Neuer Chipsatz, neues Radar
Die USA zünden bei der F-35 die nächste Stufe

Die F-35A, die Deutschland ab 2026 entgegennehmen will, werden dem Ausrüstungsstandard Block 4 entsprechen. An dem arbeitet Hersteller Lockheed Martin schon seit Jahren. Jetzt macht das milliardenschwere Modernisierungsprogramm auch nach außen hin Fortschritte.

Die USA zünden bei der F-35 die nächste Stufe
Foto: Northrop Grumman

Die Grundlage ist gelegt. Am 6. Januar 2023 hob auf der Edwards Air Force Base in Kalifornien die F-35 Lightning II mit dem taktischen Kennzeichen AF-07 zu ihrem "zweiten Jungfernflug" ab. Am Steuer des Stealth-Jets saß Testpilot Ryan "Bolo" Luersen. Sein Ausritt mit der F-35A, die ursprünglich bereits 2011 ausgeliefert wurde, dauerte 50 Minuten, brachte ihn an den Rand der Schallmauer und bis auf eine Höhe von 10.700 Meter (35.000 Fuß). Was Major Luersens Flug für das gesamte F-35-Programm so besonders macht: AF-07 ist die erste Lightning II, die das Hardware-Upgrade "Tactical Refresh 3" (TR-3) verpasst bekam – und das wiederum gilt als unverzichtbares Rückgrat für den kommenden Ausrüstungsstandard Block 4, mit dem die F-35 zahlreiche neue Fähigkeiten erhalten soll. Der bisherige TR-2-Chipsatz besitzt dafür nicht die nötigen Leistungsreserven.

Unsere Highlights
F-35 Conducts First Flight with TR-3
USAF
Am 6. Januar 2023 startete in Kalifornien die erste auf TR-3 hochgerüstete F-35A zum Jungfernflug. Nun geht es in die weitere Erprobung.

IT-Rückgrat für künftige Upgrades

TR-3 umfasst im Wesentlichen den Einbau neuer, deutlich leistungsstärkerer Computerchips sowie diverse Software-Updates. Mit deren Hilfe wird es möglich sein, die F-35 mit neuen Sensoren, neuen Langstreckenwaffen, besserer Software und erweiterten Möglichkeiten zur elektronischen Kampfführung zu bestücken. Dank des TR-3-Standards soll die F-35 außerdem mehr Daten parallel speichern und verarbeiten und im Einsatz besser zusammen mit anderen Plattformen operieren können. Für Lieutenant General Mike Schmidt, Chef des F-35-Programmbüros der US Air Force verkörpert der neue Chipsatz folgerichtig "das kritische Upgrade" für die F-35, "das allen unseren Piloten weiterhin die Fähigkeiten bietet, die sie benötigen, um gegen jeden Gegner erfolgreich zu sein." Lieutenant General Christopher Campbell, Kommodore der 461st Test Flight Squadron in Edwards, ergänzte, das Upgrade erneuere den Rechnerkern der F-35. Daher wirke sich der Einbau von TR-3 auf nahezu alle Funktionen des Flugzeugs aus.

Eine F-35A der USAF mit dem Luftwaffen-Inspekteur in Büchel.
Luftwaffe
Die Luftwaffe erhält ab 2026 insgesamt 35 F-35A des Standards Block 4. Sie sollen den Tornado ersetzen.

Noch dieses Jahr serienreif

An den erfolgreichen Erstflug wird sich laut USAF-Angaben nun eine umfangreiche Testkampagne anschließen, bevor das Upgrade schließlich Einzug in die Serienfertigung der F-35 hält. Die ersten mit TR-3 ausgerüsteten Maschinen, sie gehören zum Baulos 15, sollen noch in diesem Jahr aus der Halle rollen und können nachträglich auf den vollumfänglichen Block 4-Standard hochgerüstet werden. Geplant ist außerdem, bereits ausgelieferte F-35 rückwirkend bis zu Baulos 10 ebenfalls mit TR-3 auszustatten. Deutschlands Luftwaffe wird, so der aktuelle Planungsstand, ab 2026 insgesamt 35 F-35A Block 4 erhalten.

Northrop Grumman
Northrop Grumman ist ein wichtiger Zulieferer im F-35-Programm. Derzeit entwickelt der Konzern ein neues AESA-Radar. Es trägt die Bezeichnung AN/APG-85.

Neues Radar für Block 4

Das Block 4-Modernisierungsprogramm für die F-35 schlägt laut Schätzungen insgesamt mit rund 15 Milliarden US-Dollar zu Buche und umfasst mehr als 75 Veränderungen – vorrangig im Bereich elektronischer Hard- und Software, aber auch bei der Triebwerksfrage. Längst nicht alle Details zum Umfang des kommenden Ausrüstungsstandards sind bislang öffentlich bekannt. Klar ist jedoch, dass die künftigen F-35 ein neues, verbessertes AESA-Radar aus dem Hause Northrop Grumman erhalten. Der Rüstungskonzern aus Virginia kündigte jüngst per Pressemitteilung an, dass er die Entwicklung des speziell für die F-35 zugeschnittenen AN/APG-85 aufgenommen habe. Es soll das bislang verwendete AN/APG-81 ersetzen, das ebenfalls von Northrop Grumman stammt. Technische Details zum neuen Radar nennt der Pressetext nicht. Northrop Grumman verspricht jedoch, das AN/APG-85 sorge für "ein beispielloses Situationsbewusstsein im Kampfraum", das der F-35 ungekannte Fähigkeiten in Sachen "Letalität, Effektivität und Überlebensfähigkeit" verleihe.

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