Die Forschungsabteilung der U.S. Air Force Test Pilot School (TPS) hat zwei parallel laufende Testprogramme mit dem Erprobungsflugzeug X-62 VISTA abgeschlossen: HAVE HEAT und HAVE HOLIDAYS. Beide Programme sollen KI- und Autonomiefähigkeiten für militärische Anwendungen ausbauen.
Das Testflugzeug, die X-62, ist eine stark modifizierte, zweisitzige F-16D, die von der Test Pilot School auch unter der Bezeichnung Variable Stability In-flight Simulator Test Aircraft, kurz VISTA, betrieben wird. Umgebaut wurde die Maschine zu Testzwecken schon 2022.
Automatische Zielverfolgung
Für HAVE HEAT steuerte ein Infrarot-Suchsystem die X-62A eigenständig in Abfangposition für eine Northrop T-38, die bei der Erprobung als Ziel diente. Über acht Testflüge hinweg führte das System insgesamt 27 KI-gesteuerte Abfangmanöver durch.
Der bei HAVE HEAT verwendete "Legion Pod" ist bereits seit einiger Zeit im regulären Einsatz auf bemannten Kampfjets der US-Luftwaffe im Einsatz.
Laut Hersteller Lockheed Martin handelt es sich um ein "multifunktionales Sensorsystem, das kollaborative Zielerfassungsoperationen in Umgebungen ohne Radarverfügbarkeit unterstützt". Ein KI-Agent wertet die Infrarot-Search-and-Track-Daten aus.
Solche passiven Sensoren gelten als besonders geeignet, um Ziele mit reduzierter Radarsignatur aufzuspüren, da sie Infrarotstrahlung nutzen und dadurch gegenüber elektronischer Kampfführung im Funkfrequenzbereich unempfindlich sind.
Da sie selbst keine Signale aussenden, bleiben sie zudem für das geortete Ziel unentdeckt. Bereits zuvor hatten die Luftwaffe und General Atomics mit der Drohne MQ-20 Avenger, ausgestattet mit demselben Sensor-Pod, autonome Zielerkennung und -verfolgung erprobt.
Integration von Drittsystemen
Unter dem etwas weniger eingängigen Namen HAVE HOLIDAYS wurde die Integration mehrerer modularer Technologien in den Missionsrechner der X-62 erprobt.
Dabei wurde unter anderem ein autonomer Agent eines "nicht-primären Drittanbieters" in das System eingebunden, wie der 412th Test Wing mitteilte. Getestet wurden zudem erweiterte Sicherheitsregeln, die verhindern sollen, dass autonome Systeme vom Nutzer festgelegte Betriebsgrenzen überschreiten, sowie eine weitere Integration von Chips für die Sensorauswertung.
Laut U.S. Air Force diente dieser Systemtest der technischen Risikominderung bei der Entwicklung von Logistik- und Integrationsrahmenwerken, die nach Abschluss der MSU weitere Flugtests mit staatlichen, akademischen und industriellen Partnern ermöglichen sollen.

Mehr Autonomie im Luftkampf
Die Testreihe ist Teil der umfassenderen Bemühungen der US-Luftwaffe, autonome Fähigkeiten für die geplante Flotte an Collaborative Combat Aircraft (CCA), also unbemannten, mit bemannten Jets zusammenarbeitenden Kampfdrohnen, zu entwickeln. Vorgesehen ist, dass solche Drohnen künftig hochwertige Zieldaten liefern, die auch stealth-optimierte Ziele erfassen können, ohne dass die Drohnen selbst ein Radarsignal aussenden müssen.
Nach Angaben der Air Force wurden sämtliche Bodentests des aus Militär-, Behörden- und Vertragspersonal zusammengesetzten Teams innerhalb von drei Monaten abgeschlossen, wobei beide Programme unter verkürzten Zeitplänen parallel liefen. Bei Lockheed Martin heißt es, die vollständige Integration und der Bodentest der Agenten mit der X-62 seien binnen drei Monaten erfolgt.
Die nächste Phase der Mission Systems Upgrades soll die Integration des RTX-Radarsystems PhantomStrike, eine erweiterte Sensor- und Rechenkapazität sowie moderne Netzwerk-Datenkommunikation umfassen.





