Statt russischer MiGs
Serbien will mindestens zwölf Rafale kaufen

Das orthodox geprägte Serbien gilt als Russlands treuester Fürsprecher in Europa. Das hindert die Serben aber nicht, sich bei der Suche nach Ersatz für ihre alternden MiG-29 der Luftwaffe im Westen umzusehen. Die Regierung hat dabei einen klaren Favoriten: die Rafale.

Serbien will mindestens zwölf Rafale kaufen
Foto: Dassault

Erst am Wochenende machte Serbien bereits mit einem prägnanten Rüstungsgeschäft von sich reden. Der Balkanstaat ließ sich aus China eine nicht genannte Anzahl Flugabwehrsysteme vom Typ FK-3 nach Belgrad liefern. Die Exportversion der chinesischen HQ-22-Rakete kam in zwei großen Konvois in Serbien an, eingeflogen von jeweils sechs Xian Y-20-Transportflugzeugen der chinesischen Luftwaffe. Serbiens Präsident Vucic erklärte die chinesischen Raketensysteme bereits zum "Stolz des serbischen Militärs" – doch nun scheint es, als würde in dieser Hinsicht ein neues Rüstungsgeschäft den chinesischen Raketen bald den Rang ablaufen.

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Serbien fliegt noch immer alte MiG-29 aus Beständen der russischen und weißrussischen Luftwaffe. Sie könnten bald durch die Rafale ersetzt werden.

Rafale statt MiG-29?

Denn wie unter anderem die Nachrichtenagentur Reuters berichtet, liebäugeln Präsident Vucic und sein Kabinett aktuell mit dem Kauf von mindestens einem Dutzend französischer Rafale-Kampfjets aus dem Hause Dassault. Die serbische Luftwaffe fliegt momentan mit einem recht veralteten Inventar, dessen Speerspitze rund ein Dutzend Mikojan-Gurewitsch MiG-29 verkörpern. Bis vor rund einem Jahr flogen die Serben sogar noch die MiG-21, legten dieses Kapitel jedoch im Mai 2021 nach insgesamt 58 Jahren endgültig ad acta. Die MiG-29 der serbischen Luftwaffe stammen allesamt aus Restbeständen anderer Nationen, vor allem aus Russland und Weißrussland. So erhielt Serbien 2017 eine Lieferung von sechs gebrauchten MiG-29 der russischen Luftwaffe (drei Einsitzer MiG-29S sowie drei Doppelsitzer MiG-29UB). Im Jahr darauf lieferte Weißrussland vier alte MiG-29A nach Belgrad.

Auf Distanz zu Russland

Dass Serbien sich nun bei der Nachfolgefrage für diese Maschinen explizit nicht in Russland, sondern in Frankreich umsieht, werten manche Analysten als Zeichen dafür, dass der Balkanstaat gegenüber seinem alten Verbündeten Russland auf Distanz gehen will – vermutlich auch aufgrund politischen Drucks aus Brüssel, denn Serbien möchte gerne in die EU. Vucic zufolge soll die Luftwaffe dieses Mal auch keine Gebrauchtflugzeuge erhalten, sondern mit fabrikneuen Jets versorgt werden.

Gleichzeitig betonte der Präsident jedoch, dass der Deal den begrenzten Rahmen des Staatshaushalts nicht sprengen dürfe. "Wir verhandeln seit einem Jahr über diesen Kauf von zwölf neuen Jets, und wir prüfen auch den Kauf von weiteren zwölf gebrauchten (westlichen) Flugzeugen aus einem anderen Land", sagte Vucic gegenüber Reuters. Serbien sucht auch nach einem Erben für seine als Jagdbomber und Erdkämpfer eingesetzten Soko J-22 Orao, die noch aus dem alten Jugoslawien stammen und ebenfalls ihrer Ablösung harren.

Chris Lofting (GDFL 1.2)
Serbiens Nachbarland Kroatien hat die Rafale bereits als Nachfolgemuster für seine alten MiG-21 auserkoren.

Rafale auch für Kroatien

Mit der Rafele würde sich Serbien dasselbe Kampfjet-Muster entscheiden, mit dem auch der ungeliebte Nachbar Kroatien seine Fighter-Flotte modernisieren wird. Die Kroaten haben in Frankreich ebenfalls zwölf Rafale bestellt, die ab 2024 die veralteten MiG-21 ersetzen sollen. Allerdings erhält Kroatien – aus Kostengründen – gebrauchte Exemplare aus Beständen der Armée de l'Air.

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