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Schlagkräftig trotz Sparzwängen

Griechenlands Luftstreitkräfte

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Die neuesten Versionen von Lockheed Martin F-16 und Dassault Mirage 2000 fliegen in Griechenland noch Seite an Seite mit Oldies wie A-7 Corsair oder F-4 Phantom.

Immer im Einsatz. Für kaum eine andere Luftstreitkraft in Europa gilt dies mehr als für die griechische Elliniki Polemiki Aeroporia. Gleich mehrere vorgeschobene Alarmrotten auf verschiedenen Inseln sichern mit F-4 Phantom, F-16 und Mirage 2000 das Land gegen mögliche Eindringlinge. Im Gegensatz zur Situation in unseren Breiten sind diese jedoch meist keine verirrten Zivilflugzeuge oder ähnliches, sondern nicht immer freundlich gesinnte Kampfjets. So geschehen auch am 23. Mai 2006: Zwei griechische F-16C Block 52+ fangen zwei türkische F-16 ab, die einen eigenen RF-4E-Aufklärer über der Ägäis eskortieren. Wie so oft kommt es zu einem Scheinluftkampf, doch diesmal geht etwas schief. Zwei Fighting Falcons kollidieren. Während der griechische Pilot ums Leben kommt, kann sich der türkische Flugzeugführer mit dem Schleudersitz retten. Im Februar 2009 wurde er in Griechenland in Abwesenheit zu einer Haftstrafe von vier Jahren wegen fahrlässiger Tötung verurteilt. Die anhaltenden Scheingefechte entzünden sich an einem Grenzdisput. Während Griechenland von einer 16 Kilometer vom eigenen Festland entfernten Seegrenze ausgeht, erkennt die Türkei nur zehn Kilometer an.

Alt und neu in Araxos

Obwohl Griechenland innerhalb der NATO eine wichtige Stabilisierungskraft in Südosteuropa darstellt, scheint das Verhältnis zur Nachbarnation das militärische Denken nach wie vor zu beeinflussen. Da die Türkei bei der Anzahl von Kampfflugzeugen überlegen ist , streben die Griechen nach qualitativ besserer Ausrüstung. Lange Zeit galten die griechischen Luftstreitkräfte als Zufluchtsort für ältere Kampfflugzeuge. Beispielsweise gingen die letzten Republic RF-84F Thunderflash erst 1991 außer Dienst. NATO-Partner gaben ihr ausgedientes Gerät gerne an die Elliniki Polemiki Aeroporia ab.

Doch damit ist jetzt Schluss. Am besten ist das in Araxos zu beobachten. Die letzten aktiven Vought A-7 Corsair II der Welt haben Gesellschaft in Form einer der modernsten Variante der Fighting Falcon bekommen. Im Rahmen des „Peace Xenia IV“-Programms lieferte Lockheed Martin 20 F-16C und zehn F-16D Block 52 Advanced an das 116. Geschwader. „Mit diesen neuen Flugzeugen werden die Verteidigungskraft und die Abschreckungsfähigkeit der griechischen Luftwaffe erheblich verbessert“, sagte ihr Oberbefehlshaber Generalleutnant Ionannis Giagkos. Dank ihrer Link-16-Fähigkeit harmonieren sie gut mit den zwar vor zehn Jahren gekauften, aber erst jüngst in Dienst gestellten Frühwarnflugzeugen Embraer EMB-145 AEW und sind mit dem Radar AN/APG-68(v9) und IRIS-T-Lenkwaffen ausgestattet. Auch das JHMCS-Helmvisier (Joint Helmet Mounted Cueing System) gehört zur Ausrüstung.

Die Modernisierung der Streitkraft hatte bereits 1988 mit der Bestellung von 40 F-16C/D Block 30 begonnen. Später kamen 40 Block-50-Exemplare und 60 Vertreter des Standards Block 52+ hinzu. Die jüngste Beschaffung erfolgte, nachdem ein Vertrag über den Kauf von 60 Eurofightern im Jahr 2004 storniert wurde - bedingt durch finanzielle Engpässe aufgrund der Olympischen Spiele in Athen. Zu diesem Zeitpunkt waren Typen wie die Dassault Mirage F1, Lockheed F-104 Starfighter und Northrop F-5 längst aus dem Inventar verschwunden. Auch anderen älteren Jets ging es an den Kragen. Die Anfang der 90er Jahre von der US Air National Guard übernommenen F-4E Phantom kamen Ende 2005 auf das Abstellgleis. Im selben Jahr bestellte man 15 neue Mirage 2000-5 Mk2, während das heimische Luftfahrtunternehmen Hellenic Aerospace Industry zehn Mirage 2000EG auf den gleichen Stand brachte. Sie besitzen eine modernisierte Avionik mit dem neuen RDY-2-Radar. Sie fliegen heute bei der 331. Mira in Tanagra. Die Schwesterstaffel 332. Mira betreibt noch die ursprüngliche Mirage 2000EG, die ab April 1988 geliefert wurde. Sie kann zur Schiffsbekämpfung den Exocet-Flugkörper einsetzen.

Die letzten Phantoms

Die noch aktiven F-4E entsprechen sämtlich dem Stand von „Peace Icarus 2000“ und fliegen heute in Andravida. In diesem Programm hatte die Deutsche Aerospace (später EADS) 36 Phantoms kampfwertgesteigert. In Griechenland tragen die modifizierten Phantoms den Zusatz AUP in der Bezeichnung (Avionics Update Programme). Für Luft-Boden-Einsätze können sie auch den Zielbeleuchtungsbehälter Rafael Litening II verwenden.

Wie es bei der Modernisierungskampagne weitergeht, ist offen. Ein möglicher Auftrag über 30 bis 40 weitere Kampfflugzeuge als Ersatz für die A-7 und F-4 blieb heiß umkämpft. Zu den Kandidaten gehörten Boeing F/A-18 Super Hornet, Dassault Rafale, Eurofighter, Lockheed Martin F-16 und Saab Gripen. Die nötigen zwei Milliarden Euro waren aber angesichts der wirtschaftlichen Lage in Griechenland für die Regierung nicht aufzutreiben. Vielleicht gibt es also doch eine Gnadenfrist für den einen oder anderen Exoten im Inventar der Elliniki Polemiki Aeroporia.

FLUG REVUE Ausgabe 11/2009

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