Atlantic beschafften Veteranen nun in den Ruhestand gehen. Gleichzeitig betont das Verteidigungsministerium: "Eine durch den Wegfall der P-3C Orion entstehende Fähigkeitslücke, insbesondere zur weiträumigen und schnellen Unterwasserseekriegführung, kann nicht hingenommen werden." Man sondiere deshalb den Markt für ein in Frage kommendes Ersatzmuster. Dabei würden "alle marktverfügbaren Plattformen berücksichtigt."

Mögliche Ersatzmuster für die Orion

VP-40 Completes Fleet’s Final Active Duty P-8A Transition 8 Bilder

Welche Ersatzmuster kommen in Frage?

Die Riege der ernsthaft in Frage kommenden Flugzeugtypen ist überschaubar: Während zahlreiche NATO-Partner auf die Boeing P-8A Poseidon setzen, hat Japan mit der vierstrahligen Kawasaki P-1 ein eigenes Pendant entwickelt, das ebenfalls zum Export angeboten wird – bislang allerdings ohne Erfolg. Günstiger, aber auch leistungsschwächer als die beiden Jets wären die Turboprop-Muster Airbus (CASA) C-295 MPA Persuader und ATR 72 ASW. Die ATR 72 wird auch von Rheinland Air Service als Seefernaufklärer RAS-72 Sea Eagle angeboten – zwei Flugzeuge dieses Typs stehen bei der pakistanischen Marine im Einsatz.