Su-57 „löst vielfältige Aufgaben“
Russlands Superfighter mischt im Ukraine-Krieg mit

Russlands neuer Kommandeur in der Ukraine spricht in höchsten Tönen von den Fähigkeiten der Suchoi Su-57 – und bestätigt den Einsatz des Stealth-Jets im Ukrainekrieg. Wie die Su-57 dort genau operiert, bleibt aber im Dunkeln.

Russlands Superfighter mischt im Ukraine-Krieg mit
Foto: Russisches Verteidigungsministerium

Bislang war es nur ein Gerücht, nun ist es von höchster Stelle bestätigt: Russland setzt die Suchoi Su-57 im Krieg gegen die Ukraine ein. Das zumindest erklärte Sergei Surowikin, seit Kurzem Befehlshaber der russischen Streitkräfte in der Ukraine, Anfang der Woche im Gespräch mit russischen Medien. "Mit einer breiten Palette von Waffen" erledige der Stealth-Fighter, von dem bislang erst rund ein halbes Dutzend Serienmaschinen ausgeliefert wurden, "vielfältige Aufgaben zur Zerstörung von Luft- und Bodenzielen", so Surowikin. Die "Qualität des Kampfeinsatzes" der Su-57 sei besonders hervorzuheben.

Unsere Highlights
Suchoi Su-57 auf der MAKS 2019.
Patrick Zwerger
Die Suchoi Su-57 ist Russlands Top-Fighter. Sein Einsatz im Ukrainekrieg scheint nun offiziell bestätigt, aber seine Rolle bleibt unklar.

Das unbekannte Wesen

Weitere Details zu Art und Umfang der Einsätze nannte Surowikin – wenig überraschend – nicht. Inwiefern die vagen Ausführungen des Kommandeurs der Wirklichkeit entsprechen, lässt sich damit schwer nachprüfen. Allerdings gab es in den vergangenen Monaten in Russland immer wieder Meldungen, die sich auf den Einsatz der Su-57 im Ukrainekrieg bezogen. Diese wurden offiziell weder bestätigt noch dementiert. Im Mai schrieb die russische Nachrichtenagentur Tass unter Berufung auf eine anonyme Quelle, dass die Su-57 "zwei oder drei Wochen" nach Beginn der russischen Invasion auf dem Kriegsschauplatz aufgetaucht seien. Ihre Einsätze beschränkten sich jedoch auf Angriffe aus der Distanz, mutmaßlich außerhalb des ukrainischen Luftraums, unter Verwendung von Langstreckenlenkwaffen: "Die Flugzeuge operieren außerhalb der Zone der aktiven Zerstörung durch feindliche Luftverteidigungssysteme", so die Insiderquelle damals.

Konkret schilderte mit RIA Nowosti eine weitere Nachrichtenagentur Anfang Juni den Einsatz von vier Su-57, die eine gemeinsame Attacke gegen ukrainische Luftverteidigungsanlagen geflogen seien. Dabei sei "die geringe Radarsichtbarkeit" des Flugzeugs bestätigt worden – was zumindest nahelegt, dass die Jets bei dieser Mission auch im gegnerischen Luftraum operierten. Offiziell kommentiert wurde seinerzeit auch diese Meldung nicht.

Suchoi Su-57.
OAK
Bislang wurden fünf Su-57 aus der Serienfertigung an die russische Luftwaffe übergeben. Zwei weitere sollen demnächst folgen.

Angriff aus zweiter Reihe?

Dass Russland im Krieg gegen die Ukraine auch neue, prestigeträchtige Waffensysteme wie die Su-57 aktiv einsetzt und erprobt, erscheint nicht unwahrscheinlich. Bereits 2018 hatte die russische Luftwaffe vier Su-57, damals noch Vorserienmaschinen, zeitweise nach Syrien verlegt, um sie dort unter Realbedingungen zu testen.

Zwar gibt es aus der Ukraine bislang keinen einzigen bestätigten, öffentlich gemachten Fall, bei dem eine Su-57 visuell oder per Radar bei einem Einsatz im Kriegsgebiet erfasst wurde. Das muss allerdings nicht zwingend etwas heißen (und auch nicht für eine überlegene "Unsichtbarkeit" des Musters sprechen), wenn Russland seinen Top-Fighter tatsächlich vorzugsweise aus der zweiten Reihe agieren lässt und er dabei den russisch kontrollierten Luftraum kaum verlassen muss. Im Waffenarsenal der Su-57 finden sich durchaus Lenkwaffen, die für eine solche Rolle prädestiniert sind – so etwa die Luft-Boden-Rakete Kh-59MK2 mit einer proklamierten Reichweite von 290 Kilometern oder die Langstrecken-Luft-Luft-Rakete Wympel R-37M (beziehungsweise das für die Su-57 optimierte Derivat "Produkt 810"). Da sich die Su-57 nach wie vor in der Testphase befindet, dürfte ein guter Teil der Flüge auch gar keine scharfen Einsätze umfassen, sondern vor allem dem Sammeln von Daten dienen.

Satellitenbild (ISI)
2018 verlegte Russlands Militär zeitweise vier Vorserien-Su-57 nach Syrien, um sie dort unter Realbedingungen zu testen.

Vorsichtiger Einsatz

In jedem Fall wird Russland sehr darauf bedacht sein, keine Su-57 über feindlichem Gebiet zu verlieren, solange das Flugzeug noch in der Erprobung und damit nicht voll einsatzfähig ist. Während ein Verlust durch technischen Defekt zumindest peinlich sowie teuer wäre und das Risiko mit sich brächte, dass geheime Militärtechnik in die Hände des Westens gelangt, käme ein Abschuss durch ukrainische Flugzeuge oder Luftabwehr einem propagandistischen Super-GAU gleich – hebt man in Russland doch gern die hervorragenden Stealth-Fähigkeiten des neuen Kampfjets hervor.

Die aktuelle Ausgabe
FLUGREVUE 01 / 2023

Erscheinungsdatum 04.12.2022

Abo ab 14,00 €