Ein ausgemusterter Bomber, der eigentlich sein Leben auf einem Schrottplatz in Arizona ausklingen sollte, erlebt seit 2022 eine zweite Karriere. Es ging für ihn allerdings nicht wieder in die Luft. Stattdessen bleibt die Boeing B-52 Stratofortress als Versuchsträger am Boden.
In einem Hangar in Oklahoma City steht die Maschine mit dem Spitznamen "Damage Inc. II" und dient Ingenieuren von Boeing als Übungsfeld für Technologien, die die Wartung der gesamten B-52-Flotte revolutionieren sollen. Fehler, die an dem bereits ausgemusterten Flugzeug gemacht werden, gefährden so keine einsatzbereite Maschine.
Über Jahrzehnte hinweg wurden die Maschinen repariert, modifiziert und notdürftig instandgehalten. Oft wurden die Modifikationen nicht digital dokumentiert. Jede Maschine ist damit ein kleines Unikat, das in verschiedener Weise von den ursprünglichen Konstruktionsplänen abweicht. Flottenweite Änderungen werden so erschwert.
Die Testmaschine macht es möglich, die kleinen Unterschiede frühzeitig zu finden und sich darauf einzustellen. "Es ist, als würde man einen 'Open-Book'-Test schreiben", erklärt Sarah Congdon, Ingenieurin bei Boeing, "Wir finden alle Antworten, die wir brauchen, jetzt. Wenn wir also ein Flugzeug modifizieren, müssen wir nicht mehr während der Arbeit lernen."

Die B-52 Stratofortress bleibt trotz ihres Alters für die Strategische Bomberflotte der US Air Force unverzichtbar.
Millionenersparnis durch das Projekt
Mit Handscannern erfassen Techniker in der "Damage Inc. II" die tatsächliche Geometrie einzelner Bereiche, bevor überhaupt ein reales Bauteil angefertigt wird. Anschließend entstehen im 3D-Drucker Prototypen, die direkt am Flugzeug auf Passgenauigkeit geprüft werden.

Mit einem 3-D-Scanner werden Teile der B-52 genau erfasst.
Stimmt das Ergebnis nicht mit den Planunterlagen überein, werden die Unterlagen angepasst. 3D-Druck hat sich bei Boeing als günstige und schnelle Lösung etabliert, die Designs schnell in reale Produkte verwandelt.
Was nach einem akademischen Übungsprojekt klingt, hat handfeste wirtschaftliche Konsequenzen. Nach Angaben von Boeings B-52-Programmverantwortlichem Jagbir Singh haben bisherige Testläufe im Labor bereits Einsparungen von über 1,3 Millionen US-Dollar erzielt. Nacharbeiten wurden vermieden und Ersatzteile eingespart.
B-52 weiter im Einsatz
Seit über 70 Jahren sind die achtstrahligen Bomber im Dienst der Air Force. Modifikationen sind daher lebensnotwendig für die alte Flotte, denn die soll wenigstens bis in die 2040er Jahre im Einsatz bleiben. Unter anderem soll es neue Triebwerke und Radarsysteme für die Stratofortress geben.
Auch mit dem nuklear bestückbaren Marschflugkörper AGM-181 soll die Stratofortress ausgerüstet werden.
Die Modernisierung der 76 Bestandsmaschinen ist noch günstiger, als sie mit Tarnkappenbombern zu ersetzen. Denn das würde Hunderte Milliarden Dollar kosten und Jahrzehnte dauern. Außerdem kann die US-Luftwaffe bisher nicht auf die alten B-52 verzichten. Im Krieg gegen den Iran waren die Bomber an verschiedenen Einsätzen beteiligt.





