Indien will im Flugzeugbau endlich den Anschluss schaffen. Eigentlich hat man mit Hindustan Aeronautics einen traditionsreichen Konzern im Land, doch die Entwicklung durchaus ehrgeiziger eigener Programme zieht sich, mindestens genauso traditionsreich, zuverlässig lang wie Kaugummi. Der einheimische Kampfjet Tejas etwa fliegt bereits seit 25 Jahren, doch ausgereift ist er bis heute nicht. Am Stealtth-Konzept AMCA (Advanced Medium Combat Aircraft) arbeitet Hindustan seit 2009 – ohne bis jetzt etwas Substantielles vorweisen zu können.
Was in der Vergangenheit dagegen immer wieder funktioniert hat, war der Lizenzbau ausländischer Flugzeugmuster. Hier bediente man sich über die Jahre multipler Partner. So baute Indien die britisch-französische SEPECAT Jaguar selbst, die Folland Gnat (als Ajeet), die Dornier Do 228 sowie diverse Hubschrauber. Den Löwenanteil aber machten stets Flugzeuge aus der UdSSR und Russland aus – allen voran die Mikojan MiG-21 mit über 650 in Indien gebauten Exemplaren, außerdem die MiG-27 und zuletzt die Suchoi Su-30, die Indien in der maßgeschneiderten Version MKI beschaffte.

Indien baut(e) bereits die Suchoi Su-30MKI in Lizenz. Das Flanker-Derivat ist heute der zahlenmäßig stärkste Kampfjet bei der indischen Luftwaffe.
Russlands Buhlen um Indiens Gunst
Hier findet die lange Vorrede ihr Ende und mündet in die Gegenwart: Von der Su-30MKI bestellte Indien nämlich unlängst neue Exemplare nach, was der langjährigen Rüstungsbeziehung zwischen Neu-Delhi und Moskau eine Prise frischen Windes verlieh. Die Russen wittern ihrerseits die Chance, in Indien auch ihre neuesten Produkte an den Mann zu bringen – und das idealerweise mit dem Zubrot zu verknüpfen, die eher marginalen eigenen Produktionskapazitäten durch indische Montagelinien zu entlasten. Da im Gegenzug Indien stark an einem Technologietransfer interessiert ist, könnten Geschäfte dieser Art für beide Seiten ein Gewinn sein.
Auf dem zivilen Sektor reiben Russlands Flugzeugbauer ihren indischen Kollegen dieser Tage die Regionalflugzeuge Superjet SJ-100 und Il-114-300 unter die Nase. Erste Absichtserklärungen für den lizenzierten Serienbau beider Muster in Indien gibt es bereits.
Militärisch steht für beide Parteien vor allem der Stealth-Kampfjet Suchoi Su-57 im Fokus – Russlands Top-Fighter, für den man in Moskau auf dem Exportmarkt nach weiteren Absatzmöglichkeiten sucht, während Indien auf den Technologie-Turbo schielt, der das eigene AMCA-Projekt endlich in die Spur bringen oder wenigstens auf gesichtswahrende Weise obsolet machen könnte.
Indien und die Suchoi Su-57
Dass Indien und Russland in der Vergangenheit bei der Su-57 schon einmal Partner waren, ist heute nur noch eine Fußnote. Das gemeinsame Projekt FGFA scheiterte, nach langem Siechtum, 2018 mit dem Ausstieg Indiens – aus finanziellen, technischen und terminlichen Gründen.
Dieses Mal soll es für beide Seiten deutlich besser laufen. Russland möchte den Indern die Su-57 als Rundum-Sorglos-Paket verkaufen, inklusive Serienbau bei Hindustan und Einbeziehung indischer Zulieferer gemäß der "Make in India"-Initiative der Regierung in Neu-Delhi.
Lizenzbau mit All Inclusive-Paket
Dabei sind die Russen offenbar bereit, selbst sensible technische Details mit Indien zu teilen. Russland biete ein umfassendes Lernprogramm "im Bereich neuer Technologien für Indien an, darunter Triebwerke, Optoelektronik, AESA-Radar, KI-Elemente, Technologien für geringe Signatur und moderne Waffen", betonte ein Vertreter des russischen Rüstungsexporteurs Rosoboronexport im November 2025 auf der Dubai Airshow. Auch die Integration indischer Waffensysteme in die Su-57 werde man unterstützen.

Die Suchoi Su-57 ist Russlands modernster Kampfjet. Viele Exemplare gibt es bis jetzt davon nicht.
Die Gespräche werden konkreter
Gemäß aktuellen Medienberichten ist die indische Seite diesem Vorschlag durchaus zugeneigt. Wadim Badecha, Chef des russischen Flugzeugbau-Konsortiums UAC, teilte am 28. Januar gegenüber der Nachrichtenagentur Tass mit, man befinde sich mit Neu-Delhi nun "in einem fortgeschrittenen Stadium der Verhandlungen über die Su-57."
Konkret gehe es in den laufenden Gesprächen um die "Produktion des Su-57-Kampfflugzeugs in Indien in den derzeit für die Su-30 genutzten Anlagen sowie über die maximale Nutzung indischer Industrie und Systeme bei diesem Flugzeugtyp", so Badecha weiter.
Bürokratie im Schildkrötentempo
Ob auch bereits konkrete Zeitpläne und technische Details zur Konfiguration einer "Make in India"-Su-57 besprochen werden, sagte Badecha nicht. Klar scheint allerdings: Über das bloße diplomatische Geplänkel und unverbindliche Schmeicheleien ist man inzwischen hinaus.
Viel heißen muss das trotzdem nicht. Ob es tatsächlich eines Tages eine Einigung und verpflichtende Verträge gibt, ist weiter ebenso offen wie die Frage, wie lange sich die Konsultationen noch hinziehen. Die entsprechenden Entscheidungsprozesse auf diesem Gebiet waren in der Vergangenheit in beiden Ländern nicht von einem rasanten Tempo geprägt. Besonders die Bürokratie in Indien ist geradezu berühmt-berüchtigt dafür, Beschlüsse und Beschaffungsentscheidungen über Jahre hinweg hinauszuzögern.
"Solche Verträge bestimmen (...) die Richtung unserer Zusammenarbeit für die kommenden Jahrzehnte", drückt es UAC-Chef Badecha möglichst unverfänglich aus. Daher bedürfe "der Vertrag einer umfassenden und detaillierten Ausarbeitung." Mit anderen Worten: Es kann noch dauern.





