Immerhin: Das Flugzeugwerk Aviastar-SP in Uljanowsk, in dem die neue Iljuschin gebaut wird, hat sein Minimalziel fürs abgelaufene Jahr erreicht. Sieben Il-76MD-90A verließen 2025 die Werkshallen, allesamt gingen an den bislang einzigen Kunden: Russlands Luftstreitkräfte. Verglichen mit dem Produktionsausstoß vorheriger Jahre konnte Aviastar-SP damit ein leichtes Plus verbuchen – bei einer Produktionsrate von 0,5 Flugzeugen pro Monat hatte man 2023 und 2024 nur jeweils sechs Maschinen fertigbekommen. Dass es, entgegen ursprünglicher Vorhaben, auch 2025 nicht signifikant mehr werden würden, war bereits im Juni klar gewesen – weshalb der Rüstungskonzern Rostec die besagten sieben neuen Il-76MD-90A als korrigierte Zielvorgabe festsetzte.
Im Jahr 2020 hatte das alles noch ganz anders geklungen. Gemäß damaliger Pläne hätte das Werk in Uljanowsk bereits 2024 die Produktionsmarke von zwölf Il-76 jährlich knacken müssen, damit man neben dem anhaltenden Bedarf der heimischen Luftwaffe auch den Exportmarkt sowie den zivilen Sektor bedienen könnte. Ein großangelegter Ausbau der Fabrik samt Erneuerung der Fertigungsanlagen galt dafür als Schlüssel.
Sanktionen als Bremsklotz
Den nahm man bei Aviastar-SP auch in der Tat in Angriff. Diverse Verwerfungen, unter anderem bedingt durch verschärfte westliche Sanktionen nach dem russischen Einmarsch in die Ukraine, verzögerten jedoch die Umsetzung. Als Antwort darauf stellte die russische Regierung Mitte 2025 ein Finanzpaket in Höhe von 46 Milliarden Rubel (rund 500 Millionen Euro) bereit, mit dem die Modernisierung der Produktionsanlagen beschleunigt und ohne die Zuhilfenahme westlicher Ausrüstung realisiert werden soll.
Perspektivisch sollen Komponenten für den Zusammenbau mithilfe eines neuen Systems beispielsweise per Laser ausgerichtet und automatisch montiert werden. Das würde, so die Hoffnung, die Durchlaufzeiten der im Bau befindlichen Transportflugzeuge merklich reduzieren. Ferner will Aviastar-SP – wie eigentlich alle anderen Flugzeugwerke Russlands auch – zusätzliches Fachpersonal einstellen, im Idealfall bis zu 2.500 Menschen.
Fernziel: bis zu 24 Il-76 pro Jahr
Auf diese Weise soll die Fabrik, wenn schon nicht seit 2024, so doch wenigstens ab 2027 ein Dutzend neue Il-76MD-90A pro Jahr zusammenbauen. Diesen Ausstoß möchte man perspektivisch auf jährlich 18 Flugzeuge hochfahren – mit der Option in der Hinterhand, bei entsprechendem Bedarf sogar noch einen draufzusetzen und per anno 24 Iljuschins zu produzieren. Damit hofft der Kreml, langfristig sowohl den Bedarf der Luftstreitkräfte als auch die Nachfrage anderer möglicher Kunden aus dem In- und Ausland sicherzustellen. Schließlich gilt die Il-76MD-90A beim staatlichen russischen Rüstungsexporteur Rosoboronexport als große Verkaufshoffnung – deren Potenzial sich mangels Angebot jedoch nicht recht entfalten lässt.

Die Il-76MD-90A wird bei Aviastar-SP in Uljanowsk endmontiert. 2025 verließen sieben neue Flugzeuge die Werkshallen – ursprünglich waren zwölf geplant.
Il-76MD-90A für die russische Luftwaffe
Wichtigster Abnehmer für die Il-76MD-90A bleibt allerdings auch in der Zukunft die russische Luftwaffe. Die schlägt sich seit geraumer Zeit mit einem Spitz auf Knopf stehenden Arsenal aus teils sehr betagten Militärfrachtern herum und wird perspektivisch wohl möglichst alle ihre alten Il-76 gegen Neuware ersetzen wollen. Dazu kommen Il-78-Tankflugzeuge auf derselben Basis, wodurch sich der Bedarf langfristig im deutlich dreistelligen Bereich einpendelt.
Andererseits sind bislang seitens des Kreml lediglich 39 Il-76MD-90A fest bestellt. Da trotz der anhaltend geringen Fertigungszahlen nach aktuellem Stand 37 Exemplare gebaut wurden (inklusive des Prototyps und einer als Frühwarnflugzeug Berijew A-100 vorgesehenen, inzwischen aber eingelagerten Maschine), sollte zeitnah eine entsprechende Folgeorder eintreffen. Das dürfte reine Formsache sein, womöglich wurden hinter den Kulissen auch bereits neue Verträge unterzeichnet. Die Auskunftsfreude der russischen Verteidigungsindustrie und -politik hat seit Februar 2022 stark nachgelassen, zumindest hinsichtlich konkreter Zahlen.
Diese sieben Jets wurden 2025 gebaut
So sind auch die für 2025 vermerkten Auslieferungen neuer Il-76MD-90A offiziell nur rudimentär dokumentiert. Das Zentrum für Strategie- und Technologieanalyse, eine regierungsunabhängige Denkfabrik mit Sitz in Moskau, hat die Übergabetermine und Kennzeichen der 2025 gebauten Iljuschins jedoch zusammengetragen und auf seiner Webseite veröffentlicht. Demnach gliedern sich die Erstflüge neuer Il-76 für 2025 wie folgt:
- Seriennummer 0405 (RF-78681) – 13. Mai
- Seriennummer 0406 (RF-78680) – 27. Juni
- Seriennummer 0407 (RF-78682) – 8. August (Auslieferung laut Rostec-Angaben am 1. September)
- Seriennummer 0408 (RF-78683) – 18. Oktober
- Seriennummer 0409 (RF-78684) – 15. November
- Seriennummer 0410 (RF-78685) – 27. November
- Seriennummer 0501 (RF-78686) – 7. Dezember





