Ein "Desaster" der Bundesregierung oder die Konsequenz jahrelanger Fehlplanung? In Österreich ist ein politischer Streit entbrannt, in dessen Zentrum die Transportflieger des österreichischen Bundesheeres stehen. Die haben nämlich, nach der Ausmusterung einer Maschine, seit Ende 2025 nur noch zwei von ehemals drei C-130K Hercules zur Verfügung. Selbst diese Mini-Flotte besteht jedoch momentan eher auf dem Papier, denn flugbereit ist keine der zwei verbliebenen "Hercs". Eine C-130K stehe zur planmäßigen Wartung in Portugal, schreibt das Nachrichtenportal heute.at. "Die Letzte muss seit vergangener Woche wegen Problemen beim Tank am Boden bleiben", heißt es dort weiter.
Für die Oppositionspartei FPÖ, Österreichs stimmenstärkste Kraft, ist diese Nullnummer ein handfester "Skandal der Sonderklasse" – den man natürlich gern der herrschenden Regierung aus ÖVP, SPÖ und NEOS in die Schuhe schieben möchte. Schließlich gehe es nicht an, dass nach den Angriffen auf den Iran durch Israel und die USA "Tausende Österreicher" in der Krisenregion festsäßen und die Regierung sie nicht evakuieren könne, "weil aufgrund des jahrelangen ÖVP-Aushungerungskurses kein einziges Hercules-Transportflugzeug des Bundesheeres einsatzfähig ist."

Österreich erhält ab 2028 insgesamt vier neue Embraer C-390 als Hercules-Ersatz. Bis dahin muss das Bundesheer mit seinen letzten zwei alten C-130K auskommen.
Erste C-390 kommt erst 2028
Tatsächlich war die Bestellung eines neuen Transportflugzeugmusters für Österreichs Bundesheer seit Langem überfällig, denn das Problem der alternden Hercules schwelte schon jahrelang. Erst im Juli 2024 zurrte Österreich seine Bestellung von vier fabrikneuen Embraer C-390 als Ersatz fest. Baubeginn für das erste Flugzeug war vor ziemlich genau einem Jahr, doch die Lieferung ist erst für 2028 vorgesehen. Die restlichen drei C-390 sollen dann bis 2030 eintreffen.
Für die akuten Probleme der Gegenwart ist das nur ein schwacher Trost – wenngleich die Evakuierung österreichischer Staatsbürger aus der Golfregion mit Militärflugzeugen laut Bundesheer-Kommunikationschef Michael Bauer ohnehin nicht angedacht gewesen sei. "Die Ausreise mit zivilen Flugzeugen ist das erste und beste Mittel der Wahl", zitiert heute.at den Sprecher.
Hercules-Blamage schon 2023
Allerdings: Als im Oktober 2023 der Konflikt zwischen Israel und der Hamas eskalierte, hatte das Bundesheer sehr wohl vor, mithilfe einer "Hercules-Luftbrücke" zwischen Paphos und Tel Aviv Österreicher aus Israel nach Zypern zu evakuieren. Damals scheiterte das Unterfangen kläglich – aus ähnlichen Gründen wie jetzt: Von den damals noch drei österreichischen C-130K war eine in Portugal zum C-Check, eine stand in Linz im Wartungshangar und die dritte musste auf dem Weg zum ersten Evakuierungsflug kurz nach dem Start in Linz wegen starker Rauchentwicklung im Frachtraum umkehren. Auch sie fiel damit letztlich aus. "Ein schwarzer Tag für das Bundesheer", kommentierte damals Sprecher Michael Bauer auf X.

Österreich beschaffte seine Hercules-Flotte einst gebraucht aus Großbritannien. Die C-130K stammen aus den 1960er Jahren.
"Bundesheer wissentlich an die Wand gefahren"
Ebenfalls auf X erläuterte Bauer nun, am 2. März 2026, die Gründe für das erneute "Hercules-Desaster" aus seiner Sicht – und schob der laut polternden FPÖ, die zwischen 2017 und 2019 mit Mario Kunasek selbst den Verteidigungsminister stellte, zumindest indirekt die Schuld dafür zu: "Jene, die sich jetzt darüber beschweren, dass die Transportflugzeuge des Bundesheers nicht einsatzbereit sind: Sind das auch jene, die jahrelang mehr Geld für das Bundesheer gefordert haben?" so Bauers rhetorisch gemeinte Frage.
In einer kurz zuvor veröffentlichten Stellungnahme hatte Bauer bereits zusammengefasst: "Das Bundesheer verfügt noch über 2 Transportflugzeuge C-130 Hercules. Diese Flugzeuge sind Baujahr 1967 . Die Entscheidung, neue Flugzeuge zu beschaffen, erfolgte durch Verteidigungsministerin Klaudia Tanner. Vorherige Regierungen haben diese Entscheidung leider nicht getroffen." In einem weiteren X-Kommentar schob der Oberst später hinterher: "Ich würde mich über Verteidigungsminister der Vergangenheit niemals öffentlich äußern; selbst wenn diese das Bundesheer wissentlich an die Wand gefahren haben."
Versäumnis durch FPÖ-Minister?
Dass die ÖVP das ganz genau so sieht wie der Sprecher des Bundesheers und der FPÖ per verbaler Retourkutsche die Verantwortung für das nun von ihr skandalisierte Hercules-Problem zuschreibt, überrascht nicht. Für Friedrich Ofenauer, den wehrpolitischen Sprecher der Partei, ist es in jedem Fall "bemerkenswert, wie schnell die FPÖ vergisst." Hätte der FPÖ-Verteidigungsminister Kunasek in seiner Amtszeit bereits "zeitgerecht die Nachbeschaffung der mittlerweile über 60 Jahre alten Transportflieger veranlasst, hätten wir drei funktionstüchtige Maschinen", unterstreicht Ofenauer.





