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Russische Luftwaffe (Artyom Anikeev)
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Russland testet die MiG-31 mit Fly-by-Wire

Nächste Generation? Russland testet die MiG-31 mit Fly-by-Wire

In Nischni Nowgorod kümmert sich das Flugzeugwerk Sokol seit 2007 darum, die MiG-31 der russischen Luftwaffe fit für die Zukunft zu machen. Neben dem Upgrade auf den Standard MiG-31BM testen die Ingenieure dort auch komplett neue Ansätze – zum Beispiel Fly-by-Wire.

Russlands Luftwaffe rüstet ihre Abfangjäger für die nächste Dekade: 40 Jahre schon schützt die Mikojan-Gurewitsch MiG-31 den heimischen Luftraum, und auch in absehbarer Zukunft wird sich daran nicht viel ändern. Denn die MiG-31, 3.000 km/h schnell, ist technisch nach wie vor auf der Höhe der Zeit. Das liegt vor allem daran, dass im Flugzeugwerk Sokol in Nischni Nowgorod seit 2007 ein umfangreiches Moderniserungsprogramm im Gange ist. Stück für Stück werden hier die im Einsatz stehenden MiG-31 auf den aktuellen Standard BM hochgerüstet. Dieser umfasst etwa das hochmoderne Zaslon-AM-Radar, das die MiG-31BM in die Lage versetzt, sechs Luftziele gleichzeitig zu bekämpfen und bis zu zehn Luftziele zu verfolgen. Die Reichweite des Radars beträgt 320 Kilometer – und dank der Rakete R-37M kann die MiG-31BM gegnerische Flugzeuge über 280 Kilometer hinweg bekämpfen.

Bei Sokol in Nischni-Nowgorod wurden MiG-31 für die russische Kriegsmarine modernisiert.
OAK
Eine Charge frischer MiG-31BM steht bereit zur Abholung. Insgesamt sollen 114 MiG-31 auf diesen Standard hochgerüstet werden.

Frischzellenkur und "Russifizierung"

LCD-Bildschirme, auf denen Taktik-, Navigations-, Radar- und andere Informationen angezeigt werden, erhielten Einzug ins Cockpit der MiG-31BM. Dazu kommen neue Waffen wie die Hyperschallrakete Kinschal. Die Verantwortlichen in Nischni Nowgorod nutzen den Aufenthalt der Kampfjets im Sokol-Werk zudem für eine umfangreiche Frischzellenkur. So werden vor Ort sämtliche Gummidichtungen, die Verkabelung sowie die Cockpithaube ersetzt und die Zellen auf Korrosion untersucht. Je nach Zustand des Flugzeugs müsse man dann zwischen 15 und 50 Prozent der Zelle austauschen, heißt es seitens Sokol. Neu verbaute Komponenten kämen generell "zu 99,9 Prozent" aus Russland, während die alten Pendants zum Teil in früheren Sowjetrepubliken gefertigt wurden, die heute nicht mehr Teil der Russischen Föderation sind. Der gesamte Upgrade-Prozess nehme pro Flugzeug "weniger als ein Jahr" in Anspruch und erhöhe die Kampfkraft der MiG-31 "um das Dreifache", so Sokol.

Russische Luftwaffe (Artyom Anikeev)

Flugtests mit Fly-by-Wire-Steuerung

Allerdings sehen die Ingenieure in Nischni-Nowgorod offenbar noch mehr Spielraum für das altbewährte "Schlachtross". So arbeitet Sokol nach eigenen Angaben derzeit an einer MiG-31, die anstelle der klassischen, mechanischen Steuerung mittels Fly-by-Wire gesteuert wird. Dafür sei "die Installation einer Reihe von Computergeräten" im Flugzeug notwendig gewesen. "Die Variante mit der Fly-by-Wire-Steuerung ist bereits in der Umsetzung – jetzt wird diese Variante des modernisierten Abfangjägers getestet", zitiert die Nachrichtenagentur Tass einen Sokol-Vertreter. Was genau Sokol mit den Tests bezweckt, ist unklar. Womöglich geht es aber bereits jetzt darum, die MiG-31 auf eine noch längere Einsatzdauer vorzubereiten, denn einen neu entwickelten Nachfolger, etwa die sagenumwobene "MiG-41", können sich die Russen vermutlich nicht leisten. Müssen sie aber auch nicht: Staatskonzern Rostec führte bereits vor längerer Zeit an, die Lebensdauer der MiG-31 sei "praktisch unerschöpflich" – dank ihrer teilweise aus Titan gebauten Zelle.