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Ob alt oder neu, die Marine hat weiter große Probleme mit der Verfügbarkeit ihrer Hubschrauber (hier Sea Lion links und Sea King). Bundeswehr

Einsatzbereitschaft der Systeme der Bundeswehr sehr unterschiedlich

Neue Zahlen der Bundeswehr Einsatzbereitschaft der Systeme sehr unterschiedlich

Die Bundeswehr preist in ihrem neuen Bericht zur Einsatzbereitschaft der Hauptwaffensysteme Verbesserungen an, doch teils sieht es weiter düster aus.

"Generell ist festzuhalten, dass die materielle Einsatzbereitschaft aller 71 Hauptwaffensysteme im Berichtszeitraum weiter zugenommen hat. Sie liegt bei durchschnittlich 76 Prozent", teilte das Verteidigungsministerium am Montag mit.

Allerdings bezieht sich diese Zahl nur auf die im "verfügbaren Bestand" der Truppe befindlichen Exemplare eines Systems. Die verbleibenden Systeme in Bezug zum Gesamtbestand befinden sich vor allem in langfristigen Werksinstandsetzungen, Umrüstungen oder Konstruktionsstandanpassungen. Dieser Anteil nimmt in den vergangenen Berichtszeiträumen kontinuierlich zu und liegt derzeit bei rund einem Drittel des Gesamtbestandes. Die Vereinheitlichung der Flotte, umfangreiche Umrüstungen und zusätzliche technische Neuerungen, um Obsoleszenzen vorzubeugen, führen in der Summe zu einem in den nächsten Jahren deutlich reduzierten verfügbaren Bestand.

"Die durchschnittliche materielle Einsatzbereitschaft von Kampffahrzeugen liegt ... für die Kampf- und Transportflugzeuge bei 64 Prozent, ... und bei den Hubschraubern erstmalig über 40 Prozent. Allerdings ist ein Drittel der Systeme nach wie vor durch sprunghafte Verläufe, hohe Streuung und vor allem durch einen zu geringen verfügbaren Bestand gekennzeichnet. Das betrifft sowohl die "alten" zukünftig auszusondernden Systeme (z. B. Sea King, Sea Lynx) als auch die neuen Waffensysteme wie A400M, NH90 NTH Sea Lion", heißt es weiter.

Hubschrauber bleiben Problemfälle

Zur Problematik der Hubschrauber führt der Bericht aus: "Auch bei der materiellen Einsatzbereitschaft der Hubschrauber der Bundeswehr sind vereinzelt positive Tendenzen zu erkennen. Die Verbesserung der Ersatzteillage, die Optimierung der Wartungsintervalle und Vereinheitlichung der Bauzustände sind Maßnahmen, die sich positiv auswirken.

Bei den alten Hubschraubern gelingt nur noch unter großen Anstrengungen ein operativer Flugbetrieb. Eine Neubeschaffung der Folgemuster ist zwingend erforderlich.

Mit dem Standardisierten Instandhaltungsleistungsvertrag (SILV) für den NH90 TTH zeigt sich die positive Wirkung dieser Bonus-Malus-Regelung durch gestiegene Verfügbarkeit. Beim KH TIGER führen unverändert fehlende Dockkapazitäten dagegen zu einem Inspektionsstau. Die bereits eingeleiteten Maßnahmen zur Verbesserung des Inspektionssystems, der Erhöhung der militärischen Wartungskapazitäten und der stärkere Rückgriff auf den bedarfsorientierten "Onsite-Support" der Industrie in der Truppe, wurden daher um eine zusätzliche Zielvereinbarung mit der Industrie erweitert.

Auch wenn sich der NH90 NTH Sea Lion derzeit in zahlreichen taktischen Einsatzprüfungen bewährt, so ist die materielle Einsatzbereitschaft des Hubschraubers noch sehr stark eingeschränkt (sprich bei 20 Prozent). So wirken sich hier beispielsweise die unzureichende Verfügbarkeit von waffensystem- bzw. missionsspezifischem Material und die noch nicht eingespielten Verfahren und Prozesse negativ aus.

Bei den Hubschraubern des Heeres konnte die Einsatzbereitschaft des NH90 TTH leicht gesteigert werden. Beim NH90 TTH sind die Häufung von zeitintensiven Störbehebungen sowie Lieferverzögerungen der Industrie von bis zu sechs Monaten unverändert die zentrale Herausforderung. Die Nachwirkungen des "Lockdowns" im Rahmen der COVID19-Pandemie aus dem Jahr 2020 erhöhen die Verzögerungen zusätzlich.

Aufgrund der Harmonisierung der unterschiedlichen Bauzustände der Flotte über umfangreiche Umrüstmaßnahmen (sogenannte Retrofit-Programme) sind weiterhin bis mindestens 2023 Einschränkungen bei der Anzahl operationell einsetzbarer Systeme festzustellen. Bei den im April 2020 im Rahmen des "Standardisierten Instandhaltungsleistungsvertrags" (SILV) angelaufenen Inspektionen NH90 konnten drei von sechs fertiggestellte Systeme innerhalb der vereinbarten Durchlaufzeiten abgeschlossen und damit eine deutliche Verbesserung der Leistungserbringung der Industrie festgestellt werden.

Mit dem 3. Quartal 2020 stellten sich Verzögerungen von 2 bis 14 Wochen ein, die vor allem auf fehlende Ersatzteile zurückzuführen sind. Zur Verbesserung der Situation wird derzeit mit der Industrie an einem neuen, leistungsbasierten Ersatz- und Austauschteilliefervertrag gearbeitet, der sich ab 2023 auswirken soll.

Die Einsatzbereitschaft des KH Tiger bewegte sich im Berichtszeitraum weiterhin auf einem unbefriedigenden Niveau. Der Stau an Hauptinspektionen bei einer großen Anzahl an Luftfahrzeugen aufgrund fehlender Dockkapazitäten beeinträchtigt unverändert die Einsatzbereitschaft bei diesem System. Die eingeleiteten Maßnahmen zum Abbau des Inspektionsstaus beginnen frühestens 2022 zu wirken. Mit der Beseitigung des Staus ist aber nicht vor Ende 2024 zu rechnen.

Beim Klarstand des Alt-Waffensystems CH-53 ist keine deutliche Trendwende zu erwarten. Das steht einer spürbaren Steigerung der Flugstunden aber nicht entgegen. Nach vielen Jahren hoher Einsatzbelastung müssen wir insbesondere wieder in die Ausbildung der jüngeren Besatzungen investieren. Eine erhöhte industrielle Unterstützung und eine verbesserte Ersatzteillage sind dafür zentral. Der Aufbau zusätzlicher industrieller Kapazitäten in Diepholz ist ein wesentlicher Baustein, der die hochbelasteten militärischen Kapazitäten verstärkt.

A400M mit technischen Mängeln

Problematisch bleibt auch der A400M-Transporter: "Die Auslieferungen erfolgten mit zahlreichen technischen Mängeln, die zusätzliche Kontrollen / Inspektionen erfordern. Zudem führen fehlende Ersatzteile und Wartungskapazitäten zum Stau bei erforderlichen Inspektionen, sodass zahlreiche A400M auf Abruf in die Instandsetzung warten. Im Rahmen der Initiative Einsatzbereitschaft haben wir dies aufgegriffen und arbeiten mit Hochdruck an einer Lösung". Insgesamt erfordert die "weiterhin unbefriedigende technische Produktreife bei A400M einen Instandhaltungsaufwand, der deutlich über die eigenen Kapazitäten hinausgeht.

Die materielle Einsatzbereitschaft des Tornado kann infolge seines Alters und der immer herausfordernderen Versorgung nur noch mit hohem Aufwand sichergestellt werden. Auch hier ist die Abstützung auf industrielle Kapazitäten eine wesentliche Säule. So erwarten wir vom Zwei-Schicht-System in der Instandhaltung bei der Industrie eine weitere Reduzierung der Durchlaufzeiten, die sich positiv auf die Verfügbarkeit von Luftfahrzeugen in den Einsatzverbänden auswirkt.

Besser sieht es beim Eurofighter aus, wo das erreichte Niveau von rund 70 Prozent weiter verstetigt und in einzelnen Wochen sogar die 75 Prozent-Marke übersprungen wurde. Seit 2019 hat sich die Anzahl der Eurofighter, die wegen fehlender Ersatzteile nicht einsetzbar waren, halbiert. Trotz Einschränkungen in Folge der COVID-19-Pandemie gelang es, die Flugstunden in 2020 im Vergleich zum Vorjahr um fast sechs Prozent zu steigern und bisher in 2021 die vorgesehenen Flugstundenziele sogar zu überfliegen.