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USS MAKIN ISLAND FLIGHT OPS
Bell Boeing CMV-22B Osprey beim Erstflug.
Eine CV-22B für das Special Operations Command war im Juni 2020 die 400. von Bell Boeing ausgelieferte Osprey.
Bell Boeing MV-22B Osprey der Japan Ground Self Defence Force beim Training in den USA. 28 Bilder

600.000 Flugstunden für die V-22 Osprey

Kipprotor-Flugzeug 600.000 Flugstunden für die V-22 Osprey

Mehr als 400 Exemplare der Bell-Boeing V-22 Osprey stehen mittlerweile im Dienst – Tendenz steigend. Zusammen haben die Kipprotor-Senkrechtstarter nun die Marke von 600.000 Flugstunden überschritten. Allerdings fliegt die Osprey auch schon seit 1989.

Die Anfänge waren holprig – und liegen lange zurück. Als am 19. März 1989 bei Bell in Arlington (Texas) der erste Prototyp der V-22 Osprey zum Jungfernflug abhob, glich die Flugbahn des neuartigen Senkrechtstarters einem Fahrstuhl: Es ging senkrecht hoch – und wieder runter. Erst ein halbes Jahr später wagten sich die Verantwortlichen an die erste "Transition", den Übergang vom Schwebe- in den Horizontalflug. Die weitere Erprobung der V-22 gestaltete sich schwierig, vor allem das komplexe Kipprotorsystem erwies sich als anfällig für Fehler. Zwischen 1991 und 2000 verzeichnete das Programm vier Abstürze mit insgesam 30 Toten. Die bereits zum Erstflugdatum mehr als optimistisch klingende Prognose, das Flugzeug könne Anfang der 90er-Jahre einsatzfähig sein, blieb haltlos: erst 1997 hob das erste Serienexemplar ab. Offiziell in Dienst ging die Osprey sogar erst Ende 2005.

Kritik ist nicht verstummt

Inzwischen sind den ersten Serienflugzeugen mehr als 400 weitere Ospreys gefolgt. Sie fliegen bei den US Marines, der US Navy, der US Air Force sowie seit 2020 auch bei den japanischen Bodenselbstverteidigungskräften. Die Kritik an dem komplexen, teuren, verspäteten Senkrechtstarter ist über die Jahre leiser geworden – ganz verstummt ist sie nicht. Noch immer gibt es Probleme mit der Haltbarkeit mancher Komponenten. Das Propellergetriebe etwa hält wohl noch immer deutlich weniger als die geplanten 1.000 Stunden durch und auch ansonsten ist der Wartungsaufwand nach wie vor höher als erwünscht. Mitfliegende Soldaten beschweren sich dagegen vor allem über die beengte Kabine der Osprey.

Bell
Japan wurde 2020 zum ersten ausländischen Nutzer der Osprey.

Einzigartige Fähigkeiten

Allerdings ist nicht von der Hand zu weisen, dass die V-22 in sämtlichen Teilstreitkräften, die sie fliegen, inzwischen eine wichtige Rolle spielt. Die Maschinen sind weltweit im Einsatz und leisten in Afghanistan ebenso ihren Dienst, wie in Asien oder Afrika. Nun vermeldet Bell, dass die Osprey-Gesamtflotte die Marke von 600.000 Flugstunden geknackt hat. Für Bell-Programmchef Kurt Fuller ist das ein Grund zum Feiern – und Gelegenheit, einmal mehr die Vorzüge der V-22 herauszuheben: "Es gibt kein anderes Flugzeug auf der Welt, das in der Lage ist, die einzigartigen Fähigkeiten der Osprey zu erreichen", so Fuller. Immerhin sei die V-22 das erste, und bislang einzige, militärische Serien-Kipprotorflugzeug der Welt. Die 600.000 Flugstunden stünden "für unzählige taktische, logistische und humanitäre Hilfseinsätze sowie für das Engagement der Männer und Frauen, die das Flugzeug täglich warten und betreiben, um es zu einem fortschrittlichen Flugzeug zu machen."

Eine CV-22B für das Special Operations Command war im Juni 2020 die 400. von Bell Boeing ausgelieferte Osprey.
USAF
Die 400. Osprey, eine CV-22B, wurde Mitte Juni 2020 an die US Air Force übergeben.

"Ergebnis guter Teamarbeit"

Natürlich weiß auch der Hersteller, dass auf dem Weg zum nächsten Stunden-Meilenstein noch eine Menge Arbeit liegt. Bell-Boeing bietet den Osprey-Staffeln deshalb nach eigenen Angaben nicht nur direkte Unterstützung bei Wartung, Schulung, Datenanalyse und Ersatzteilservice. "Jede V-22-Flugstunde ist das Ergebnis guter Teamarbeit", betont Oberst Matthew Kelly, Programmdirektor des V-22 Joint Program Office. Auch konstruktive Verbesserungen sollen das V-22-Programm schrittweise nach vorn bringen: So habe man kürzlich damit begonnen, das Design der Triebwerksgondeln und Kabelbäume weiter zu verfeinern, um die Osprey zuverlässiger zu machen und den Wartungsaufwand zu verringern. Hierdurch würde "die Reparaturzeit verkürzt und die Einsatzbereitschaft verbessert", so Bell-Boeing.