Anti-Drohnen-Kampfjets für die Ukraine: Tschechien gibt keine Flugzeuge ab

Regierung gegen Präsident in Tschechien
Streit über Anti-Drohnen-Kampfjets für die Ukraine

ArtikeldatumVeröffentlicht am 22.01.2026
Als Favorit speichern
Tschechisches Kampfflugzeug L-159 im Flug.
Foto: Aero Vodochody

Die tschechische L-159, hergestellt von Aero Vodochody, ist von Haus aus ein leichtes Angriffsflugzeug. In dieser Variante trägt sie die Zusatzbezeichnung ALCA (advanced light combat aircraft). In einer Zweisitzerversion lässt sich der Jet auch fürs Pilotentraining nutzen. Aero schuf die L-159 in den 1990er-Jahren, 72 Stück wurden gebaut. Im Einsatz steht die L-159 sowohl bei der tschechischen Luftwaffe (23 Exemplare) als auch im Irak (15) sowie beim privaten Unternehmen Draken International aus den USA (14).

Der tschechische Präsident Petr Pavel hatte kürzlich vorgeschlagen, vier gebrauchte Kampfjets der einheimischen Luftstreitkräfte an die Ukraine zu verkaufen. Er nannte dabei nicht explizit die L-159, allerdings gilt es als sicher, dass es genau um dieses Muster ging. In Kiew sieht man in dem leichten Fighter offenbar Potenzial für einen erstklassigen Drohnenjäger, der dabei helfen könnte, die täglich massenweise aus Russland einfliegenden Kamikazedrohnen in Schach zu halten. Bisher nutzen die Ukrainer dafür vor allem Hubschrauber wie die Mil Mi-24 und die Mi-8, aber auch modifizierte Propellerflugzeuge.

Tschechisches Kampfflugzeug L-159 im Flug.
Aero Vodochody

Regierungschef lehnt ab

Zumindest die L-159 werden ukrainische Piloten wohl auch zukünftig nicht fliegen. Denn Tschechiens Regierung um den seit Dezember 2025 im Amt stehenden Premier Andrej Babiš hält von der Idee des Präsidenten Pawel nicht besonders viel.

Man werde die Kampfjets mitnichten in die Ukraine transferieren, ließ der Kabinettschef am Montag verlauten. Die Regierung hatte in Prag eigens eine Sondersitzung einberufen, um über die Möglichkeit des Verkaufs zu debattieren. Präsident Pawel hatte Babiš offenbar zuvor telefonisch über die Idee informiert. Babiš und auch sein Verteidigungsminister, Generalmajor a.D. Jaromir Zuna, begründeten das "Nein" gegenüber Kiew – und gegenüber ihrem Präsidenten – damit, Tschechiens Luftwaffe brauche die Jets selber. "Die Flugzeuge sind nicht verfügbar und wir haben keine anderen", so der Ministerpräsident.

Empfohlener redaktioneller Inhalt
Icon youtube

Kritik vom Präsidenten

Für Präsident Pawel, dessen Amt als Staatsoberhaupt vor allem repräsentativer Natur ist, bedeutet die Ablehnung seiner Pläne einen öffentlichen Schuss vor den Bug. Pawel hatte vergangenen Freitag bei einem Besuch in der Ukraine gegenüber deren Präsident Wolodymyr Selenskyj erklärt, sein Land könne die gewünschten Jets "binnen relativ kurzer Zeit" übergeben. "Ich glaube, dass wir diese Angelegenheit schnell und erfolgreich abschließen werden", schob er dort nach.

Entsprechend brüskiert zeigte sich Pawel nun darüber, dass das Kabinett seine Pläne in den Wind schoss. Gegenüber der Online-Plattform Kyiv Independent gab er zu Protokoll: "Ich fürchte, mit dieser Entscheidung bewegen wir uns näher an den Egoismus als an die Solidarität."

Tschechisches Kampfflugzeug L-159 im Flug.
Aero Vodochody

Tschechien "braucht Flugzeuge selbst"

Premier Babiš unterstrich seinerseits, Verteidigungsminister Zuna habe ihm "ganz klar gesagt, dass die Flugzeuge noch eine Nutzungsdauer von etwa fünfzehn Jahren haben und die Armee sie braucht", zitieren ihn tschechische Medien. "Wir wissen, dass die Ukraine sie will und braucht, aber die Flugzeuge sind schlichtweg nicht verfügbar. Es stimmt nicht, dass sie irgendwo in einem Hangar ungenutzt herumstehen." Seiner Meinung nach sei die Debatte über den Verkauf der L-159 überflüssig.

Die Parteien der Regierung Babiš hatte sich in der Vergangenheit bereits mehrfach kritisch zu Waffenlieferungen an die Ukraine geäußert. In Bezug auf die L-159 verfolgen sie damit jedoch keinen neuen Kurs: Auch die für die Unterstützung der Ukraine deutlich offenere Vorgängerregierung unter Ministerpräsident Petr Fiala konnte sich für eine Abgabe gebrauchter Kampfjets an die Ukraine nie erwärmen.